Täter reisten aus Rumänien an. In Issum schlugen sie am Oermter Berg zu

In Issum bei Haus Freudenberg eingebrochen : Prozess: Wegen 27 Einbrüchen angeklagt

Fünf Männer und eine Frau stehen wegen bandenmäßigen Einbruchdiebstahls vor Gericht. In Issum schlugen sie im Juni bei Haus Freudenberg am Oermter Berg zu: Werkzeuge und Gartengeräte für fast 70.000 Euro waren die Beute.

Gute Verkehrsanbindung war obligatorisch – damit die Beute mit gestohlenen Transportern schnell weggeschafft werden konnte. Für eine ganze Reihe von Einbrüchen in Firmen und Werkstätten muss sich eine Bande derzeit vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Die Rumänen machten auch am Oermter Berg hohe Beute.

Fünf Männer und eine Frau stehen wegen bandenmäßigen Einbruchsdiebstahls vor Gericht. Vier Männer im Alter zwischen 28 und 35 Jahren sollen die eigentlichen Einbrecher sein. Ein Ehepaar, 42 und 41 Jahre alt, gilt als maßgebliche Helfer und Hehler. Sie sollen den eigens aus Rumänien angereisten Tätern Unterschlupf gegeben, für sie die Tatorte ausbaldowert und Lagermöglichkeiten für die Beute bereit gestellt haben.

Später, davon geht die Anklage aus, sollen beide die Täter für das Diebesgut ausbezahlt und es dann selbst weiter verhökert haben – mit deutlichem Gewinn. Von Essen aus operierend, soll die Bande von Januar bis Oktober vergangenen Jahres Einbrüche vornehmlich im nördlichen Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Niedersachsen begangen haben – unter anderem in Münster, Gütersloh, Bielefeld, Bottrop, Haltern und Ganderkesee.

Und in Haus Freudenberg in Issum: In der Außenstelle der Werkstatt für Menschen mit Behinderung stiegen die Täter im Juni vergangenen Jahres ein und stahlen dort Werkzeuge und Gartengeräte im Wert von fast 70.000 Euro.

Die Männer gingen dabei stets zielstrebig und mit bemerkenswerter Flexibilität vor: Zugang zu den ausgekundschafteten Objekten verschafften sie sich durch Aufhebeln von Fenstern und Rolltoren, dann suchten sie die Schlüssel zu firmeneigenen und am Objekt abgestellten Transportern – in diese verluden sie schließlich die Beute, um sie nach Essen oder Bottrop zu schaffen.

Es waren zumeist hochwertige Werkzeuge: motor- oder elektrobetriebene Sensen und Heckenscheren, Kettensägen, Rasenmäher, Handkreissägen, Bohrhämmer, Schweißgeräte und ähnliches. Wenn das „Angebot“ etwas weniger attraktiv war, durfte es auch mal ein Navigationsgerät oder ein Laptop sein, in einem Fall bauten sie aus mehreren Pkw in einer Autowerkstatt die Xenon-Scheinwerfer aus.

Kostverächter waren die Rumänen offenbar auch nicht: Sie ließen auch Kaffeeautomaten mitgehen, in einem Fall gleich 70 Tafeln Schokolade. In Issum schlugen sie am 11. Juni in der Behinderten-Werkstatt Haus Freudenberg zu: Werkzeuge und Gartengeräte für fast 70.000 Euro schafften sie zu einem Kastenwagen, mit dem sie vom Tatort flohen –­ es ist der höchste Beutewert der insgesamt 27 angeklagten Taten. Hinzu kommt ein Sachschaden von über 6000 Euro, weil sie zuerst das Hallentor aufflexten, um den Ford Transit wegfahren zu können.

Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einem Beutewert von mehr als 400.000 Euro aus. Geschnappt wurde die Bande Mitte Oktober in Bottrop, wo sie gerade in einer von dem Essener Ehepaar angemieteten Garage „abladen“ wollte – die Polizei war ihnen bereits seit längerem auf der Spur und griff zu. Beute aus einem zuvor in Dülmen begangenen Einbruch wurde dabei sichergestellt.

Alle sechs mutmaßlichen Bandenmitglieder befinden sich in Untersuchungshaft. Einer legte zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis ab und belastete die anderen Angeklagten. Für den Prozess sind noch mehrere Tage bis Juni angesetzt.

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