Gelderland: Tote Trasse auf dem platten Land

Gelderland: Tote Trasse auf dem platten Land

Von Geldern bis Moers verläuft die Trasse der Bahnstrecke Moers-Meerbeck. Ein Zug fuhr dort nie entlang, denn der Erste Weltkrieg kam dazwischen. In den Feldern bei Hartefeld stehen noch heute mehrere Straßenbrücken.

Am Niederrhein zeugen keine Schlachtfelder vom Ersten Weltkrieg. Trotzdem hat er Spuren hinterlassen, die auch fast 100 Jahre später immer noch zu sehen sind. Rund 23 Kilometer lang ist die Eisenbahnstrecke von Geldern nach Moers-Meerbeck, die wegen des Ersten Weltkrieges nie vollendet wurde, als Trasse in der Landschaft aber noch sehr gut zu erkennen ist.

Wie auf dem Bild links zu sehen, führen südlich von Oermten mehrere Brücken über die Eisenbahntrasse. Ein Zug ist dort nie durchgefahren. In den Feldern zwischen Sevelen und Hartefeld hat die Vorster Nachbarschaft an einer Eisenbahnbrücke eine Schutzhütte errichtet (rechts). Foto: buer

1908 hatten bei der Preußischen Staatsbahn die Planungen für die Eisenbahntrasse von Geldern nach Moers begonnen. Die Eisenbahndirektion Köln sah in der neuen Strecke die Möglichkeit, die im Ruhrgebiet und am linken Niederrhein geförderte Kohle besser abzutransportieren. Beinahe schnurgerade westwärts führt die Strecke von Moers nach Geldern. Genau diese Ausrichtung wurde dem ehrgeizigen Projekt nach dem Ersten Weltkrieg zum Verhängnis.

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Im Versailler Vertrag wurde Deutschland jeglicher Bau von militärischen Anlagen westlich des Rheins untersagt. Vor allem Frankreich war der Meinung, dass jegliche Eisenbahntrasse in West-Ost-Richtung als militärische Nachschublinie betrachtet werden müsse. Damit wurde Deutschland auch der Weiterbau der Strecke Geldern-Meerbeck verboten. Dabei waren bis auf die Gleise und Bahnhofsgebäude schon nahezu alle Arbeiten abgeschlossen. Südlich von Geldern, auf der Baersdonk, wurde die heute vorhandene Eisenbahnbrücke doppelt so breit gebaut. Neben der aktiven Strecke von Kleve nach Krefeld hätte hier die "strategische Bahn" entlanggeführt. In einem Bogen nach Osten zieht sich der Bahndamm südlich an Vernum vorbei. Am Meiersteg ist der Durchbruch für eine weitere Eisenbahnbrücke zu erkennen. Streng ostwärts verläuft die Trasse südlich von Vernum, Hartefeld und Sevelen in einer Troglage nach Moers. In den Feldern bei Hartefeld stehen noch heute mehrere Straßenbrücken.

Dort, wo sich in einer Senke die Tennisplätze des TC Hartefeld befinden, hätte der Hartefelder Bahnhof errichtet werden sollen. Ähnlich verhält es sich in Sevelen. Das ehemalige Segelfluggelände am südlichen Ortsrand war für den Sevelener Bahnhof vorgesehen, daher ist die Trasse hier sichtbar breiter als über Land. Auf ihrem Kurs führte die Bahnlinie nördlich von Rheurdt nach Kamp-Lintfort. Abgesehen von einem Einschnitt im Gelände, hinter der Motocross-Strecke, ist die Trasse in der Zechenstadt überbaut worden. Erst östlich der B528 tritt sie wieder zu Tage, in Moers-Repelen tritt das vorgesehene Bahnhofsgelände wieder als Ödland deutlich hervor. Beim stillgelegten Haltepunkt Utfort wäre die Bahn Geldern-Meerbeck auf die Niederrheinstrecke von Xanten nach Duisburg gestoßen. Teile des Gleiskreuzes wurden ausgebaut, denn östlich von Meerbeck führt eine heute noch aktive Strecke für Güterverkehr über die Haus-Knipp-Brücke nach Duisburg und weiter ins Ruhrgebiet.

(buer)
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