Muziek-Biennale in Weeze Verbotenes auf Schloss Wissen

Weeze · Die Muziek-Biennale endet mit einem „Best of“ in Weeze. Junge Talente zeigen Musik, die in der NS-Diktatur als entartet galt. Es folgt ein Musical übers Glück.

 Die Muziek-Biennale bei der vergangenen „Best of“-Ausgabe auf Schloss Wissen in Weeze im Jahr 2016.

Die Muziek-Biennale bei der vergangenen „Best of“-Ausgabe auf Schloss Wissen in Weeze im Jahr 2016.

Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Es geht um das Unerhörte, das Ungesagte, das Unsagbare, um Tabubrüche und Provokationen. „Verboten“ ist das Thema der Muziek-Biennale, die auch auf Schloss Wissen gastiert. Beim Finale „Best of“ am Samstag, 6. Oktober, treten in dem historischen Gemäuer die Spitzentalente der Musikschulen aus der Umgebung auf.

Viel Verbotenes und Verborgenes bringen die jugendlichen Ensembles mit: Werke jüdischer Komponisten und anderer, die in der nationalsozialistischen Ära Deutschlands als entartet diffamiert worden waren. Aber auch musikalische Grenzgänger und Vorreiter werden zu hören sein. Zwei Hornisten werden die Gäste mit Eröffnungsfanfaren im Innenhof begrüßen. In der Mosterei erinnern dann die Musiker der Haldern Strings mit der Streichersinfonie Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy an ein verbotenes Stück zu Zeiten der NS-Diktatur.

Danach gilt das Prinzip eines Wandelkonzerts. Das heißt, die Besucher wandern zwischen fünf Bühnen in der Kapelle, dem großem Esszimmer, dem weißen Salon und dem Verlies hin und her und hören dort unterschiedliche Konzerte. Für die Besucher bleibt es spannend, bis sie an dem Abend ihre Karte bekommen. Je nach Farbe der Karte werden die Gäste in vier Gruppen aufgeteilt, die ein jeweils individuelles Programm erwartet.

Von der Kreismusikschule Viersen entführen Katrin Mewissen (Gesang) und Daniel Brockmann (Klavier) die Zuhörer in den Kosmos der Musical- und Operettenkomponisten. Unter anderem mit Werken aus „Phantom der Oper“, „Elisabeth“ oder „Die Feldermaus“ von Johann Strauss. Das Kinder- und Jugendorchester der Musikschule Kamp-Lintfort lässt Kinowelten mit einem Medley bekannter Filmmusiken erlebbar werden. Und das Saxophonquartett Big Flaps der Musikschule Rhein-Kreis-Neuss sorgt für Festivalstimmung mit Irving Berlins „Alexander’s Ragtimeband“, Astor Piazollas „Libertango“ und dem „Klezmer Triptych“ von Mike Curtis unter der Leitung von Dominik Oppel. In der Wissener Schlosskapelle präsentiert Judith Bothe von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf an der Wilhelm Rütter-Orgel aus dem Jahr 1882 Orgelwerke aus drei Jahrhunderten.

Die jungen Musiker, die auf Schloss Wissen auf den Bühnen stehen, kommen zwar von Musikschulen, ihre Arbeit sei aber hochprofesionell, sagt Ingrid Misterek-Plagge vom Kulturraum Niederrhein. Der Verein veranstaltet das länderübergreifende Musikfestival nun zum sechsten Mal. „Es sind Leistungsträger, die oft nur vor Ort glänzen und die wir in ein regionales Licht stellen wollen“, sagt Ingrid Misterek-Plagge. Dass auch Konzerte auf Schloss Wissen, dem Stammsitz der Familie van Loë, stattfinden, ist bereits Tradition. „Diese Räume wurden irgendwann mal gebaut, um dort Musik zu machen“, sagt Freiherr Raphael van Loë. „Darum ist es immer wieder eine schöne Begegnung mit den Musikern.“

Erstmals folgt auf den Konzertabend am Samstag auch ein Musical am Sonntag, 7. Oktober. Julia Polziehn zeigt mit dem Kinder- und Jugendensemble der Musikschule Krefeld das Stück „Nora und die Suche nach dem Glück“. Die Geschichte: Nora macht sich neugierig und mit unstillbarem Wissensdurst auf die Suche nach dem Glück und trifft dabei auf die unterschiedlichsten Menschen. Das Musical ist vom ersten Ton des Eröffnungslieds bis zum letzten Knopf am Kostüm von den Lehrkräften und Musikschülern gestaltet worden.

Karten für den Konzertabend inkl. Imbiss kosten 24 Euro, für das Musical 5 Euro, beides erhältlich beim Kulturamt Weeze, Telefon 02837 910116.

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