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Valerie Pöllen aus Nieukerk kann virtuos auf der Blockflöte spielen.

Blockflötenvirtuosin aus Nieukerk : Eine Flöte in allen Größen

Zum Tag der Blockflöte: Valerie Pöllen hat es auf dem vermeintlichen Einstiegsinstrument für Kinder zu hoher Virtuosität gebracht. Bei dem Lernerfolg, sagt die Nieukerkerin, spielen die Eltern eine wichtige Rolle.

Wenn Valerie Pöllen ein Blockflötenkonzert gibt, kann sie das Instrument nicht einfach in der Jackentasche verstauen. Meist hat sie eine Stoffrolle mit Fächern für mehrere Flöten dabei, von der winzigen Sopranino- bis zur beeindruckenden Bassflöte. Der Behälter passt dann immerhin in einen Rucksack. Erfolg hat sie, wenn sie alleine oder mit ihrer Duo-Partnerin Anne-Katrin Sandmann bis zu acht unterschiedliche Instrumente vorführt. „Das kommt super an. Nicht zuletzt für Kinder ist es faszinierend, was alles Blockflöte ist“, erzählt die 31-Jährige. Für sie ist die Blockflöte seit Jahrzehnten musikalischer Weggefährte.

Blockflöte war für Valerie Pöllen das Einstiegsinstrument, so wie für ungezählte andere Kinder. Mit dem Unterricht begann sie nach der Musikalischen Früherziehung an der Kreismusikschule in Geldern, nahm bald außerdem Klavierstunden. Anders als die meisten Kinder hörte sie mit der Blockflöte nach der vierten Klasse allerdings nicht auf. „Es hat Spaß gemacht, und ich konnte es ganz gut.“ Frühe Förderung erfuhr sie durch ihre Lehrerin Sabine Gerlach, die die Drittklässlerin bei „Jugend musiziert“ anmeldete, was zum ersten Erfolg und zusätzlicher Motivation führte. Ihr Klavierspiel wurde von Dieter Lorenz nach vorne gebracht.

„Und meine Eltern guckten darauf, dass ich übe“, nennt sie einen weiteren wichtigen Faktor für das Dabeibleiben. Wichtig sei, dass das Kind zu Hause spielt. Instrumentalunterricht sei auch Verpflichtung. „Wir haben einen guten Mittelweg gefunden, dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar.“ Sie selber habe Zeit investiert und eine „ganz passable Selbstdisziplin“ entwickelt. Nach und nach habe sich eine Eigendynamik entwickelt, „es floss ziemlich natürlich dahin“. Das half nicht zuletzt dabei, beim Klavier eine Durststrecke zu überwinden. Heute ist die Musikerin „dankbar, dass ich weitergemacht habe“.

Jungstudentin an der Musikhochschule Folkwang in Essen, das Studium der Musikpädagogik in Essen und ein Jahr Studium in Nürnberg bei Jeremias Schwarzer, einem ihrer Vorbilder, waren einige weitere Stationen. „Bei Schwarzer habe ich ganz viel und allumfassend über Musik gelernt.“ Und er sorgte auch für ihr erstes prägendes Konzerterlebnis im Sommer 2014 in einer Nürnberger Kirche. Es war ein Tag mit einem Spiel der Fußball-WM, und doch „saßen tatsächlich Leute dort und hörten zu“. Valerie Pöllen spielte damals ihr erstes Konzept-Konzert. „Ich versuche, für die eine Stunde eine Aussage und einen roten Faden zu finden.“ In Nürnberg war es eine Kombination aus Flötenspiel und Textpassagen unter dem Titel „Euterpes Cocktail-Party“, wo berühmte Frauengestalten aus der Mythologie und aus dem wirklichen Leben auftauchten.

Wann immer sie mit Flötistin Anne-Katrin Sandmann oder einem Cembalisten Duo-Konzerte gibt, verfolgt sie ein Konzept. Spannend ist für die Musikerin  das Ineinandergreifen von Sparten, weil da Schauspielelemente mit einfließen. Zwei- bis dreimal im Jahr hat sie Gelegenheit für diese besondere Form. „Diese Konzerte sind eher ein Hobby“, meint die Nieukerkerin.

Ihr Lebensschwerpunkt liegt zurzeit in der Schule. An einer Waldorfschule in Krefeld gibt sie seit dem Sommer 2018 Musikunterricht. Und da hat sie Gelegenheit, Mädchen und Jungen an das Blasinstrument heranzuführen, das sie seit langem virtuos beherrscht. „Jedes Kind soll Blockflöte lernen“, sagt sie. Und viel singen. Und da Valerie Pöllen unter auch Chorleitung studiert hat, kann sie ihre pädagogischen Fähigkeiten auch in dieser Hinsicht einfließen lassen.