Tierschutzorganisation PETA will Nieukerks „Ferkelrennen“ verbieten.

Tierschützer schreiben Gemeinde Kerken an : Peta will das „Ferkelrennen“ verbieten

Die Tierschutzorganisation fordert die Gemeinde Kerken auf, das traditionelle Fest abzusagen. Der Werbering betont, angesichts des Charakters der Veranstaltung und der fachkundigen Begleitung der Tiere keine Bedenken zu haben.

Die Tierschutzorganisation Peta Deutschland aus Stuttgart fordert die Gemeinde Kerken auf, das traditionelle „Ferkelrennen“ abzusagen. Peter Höffken von der Fachleitung Kampagnenteam der Organisation appelliert an Bürgermeister Dirk Möcking: „Wir bitten Sie dringend, das Ferkelrennen im kommenden Oktober und auch künftig aus Gründen des Tierschutzes nicht mehr auszurichten.“ Die Gemeinde Kerken sieht sich in der Sache aber nicht zuständig. Der Werbering Nieukerk betont auf Nachfrage unserer Redaktion, angesichts des Charakters der Veranstaltung und der fachkundigen Begleitung der Tiere keine Bedenken zu haben.

Höffken bezieht sich auf Videomaterial des Ferkelrennens 2018. Daraus gehe hervor, dass die Veranstaltung nicht mit dem Gedanken des ethischen Tierschutzes vereinbar sei. „Die Tiere werden rein zu Unterhaltungszwecken wiederholt in großen Stress versetzt. Schweine sind äußerst sensible und schreckhafte Tiere. Auf dem Videomaterial ist zu erkennen, dass einige der Tiere unter dem ständigen Antreiben, teilweise mit ,Klapsern‘, sowie aufgrund der Geräuschkulisse und den Menschenmassen und dem Startvorgang in den Boxen leiden. Eine Szene zeigt, wie ein Tier bei dem Versuch, es in die Bucht zu treiben, kurzzeitig eingeklemmt wird. Andere Ferkel erschrecken sich durch das Antreiben und das Anfassen durch Kinder. Generell wird deutlich, dass die Tiere nicht in die Startboxen gehen wollen, darin unter Angst leiden und nur unter dem – teils ruppigen Einsatz unter Quieken – der Schieber dazu gezwungen werden können.“ Es sei auch zu berücksichtigen, dass sich ein „derartig rücksichtsloser Umgang mit fühlenden Lebewesen“ für eine Gaudi-Veranstaltung negativ auf die Empathieentwicklung von Kindern auswirken kann und der Jugend ein schlechtes Beispiel darstellt, wie mit Tieren umgegangen werden sollte, so der Peta-Mitarbeiter. Der Verein Peta Deutschland, 1994 gegründet, ist Partnerorganisation von Peta USA.

Aus Sicht der Gemeinde Kerken ist der Fall klar: „Wir sind nicht Ausrichter und auch nicht Genehmigungsbehörde.“ Daher sei das Thema auch kein Fall für die politischen Gremien. Das werde man Peta als Antwort mitteilen, so Bürgermeister Möcking.

Der Werbering Nieukerk ist bisher nicht von der Tierschutzorganisation angesprochen worden. Vorsitzender Harald Giese und Olaf Scholten sagten, in über 15 Jahren sei die Veranstaltung ohne jegliche Komplikationen gelaufen. Der Charakter des Festes sei familiär und total entspannt. Entsprechend habe sich die Besucherzahl sehr positiv entwickelt. Man habe im vergangenen Jahr die Zahl der Schweine verdoppelt, so dass ein Tier maximal siebenmal die 30 Meter lange Strecke laufe. Das dauere insgesamt eine Stunde, die Tiere seien etwa fünf Stunden an einem schattigen Platz vor Ort. Giese: „Wenn wir das Gefühl hätten, das Rennen bedeute Stress für die Tiere, würden wir als Werbering sofort reagieren und es nicht mehr durchführen.“ Man achte darauf, dass die Tiere nicht berührt werden, nur das Anfeuern sei erlaubt. Azubis und Mitarbeiter aus der Landwirtschaft würden die Tiere auf das Rennen vorbereiten und vor Ort betreuen. Auch das Kreisveterinäramt habe nach Nachfrage des Werberings vor zwei Jahren bestätigt, dass es keine Bedenken gegen die Veranstaltung und Auflagen zum Tierschutz gibt. Von örtlichen Tierschützern sei man nicht angesprochen worden. Beide versichern noch einmal: „Der Werbering nimmt das Thema Tierschutz ernst. Wir sind davon überzeugt, dass es den Schweinen bei der Veranstaltung gut geht. Sonst hätten wir genug andere Ideen.“

Nach seiner persönlichen Meinung gefragt, erklärt Bürgermeister Dirk Möcking, er sei sehr oft beim Ferkelrennen gewesen und habe den Eindruck, dass die Tiere gut behandelt und auf keinen Fall gequält werden. Das sei natürlich nur seine persönliche Beobachtung, ein Experte für Ferkel sei er nicht.

Mehr von RP ONLINE