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VSR-Gewässerschutz beklagt nitratverseuchtes Brunnenwasser in Geldern

VSR-Gewässerschutz : Brunnenbesitzer verärgert über Nitrat

Der VSR-Gewässerschutz hat 19 Wasserproben aus Geldern und Issum untersucht. Jede zweite überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung. Die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft wird gefordert.

 Viele Brunnen in Geldern und Issum sind mit zu viel Nitrat belastet. Zu diesem Ergebnis kommt der VSR-Gewässerschutz, der Wasserproben von 19 Bürgern untersucht hat. Bei fast jedem zweiten Brunnenbesitzer überstieg die Nitratkonzentration des Wassers den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung. Dieser liegt bei 50 Milligramm pro Liter. In einem privat genutzten Brunnen in Veert fanden die Umweltschützer 138 Milligramm Nitrat pro Liter. 86 Milligramm pro Liter (mg/l) waren es in Walbeck, 94 mg/l in Geldern, 122 mg/l in Sevelen und 63mg/l in Kapellen an der Fleuth.

„Die Ursache für die hohe Belastung des Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wachsen konnte. Auch die geplante EU-Agrarreform fördert die gewässerschonende Landwirtschaft nicht ausreichend“, sagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Das frustriere besonders die Familien, die das Wasser nutzen wollen, um damit zum Beispiel im Sommer ihr selbst angebautes Gemüse zu gießen oder das Planschbecken für die Kinder zu füllen. Außerdem sickere das belastete Grundwasser den Gräben und Bächen zu und gelange so über die Flüsse in die Nordsee. Dort führt die massive Nitratbelastung zu einem übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel.

Kritik kommt von den Landwirtschaftsverbänden. Sie machen die Agrarindustrie als Hauptverursacher der Nitratbelastung verantwortlich. Die hohen Werte seien unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre. Bareiß-Gülzow widerspricht: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Unsere Untersuchungen ergaben, dass fast alle Wasserproben mit hohem Nitratgehalt nicht mit diesen Bakterien belastet waren.“ Deswegen sei davon auszugehen, dass im Grundwasser keine Abwasserbelastung vorliege. Nur bei einer Probe aus Veert wurde E.coli festgestellt.

Ein weiteres Argument der Landwirtschaft, wie es zu den hohen Nitratwerten komme, sei die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Auch hier widerspricht der VSR-Gewässerschutz. Der Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes habe gezeigt: „Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat treten überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen.“

Dass eine Verringerung der Nitratbelastung möglich ist, zeigen nach Angaben der Gewässerschützer die geringen Nitratwerte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen werde Landwirtschaft betrieben. Dank frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und den Landwirten sank die Belastung enorm.

Der VSR-Gewässerschutz fordert die Verantwortlichen in der Agrarpolitik deshalb auf, die geplante Reform so nachzubessern, dass die Nitratbelastung der Gewässer verringert wird. „Durch eine umweltschonende Bewirtschaftung der Flächen kann die vorhandene Nitratbelastung nachweislich wesentlich verringert werden“, ist Susanne Bareiß-Gülzow überzeugt. „Es wird höchste Zeit, die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.“