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FairKaufHaus Geldern: Vom Ein-Euro-Job in den ersten Arbeitsmarkt

FairKaufHaus Geldern : Vom Ein-Euro-Job in den ersten Arbeitsmarkt

Das Beispiel von Natascha Litau zeigt, wie das Gelderner Fairkaufhaus der Caritas Menschen in Arbeit bringt.

Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu führen, ist die zentrale soziale Aufgabe des Fairkaufhauses der Caritas in Geldern. Insgesamt 27 Menschen werden derzeit dort und in zwei weiteren Caritas-Einrichtungen fit gemacht für einen Job. Obwohl sie aus unterschiedlichsten Gründen zuvor jahrelang – teils jahrzehntelang – als kaum vermittelbar galten, schaffen regelmäßig Maßnahmenteilnehmer den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt.

An der Kasse des Fairkaufhauses in Geldern steht Natascha Litau und rechnet mit den Kunden die Einkäufe ab. Währenddessen hat die 38-Jährige für jeden ein nettes Wort übrig und wirft nebenbei noch ein Auge auf den Laden, wo sich schon morgens mehrere Kunden zwischen den Ständern mit der Second-Hand-Kleidung tummeln. Bis hierher war es ein weiter Weg für Natascha Litau. 1995 kam sie aus der früheren Sowjetrepublik Kasachstan nach Deutschland. Danach bekam sie sechs Kinder und hatte dadurch weder die Chance, berufstätig zu sein, noch eine Ausbildung zu machen. Die ersten Schritte ins Berufsleben machte sie schließlich als Ein-Euro-Joberin im Fairkaufhaus. „Meine Schwester hat schon hier gearbeitet und mir von der Möglichkeit berichtet“, sagt Natascha Litau.

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Zu Beginn arbeitete sie in der Spendenannahme, wo sie gespendete Kleidung bügelte. „Dort konnten wir Frau Litau zunächst einen geschützten Bereich bieten ohne Kundenkontakt, wo sie sich an die Arbeitswelt gewöhnen konnte“, erklärt Resi Appel, technische Anleiterin für den Bereich Textil im Fairkaufhaus. Stück für Stück fand sich Natascha Litau in die neue Rolle ein. „Vorher war ich ja den ganzen Tag zu Hause, und auf einmal hat der Alltag eine feste Struktur bekommen. Man muss aufstehen, pünktlich bei der Arbeit sein und alle anderen Dinge nach Feierabend organisieren“, sagt sie. Vom Bügelbrett wechselte sie dann relativ schnell in den Laden, wo sie mit Kollegen und Kunden in Kontakt kam, und heute steht sie sogar an der Kasse – eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. „Es war anfangs schwierig für mich, im Laden auf Menschen zuzugehen, aber nach kurzer Zeit ging das immer besser“, berichtet sie. Anleiterin Resi Appel ergänzt: „Wir schauen immer, wie schnell sich ein Maßnahmenteilnehmer weiterentwickelt, und bieten dann einen passenden Arbeitsbereich an.“

So durfte Natascha Litau dank guter Leistungen immer mehr Verantwortung übernehmen – stets mit dem Ziel, irgendwann auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Nachdem ihr Vertrag als Ein-Euro-Jobberin ausgelaufen war, bekam sie dank des Bundesprogramms „Be part of it“ und später durch das Teilhabechancengesetz einen Arbeitsvertrag mit 30 Wochenstunden und tariflicher Bezahlung.

„Unser Ziel ist immer, die Maßnahmenteilnehmer ein Stück zu begleiten und dann in den ersten Arbeitsmarkt zu entlassen“, sagt Julian Kroll, Leiter der Beruflichen Integration im Fairkaufhaus. Auch für Natascha Litau sieht er gute Chancen. „Durch ihre Berufserfahrung, die sie hier gesammelt hat, ist sie für Verkaufs- oder Helfertätigkeiten im Einzelhandel durchaus geeignet oder kann sogar eine Ausbildung beginnen“, sagt Julian Kroll.