Geldern: Ulrich verliert gegen Vosseler

Geldern : Ulrich verliert gegen Vosseler

Die CDU-Mitglieder aus dem Südkreis haben die Issumerin Margret Vosseler zur Landtagskandidatin gewählt. Kreisparteichefin Ulrike Ulrich verlor deutlich. Die Stimmung im Saal war angespannt. Pofalla erntete Buh-Rufe.

Die Issumerin Margret Vosseler wird Nachfolgerin von Helmut Linssen im Wahlkreis 53 Kleve I für die Landtagskandidatur. Das haben CDU-Mitglieder des Südkreises gestern Abend mit überwältigender Mehrheit bestimmt. Von den 443 stimmberechtigen Mitgliedern votierten im Gelderner Seehotel 309 für Vosseler. Ulrike Ulrich bekam 125 Stimmen, es gab sechs Enthaltungen und drei Nein-Stimmen (gegen beide Kandidatinnen).

Schon vor der eigentlichen Abstimmung war deutlich, dass Ulrichs Chancen schlecht standen. Margret Vosseler bekam mehrfach tosenden Applaus, bei Ulrich war er höflich-zurückhaltend.

Pofalla ausgebuht

Als dann CDU-Kreisehrenvorsitzender Ronald Pofalla das Wort ergriff, um für Ulrike Ulrich Stellung zu beziehen und zu erklären, warum der Kreisparteivorstand sie als Kandidatin sehen möchte, wurde der Kanzleramtsminister ausgebuht. In einer aggressiv-angespannt wirkenden Rede argumentierte er für Ulrich — und wurde mit höhnischem Applaus bedacht, als er sagte: "Dass es Gegenkandidaturen gibt, halte ich für völlig normal."

Die Mitglieder kreiden es Pofalla an, dass der Issumer Paul Düllings zuvor seine Bewerbung zurückgezogen hat, und werfen Pofalla und NRW-Finanzminister Helmut Linssen ein versuchtes Machtspiel vor. Linssen erklärte, er lasse sich "nicht der Manipulation bezichtigen" und machte erneut deutlich, warum Ulrike Ulrich seine Nachfolgerin werden sollte. Auch die sehr sachliche, argumentative Rede von Landrat Wolfgang Spreen ließ die Stimmung im Saal, die gegen Pofallas Vorschlag Ulrike Ulrich gerichtet war, nicht kippen.

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Als Versammlungsleiter Ulrich Janssen, Gelderns Bürgermeister, das Endergebnis vorlas, brandete jubelnder Applaus auf — und für die Siegerin Margret Vosseler gab es stehende Ovationen. Die 52-Jährige betonte im Anschluss an die Aufstellungsversammlung, dass sie sich freue. "Ich möchte nicht, dass nun die Einheit verloren geht. Das ist mir ganz wichtig. Es geht schließlich um die Sache."

Diskussion mit Düllings

Helmut Linssen sagte, es sei den ganzen Abend über eine "starke Emotionalisierung" zu spüren gewesen. "Ich bedaure, dass mein Vorschlag nicht durchgekommen ist." Für die Kreispartei werde es "nicht einfach". Ob und welche Konsequenzen es geben wird, dazu äußerte sich noch niemand.

Friedlich dürfte es in den nächsten Wochen nicht zugehen: Pofalla, Linssen und Ulrich nahmen die Entscheidung mit versteinerten Mienen zur Kenntnis. Nach der Veranstaltung stand Ronald Pofalla noch längere Zeit mit Paul Düllings zusammen und diskutierte. Nach Einigkeit sahen die beiden nicht gerade aus.

(RP)
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