Geldern: Unimicron-Werk vor der Neueröffnung

Geldern: Unimicron-Werk vor der Neueröffnung

Wie Phönix aus der Asche: Der abgebrannte Werksteil des Gelderner Leiterplattenherstellers ist neu errichtet. Die Produktionsstätte sei die modernste in Europa, heißt es: leistungsstärker, besser, umweltfreundlicher.

Rund 45 Millionen Euro hat Unimicron in die neue Produktionsstätte gesteckt, allein rund 36 Millionen davon in Maschinen und Anlagen. "Das Werk ist hundertprozentig das modernste in ganz Europa", sagt der Technische Leiter, Rico Schlüter. "Wir wollen hier Technologie-Center sein für die Unimicron-Gruppe." Dazu habe man an wirklich nichts gespart. "Die Maschinen - das ist das Beste vom Besten, was man bekommen kann. Weltweit."

Der "Reinraum" ist bald staubfreie Sperrzone. Gelbe Lampen schonen lichtempfindliche Materialien. Foto: Evers Gottfried

Das halbe Werk des Gelderner Leiterplatten-Herstellers Unimicron Germany - ehemals Ruwel - am Holländer See ist Ende Dezember 2016 abgebrannt. Exakt an gleicher Stelle wurde die Werkshalle nun wieder aufgebaut.

Mitarbeiter lassen sich hier die neue Technik zeigen. Ein Roboterarm schwenkt im Glaskasten. Foto: Evers

Wenn die Produktion ab Mai schrittweise startet, dann könnten mit der ganzen neuen Technik komplexere Leiterplatten in besserer Qualität denn je hergestellt werden, heißt es. Zugleich soll die Kapazität gewaltig gesteigert werden.

Leiterplatten bestehen aus Schichten, aus "Innen-" und "Außenlagen". Beides wird am Holländer See angefertigt, im neuen Werksteil geht es um die "Innenlagen". Früher, vor dem Brand, kam man auf etwa 6000 Exemplare täglich, "jetzt schaffen wir pro Tag 8800", blickt Rico Schlüter voraus.

Auch die Anwohner könnten die Modernisierungen bemerken, stellt Unimicron-Germany-Chef Gerard van Dierendonck in Aussicht. "Die Geruchsbelästigung in der Umgebung wird deutlich weniger sein", kündigt er an, denn dank neuer Methoden würden keine Lösemittel mehr benutzt. Leiser soll es auch werden durch moderne Ventilatoren, Elektro-Fahrzeuge, ruhigere Maschinen und bessere Dämmung.

Nicht zuletzt soll der Betrieb umweltfreundlicher werden: 90 Prozent der verwendeten Chemikalien würden in Zukunft im Werk aufbereitet und wieder verwendet, zehn Prozent gehen in die Entsorgung. Früher betraf das rund ein Viertel der Chemikalien.

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Die Fertigung in den Maschinenhallen voller Glas und Metall läuft hochgradig automatisiert. Informationen flimmern über Bildschirme, statt auf Papier herumgereicht zu werden. Früher rollten Mitarbeiter die Kassetten mit Leiterplattenteilen von einem Produktionsschritt zum nächsten. Jetzt erledigen das selbstfahrende kleine Fahrzeuge. Zahllose Handgriffe vollführen nun Roboter-Arme, die in Glaskästen frei herumschwenken. "Der Mitarbeiter ist mehr Kontrolleur", sagt Rico Schlüter. Für die kompliziertere Technik würden die Leute geschult.

Kaum weniger aufwändig ist die Technik hinter den Kulissen: Luftaufbereitung, Wasser- und Chemikalienbehandlung, Elektrik. Ganz zu schweigen vom Brandschutz - Hunderttausende Euro wurden da investiert. Gerard van Dierendonck ist glücklich über die Entscheidung für örtliche Handwerksfirmen: "Wir haben so viel wie möglich mit lokalen Unternehmen gemacht, und das hat uns unheimlich geholfen."

88 Mitarbeiter sollen in der neuen Produktionsstätte arbeiten. Das sind nach Angaben von Unimicron trotz der Automatisierung etwa zehn mehr als früher.

Es habe nach dem Unglück große Herausforderungen gegeben, auch für die Mitarbeiter. Dennoch habe Unimicron nicht einen einzigen Kunden verloren, betonen Schlüter und van Dierendonck: "Hut ab für die ganze Belegschaft, was die hier geschafft hat."

Zur Einweihung gibt es am Wochenende eine große Party mit geladenen Gästen.

(RP)