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Geldern: Vier Jahre auf Ausbildungsplatz gewartet

Geldern : Vier Jahre auf Ausbildungsplatz gewartet

Immobilienmakler oder Vermessungstechniker wollte er werden. Doch durch einen Minijob hat der 24 Jahre alte Grzegorz Janasiewicz erkannt, dass ihm die Arbeit mit Holz liegt. Nun macht er eine Ausbildung in der Schreinerei.

Schwindelfrei sollte Grzegorz Janasiewicz schon sein, wenn er mit Kollegen einen Dachstuhl am Neubau anbringt. Dabei steht der 24-Jährige, was seine Perspektive betrifft, mit "beiden Beinen auf dem Boden".

"Seit Januar 2014 bin ich für zweieinhalb Jahre Auszubildender in der Tischlerei und Schreinerei von Ulrich Rütten. So lang, fast vier Jahre, habe ich auf den richtigen Job gehofft. Als ich aus dem Weihnachtsurlaub aus Polen kam, ging alles sehr schnell. Innerhalb von wenigen Tagen habe ich den Lehrvertrag unterschrieben", erzählt er .

Gut vier Monate später erkennt der junge Mann die Weitsicht seines Meisters an. Dieser hatte das Talent seines Schützlings im Umgang mit dem natürlichen Werkstoff weitaus früher erkannt. "Zuerst habe ich Arbeit auf einer Baustelle gesucht. Bei Ulrich Rütten bekam ich einen Minijob, war unentschlossen, obwohl es mir Spaß machte." Irgendwie hatte er noch andere Vorstellungen. "Vermessungstechniker fand ich gut oder Immobilienmakler. Dann habe ein Praktikum bei der Wohnungsgesellschaft in Geldern gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass sprachliche Hürden mir den Weg in diese Berufe verbauen", erzählt der Walbecker.

Eine Rückkehr nach Polen wäre ebenso trotz seines Abiturs für den beruflichen Einstieg mehr oder weniger perspektivlos geblieben. Also absolvierte der Abiturient in Geldern einen neunmonatigen Intensiv-Sprachkursus. "Das Sozialsystem in Deutschland ist einfach besser. Wir bekommen hier deutlich mehr soziale Hilfe", erklärt Janasiewicz den Niederrhein zu seiner neuen Heimat.

Ulrich Rütten und das Team sind vollauf zufrieden mit der Arbeitsleistung des Lehrlings. "Die ersten Werkstücke, die Gregor aus dem überbetrieblichen Lehrgang mitgebracht hat, haben mich sehr erstaunt. Zuerst habe ich gedacht: Das hat er nicht wirklich gemacht? Saubere Arbeit. Ich war mir sowieso sicher, dass er sich richtig entschieden hat", sieht sich der Handwerksmeister bestätigt.

"Das Klima ist gut in der Werkstatt. Manchmal ist der Chef wie ein väterlicher Freund", erzählt der Berufsanfänger. Sein Lebenslauf hat auf jeden Fall eine ungeahnte Wendung bekommen. Genug, um in kleinen Schritten für die Zukunft zu planen. Zuerst will der Azubi seine Lehre schaffen, später als Geselle arbeiten. "Nun kann ich besser einschätzen, wie viele Möglichkeiten ich mit dieser Ausbildung danach habe. Als Geselle, vielleicht später meinen Meister machen oder als Techniker arbeiten", zählt er auf. Sein Traum wäre die Selbstständigkeit im Beruf und ein eigenes Haus zu bauen.

Wo genau das stehen wird, da kann er sich heute noch nicht festlegen. "Aber ich bin glücklich über die Wahl und dass es endlich geklappt hat."

(mk)