Wachtendonk: Urteil für Messerstecher von der Blauen Lagune

Wachtendonk : Urteil für Messerstecher von der Blauen Lagune

Landgericht Kleve verhängt zwei Jahre auf Bewährung für 32-jährigen Angeklagten aus Mönchengladbach wegen gefährlicher Körperverletzung.

Am Landgericht Kleve ist gestern das Urteil gegen den Messerstecher von der Blauen Lagune gefallen. Der 32-jährige Angeklagte bekam wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall zwei Jahre auf Bewährung. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Schwurgerichtskammer bestrafte damit, dass der Mönchengladbacher am 20. Juli vorigen Jahres im Strandbad "Blaue Lagune" in Wachtendonk einen 24-jährigen Viersener mit einem Messer in den Hals gestochen hatte.

Staatsanwalt Daniel Klocke führte in seinem Plädoyer aus, dass sich nach der Beweisaufnahme manches anders darstelle als in der Anklage. Diese hatte auf "versuchten Totschlag" gelautet. Gestern wurde daraus gefährliche Körperverletzung. Es sei, so der Staatsanwalt, am 20. Juli zu einem Spontanbesuch des Angeklagten zusammen mit seiner Verlobten und deren sechsjähriger Tochter in der Blauen Lagune gekommen. Sie seien von einer fünfköpfigen Gruppe, deren Mitglieder, darunter das spätere Opfer, durch Alkoholkonsum enthemmt waren, belästigt und beleidigt worden. Die Situation eskalierte, als es zwei Stunden später am Ausgang erneut zu einem Aufeinandertreffen kam. In der Folge, so der Staatsanwalt, nahm der durch Drogen enthemmte Angeklagte aus einer Tasche ein Obstschneidemesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge und stach es dem Viersener von vorne gezielt in den Hals. Ein Sicherheitsmann, der die wegen pöbelhaften Verhaltens des Geländes verwiesene Gruppe zum Ausgang begleitete, hielt den Angeklagten fest, entwand ihm das Messer. Dann wurde der 32-Jährige von Mitgliedern der Gruppe geschlagen und getreten, bis er das Bewusstsein verlor.

Der Staatsanwalt billigte dem Angeklagten zu, dass er von einer Tötung Abstand genommen habe, denn sonst hätte er mehrmals zugestochen. Doch es sei reiner Zufall gewesen, dass im Hals keine lebenswichtigen Teile getroffen wurden. "Hätte der Stich zwei bis drei Zentimeter woanders gesessen, wäre es anders gekommen." Der Anklagevertreter forderte eine "eher milde Strafe" von zwei Jahren und sechs Monaten. Eine vom Gutachter diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung wegen Gewalt in seiner Heimat Afghanistan und während der Flucht, eine günstige Legalprognose und die Provokation aus der Gruppe über das gewöhnliche Maß hinaus führte er als entlastend für den Angeklagten an. Andererseits seien bei ihm eine gewisse Abgebrühtheit und kriminelle Energie vorhanden. Auch sei er, wenn auch vor acht Jahren, durch Gewalttaten in Erscheinung getreten.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Rechtsanwalt Daniel Hagmann bezeichnete die Begleiter des Opfers, den Sicherheitsmann und deren Zeugenaussagen als unglaubwürdig. Eher zutreffend seien Aussagen, wonach die Gruppe "wie von Sinnen" agiert habe. Außer Frage stünden die Beleidigungen gegen den Angeklagten und seine Begleiterinnen. Die Verlobte habe sich und ihr Kind in Sicherheit gebracht. Der Verteidiger argumentierte, auch die Ehre sei ein notwehrfähiges Rechtsgut. Der Angeklagte habe aus Furcht, Verwirrung und Angst die zulässigen Grenzen überschritten. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, dann auf Bewährung.

Die Provokation gegen den Angeklagten und dessen verminderte Schuldfähigkeit wegen der posttraumatischen Belastungsstörung und wegen des Drogenkonsums führte Richter Martin Laux als wesentliche Gründe für das Urteil an. An einem bedingten Tötungsvorsatz blieben Zweifel, die nicht zu Lasten des Angeklagten gehen könnten.

(RP)
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