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Geldern: Vorher: Wiese Pont, nachher: Auenland

Geldern : Vorher: Wiese Pont, nachher: Auenland

Am Wochenende finden zum zweiten Mal die Tolkien-Tage in der kleinen Ortschaft statt. Zum ersten Mal gibt es ein eigenes Kinderprogramm mit Waldrittern. Die Erwachsenen dürfen sich auf Musik, Vorträge und Markthändler freuen.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Noch ist außer Vogelgezwitscher im idyllischen Ponter Bürgerpark nichts zu hören, und auch die Dorfwiese liegt noch ruhig, beinahe verlassen da.

Am Sonntag wird dort das Schnauben und Getrappel von Pferden zu hören sein, Orks werden mit schweren Schwertern durch die ansonsten unberührte Landschaft des Drachendorfes stampfen. Dann ist es wieder soweit, Tolkien-Tag in Pont. Bereits zum zweiten Mal findet der im beschaulichen Ort statt. Für Sebastian Kleinen, 2. Vorsitzender der Deutschen Tolkien-Gesellschaft und überzeugter Ponter, ist das kein Problem. Denn immerhin komme sein Heimatort mit dem Kartoffelmarkt im Herbst mit wesentlich größeren Besucherströmen zurecht. Allerdings sei die Verweildauer bei den Besuchern des Tolkien-Tages länger als beim Kartoffelmarkt, denn es gibt nicht nur jede Menge zu sehen, sondern auch zu erleben.

Denn Besucher tauchen in eine völlig andere Welt ein, in die des englischen Literaturprofessors J.R.R. Tolkien. Fans seiner bekannten Bücher "Herr der Ringe" und "Der Hobbit" sind mit den Begriffen Auenland, Orks und Elben vertraut. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, der wird am Wochenende auf jede Menge Menschen treffen, die in ihren Gewandungen aussehen, als seien sie einem Tolkien-Buch entsprungen. Kein Wunder, dass sich das auch auf die Nahrungsmittel auswirkt, die angeboten werden. Ein Würstchen heißt am Zwergengrill "Nazgul im Naturdarm", und wer ein Steak haben möchte, der bestellt einen "Wargbraten".

Zum ersten Mal gibt es ein eigenes Kinderprogramm. Dank der Unterstützung durch eine Spende der C&A-Foundation konnten Erlebnispädagogen für den Tolkien-Tag 2014 engagiert werden. Die Pädagogen bringen Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren das Auenland Tolkiens nahe. Es gibt Schwerter und Gewandungen für die Kinder, damit sie sich ganz in die Geschichte einfinden können.

Die Erwachsenen können die Zeit nutzen, sich mit Orks (den gefährlichen Feinden) anzufreunden oder der Musik der vier Bands lauschen. Für echte Literaturfans gibt es verschiedene Vorträge, die sich um Drachen, Hobbits und den Aufstieg und Fall der Weltmacht Númenors drehen. Wer mehr das Praktische schätzt, der kann Bogen- und Hornschnitzern bei ihrer Tätigkeit über die Schulter schauen. Zu den zahlreichen Ausstellern gesellen sich auch einige Händler, zum Beispiel ein Schreibwarenstand, der Schreibfedern anbietet und von Hand eingebundene Bücher. Wer das Ungewöhnliche sucht, der wird mit Sicherheit fündig. Vom Flair vergleicht es Sebastian Kleinen mit Mittelaltermärkten, und doch hat es eine andere Wertigkeit, da der Schriftsteller Tolkien und seine Welt im Vordergrund stehen. Nicht zu vergessen ist das Lokalkolorit. Der Met, den es zu kaufen gibt, stammt aus Geldern.

"Und wir kennen noch die Bienen, die den Honig geliefert haben", sagt Kleinen scherzhaft. Trotz familiärer Atmosphäre: Das Publikum wird international. Aus ganz Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich wird es Tolkien-Fans in das kleine Pont ziehen, weiß Kleinen.

Bis dahin sind die Arbeiten in vollem Gange. Buden werden aufgebaut und eine Garage in die legendäre Drachenhöhle von Smaug verwandelt. Ach ja, der Schwanz des Drachen muss auch noch gestopft werden. Aber das ist für die Ponter, die vor mehr als 1000 Jahren einen Drachen töteten, überhaupt kein Problem. Der Tolkien-Tag kann also kommen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Was man zu "Der Hobbit" und "Herr der Ringe" wissen muss

(bimo)