Geldern: "Viel Lärm um nichts" zeitgemäß inszeniert

Geldern: "Viel Lärm um nichts" zeitgemäß inszeniert

Gelungene Premiere für das Team der Theater Werkstatt Haus Freudenberg mit dem Shakespeare-Stück.

Die Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums in Geldern war voll. Die Spannung vor und hinter dem Vorhang wohl gleichermaßen hoch. Der "Betrachter" des Stückes, Mike Perbix, betrat die Bühne. Erster Applaus und Jubelrufe brachen aus. Dann, lautes Stampfen und ein befreiendes Gebrüll hinter dem Vorhang. Die Theater Werkstatt Haus Freudenberg hatte zu "Viel Lärm um nichts, oder wie aus List und Lüge Liebe wird" eingeladen. Es wurde ein unvergesslicher Abend für alle Beteiligten.

Denn diese alte Geschichte von William Shakespeare wurde neu und modern inszeniert. Mit Steam- Punk-Elementen und kleinen Anspielungen auf unsere gesellschaftliche Lage. Shakespeare hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Denn immer noch geht es um Liebe, Lügen und Freundschaft. Der Betrachter erlebt die aufkeimende Liebe zwischen der schönen Hero, gespielt von Mirjam Reykers und Claudio, gespielt von Sebastian Schminke. Bald soll die Hochzeit gefeiert werden. Der zukünftige Schwiegervater Leonato, gespielt von Richard Wagener, ist zwar nicht ganz so überzeugt von seinem zukünftigen Schwiegersohn, aber er möchte der großen Liebe seiner Tochter auch nicht im Weg stehen. Sorgen macht er sich hingegen um die seine Nichte. Beatrice, dargestellt von Jenny Schindler hat eine scharfe Zunge und einen wachen Verstand. Sie würde Amor nicht so schnell "auf dem Leim gehen". Wo sie nur kann, hackt sie auf allen Männern rum. Ganz besonders auf Benedikt. Er ist ein selbstverliebter Schönling, der so gar nichts von Liebe und Heiraten hält. Benedikt (Olaf Böcker) findet Frauen wie Beatrice einfach nur anstrengend. Doch der Fürst Don Pedro, gespielt von Christian Wagener schmiedet einen Plan. Wenn sein Freund Claudio schon heiratet, so will er es auch schaffen, dass Benedikt und Beatrice ein Paar werden. Mit List und Tücke wird hier eine Liebe quasi "eingeredet" wo an anderer Stelle eine Liebe ausgeredet wird. Der Bruder von Don Pedro wendet nämlich auch eine List an, um Liebe zu zerstören. Don John, gespielt von Heinz-Walter Schweers und Lutz Mecklenburg, die immer synchron ihren Text sprechen, will die Hochzeit von Hero und Claudio unbedingt verhindern. Dabei helfen ihm drei Frauen: Borachio, alias Laura Sakowitz, Cornelia, alias Joanna Bailey und Ramazotti, alias Ramona Deppe. Aber auch die Kammerfrau Margareta, gespielt von Steffi Heald, lässt sich auf dieses dunkle Spiel ein. Wo auf der einen Seite eine für unmöglich gehaltene Liebe aufkeimt, wird auf der anderen Seite eine junge Liebe vernichtet. Zwar werden die drei Frauen noch vor der Hochzeit von Dogbery, gespielt von Christian Hanßen, und den Wachen (Ingo Tebart, Daniela Ströter, Florian Stumpf, Hendrik Wolters, Markus Eckhart und Markus van de Kamp) geschnappt, doch das Unheil kann nicht mehr aufgehalten werden. Kurz vor der Hochzeit sieht man, wie die Damen der Hochzeitsgesellschaft sich schminken. Eine surreale Szene, auf die der Zuschauer da blickt. Große Schminktische, Frauen in Schlafkleidern. Zunächst scheint alles normal, doch dann kann man plötzlich ihre Gedanken hören, dass Schlagzeug der Liveband peitscht den Puls hoch und besonders Margareta (Steffi Heald) scheint von ihrem schlechten Gewissen gerade zu überrollt zu werden. Sie schreit: "Ich spreche hier die Wahrheit". Eine Melodie klingt durch, der Takt wird immer stärker. "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. In dem Moment, in dem man das Lied erkennt, schreien alle Frauen, die sich inzwischen komplett mit Lippenstift bemalt haben: "Arschloch, Arschloch, Arschloch". Der Vorhang fällt zur Pause. Die Band setzt mit ihrer Musik in diesem Theaterstück wichtige Akzente. Der zweite Akt wird noch dramatischer und zugleich noch emotionaler. Die Hochzeit zwischen Claudio und Hero platzt. Denn Claudio glaubt den Lügen, Hero wäre untreu, mehr als seinem Herz. Daraufhin fällt Hero wie tot zu Boden.

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Ob und wie die Liebe siegt, kann man sich noch am 21. April im Kevelaer Bühnenhaus (Einlass 18 Uhr, Beginn 19 Uhr) oder am 28. April in der Stadthalle im Kleve (Einlass 18 Uhr, Beginn 19 Uhr) anschauen.

(sina)
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