Verleihung des Übersetzerpreises im EÜK Straelen

Literatur : Werbung für die Hardware „Buch“

Im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen wurden die Übersetzerpreise an Olga Radetzkaja und Jan Schönherr überreicht. Die humorvolle Einleitung der Feierstunde übernahm einmal mehr EÜK-Präsident Claus Sprick.

Auch das ist der Übersetzerpreis, eine verspätete Wiedergutmachung. In diesem Sinne äußerte sich Sieglinde Geisel, als sie am Mittwochabend im Atrium des Europäischen Übersetzer-Kollegiums (EÜK) Straelen die Lobrede auf die beiden diesjährigen Preisträger hielt. Es sind Olga Radetzkaja, deren Übersetzung von Viktor Schklowskijs Roman „Sentimentale Reise“ aus dem Russischen und deren übersetzerisches Lebenswerk gewürdigt wurden, sowie als Förderpreisträger Jan Schönherr für den aus dem Englischen übersetzten Roman „Neu-York“ von Francis Spufford. „Die Veröffentlichung ihrer deutschen Fassung im Jahr 2017 fand in den Feuilletons kaum Widerhall. Die Jury korrigiert mit ihrer Entscheidung auch ein Versagen der Kritik“, sagte die Laudatorin.

Die beiden Werke gebe es dank der beiden Übersetzer endlich auch auf Deutsch, sagte EÜK-Präsident Claus Sprick, der einmal mehr die Begrüßung zu dieser Feierstunde übernahm. Und das auf gewohnt humorvolle Art. Diesmal nahm er augenzwinkernd die Digitalisierung aller Lebensbereiche auf die Schüppe und präsentierte, in der Manier eines Internet-Gurus, dem Publikum eine neuartige Hardware für die Gedankenübertragung vom Schriftsteller zum Leser via Übersetzer: das Buch. Er pries die blendfreien Doppel-Displays dieses leichten, preiswerten und überall nutzbaren Geräts, das sogar einen Fall aus mäßiger Höhe schadlos überstehe.

Zum 16. Mal wurde der Übersetzerpreis verliehen. Und wieder sei der Jury die Entscheidung wegen der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten nicht leicht gefallen, stellte Dagmar Fretter, Fachbereichsleiterin Literatur bei der Kunststiftung NRW, fest. Dieses hohe Niveau gebe es nicht zuletzt wegen solcher Institutionen wie dem EÜK.

Die Jury-Mitglieder Christiane Körner und Ulrich Blumenbach würdigten die Arbeiten der ausgezeichneten Übersetzer. Olga Radetzkaja verwehre jede Glättung und damit Erleichterung beim Lesen des eben nicht sentimentalen Romans von Schklowskij, meinte die Jurorin. Es seien höchste Präzision und langes Feilen an den quasi schmiedeeisernen Sätzen nötig. Es gebe Stellen, an denen die deutsche Sprache sich erweitert und neue Wege beschreitet. Schönherr, meinte Blumenbach, liefere Metaphern nach Art eines Jean Paul und streue charmant und augenzwinkernd Anachronismen ein.

Die beiden Übersetzungswerke, die mit dem Straelener Übersetzungspreis ausgezeichnet werden, seien in jeder Hinsicht gegensätzlich, stellte Laudatorin Sieglinde Geisel fest. Damit meinte sie unter anderem die Lakonie Schklowskijs und den Überschwang Spuffords. „Doch zugleich gibt etwas, was sie miteinander gemein haben: Beide Texte stellen höchste Ansprüche an das übersetzerische Können.“ Für die Leser sei es ein Gewinn, dass sie diese beiden Bücher in der Handschrift von Olga Radetzkaja und Jan Schönherr kennenlernen. „Sie haben diese beiden so unterschiedlichen Werke mit neuen Energien aufgeladen und damit kongenial erneuert.“

Übersetzte Bücher „hindern uns daran, unter uns zu bleiben“, stellte Olga Radetzkaja in ihrer Dankesrede fest. Und laut Jan Schönherr helfen solche Preise wie der im EÜK verliehene dabei, „uns scheue Chamäleons Übersetzer sichtbarer zu machen“. Pianist Gleb Koroleff aus Lettland umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Und nach dem offiziellen Teil gab es Fingerfood vom „Straelener Hof“.