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Geldern: Vierfacher Hennesen rockt Walbeck

Geldern : Vierfacher Hennesen rockt Walbeck

Beim Konzert in der "Friedenseiche" vereinte Michael Hennesen Vergangenheit und Gegenwart seiner 40-jährigen Musikerkarriere auf der Bühne. Vier Bands voller Spielfreude - und ein Augenblick voller Emotionen.

Michael Hennesen blickt auf eine 40-jährige Musikerkarriere zurück und erfüllte sich am Freitag anlässlich seines 60. Geburtstages einen Traum: mit den Jungs seiner aktuellen Band und den ehemaligen Formationen einen Abend lang auf der Bühne zu stehen. Keine Location hätte für das "Rock-Event des Frühjahres" besser sein können als die gute alte Stube der niederrheinischen Rock-Musik, die "Friedenseiche" in Walbeck.

"Die Jungs zusammen bekommen, war das geringste Problem, die brauchte ich kein zweites Mal zu fragen",berichtete Hennesen schmunzelnd. "Viel stressiger waren da die Proben, schließlich waren es vier Bands." Und diese vier Bands waren "KooK" und "Ion Tichy" sowie "Hennesen" und "White No Sugar". Zum Teil etwas in die Jahre gekommene Musiker, die jedoch nicht die Spur von Musikalität, Energie und Bühnenpräsenz eingebüßt hatten.

Den Anfang machte vor etwa 300 Zuschauern die Familienband "Hennesen". Vater Michael an der Gitarre, Sohn Clemens am Bass und Sohn Martin hinter dem Schlagzeug. Sie präsentierten Eigenkompositionen, die sie als generationenübergreifenden Crossover bezeichnen.

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Die Gründe für den Konzertbesuch waren vielseitig: Ein Besucher wurde einfach von seiner Freundin mitgeschleppt, fand die Musik aber richtig gut. Eine junge Frau wollte ihren zukünftigen Schwiegervater auf der Bühne erleben, und die meisten waren da, weil sie sich in die Zeit von damals versetzen lassen wollten und auf gute handgemachte Musik standen. Nach 45 Minuten und einer kurzen Umbaupause wechselte Hennesen seine Oberbekleidung, und nun stand "KooK" auf dem T-Shirt. Eingängigen Pop-Rock präsentierten Tim Wieggers (Bass), Stephan Minor (Schlagzeug), und Michael Hennesen (Gitarre) und spätestens bei ihrem Super-Hit "Fall back on me" von 2011 taute das Publikum auf. "Es ist schon eine sehr bewegende Sache, nach fünfeinhalb Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen", bekannte Tim Wieggers. "Da steht mir das Pipi in den Augen."

Legenden der niederrheinischen Rockszene betraten die Bühne. Zunächst zu viert: Felix Pickers (Bass), Rainer van Treeck (Gitarre und Power-Ukulele), Gregor Pickers (Gitarre), Michael Hennesen (Schlagzeug): Ion Tichy. "Dass wir hier auf der Bühne stehen, ist reine Psychologie", begrüßte Felix Pickers das Publikum. "Zum einen Vergangenheitsbewältigung, zum anderen die Gestaltung der Zukunft." Bei den ersten Akkorden im ersten Stück war das Publikum voll da.

Vor dem letzten Stück kam es zu einem sehr emotionalen Augenblick: Der durch eine rheumatische Erkrankung stark beeinträchtigte Band-Schlagzeuger Jürgen Pulmann wurde angekündigt. Er betrat unter tosendem Applaus auf zwei Gehhilfen gestützt die Bühne, legte sie neben dem Schlagwerk ab und trommelte zum letzten Stück "Waiting for you", was das Zeug hielt. Das war ergreifend.

Bis nach Mitternacht ließen die Blues-Rocker Karsten Alexander, Hendrik Heetfeld, Frits van de Wal, Olly Thiel und Michael Hennesen von "White No Sugar" mit Cover-Stücken, unter anderem von den Stones und Clapton, den Abend ausklingen.

(ütz)