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Straßenmaler-Treffen in Geldern im Mini-Format in Corona-Zeiten

Besondere Aktion auf dem Marktplatz Geldern : Zwei Straßenmaler trotzen der Corona-Zeit

Das Event am Wochenende fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Zwei Künstler kamen trotzdem nach Geldern, auch ohne Jury, Preise und Besuchermassen.

„Dass dieses Jahr die Straßenmaler nicht stattfinden, das gibt mir so ein komisches Gefühl, es fehlt einfach was“, erklärte Ruth Brauer (33), die einen mutigen Entschluss fasste: Zwar findet das Festival nicht statt und es gibt keinen Wettbewerb, aber was macht das schon? Es kommt  schließlich auf die Kunst an.

Kurzerhand rief sie vor etwa drei Wochen bei ihrem Straßenmal-Kollegen Stefan Janßen (22) an, um ihn zu fragen, ob er nicht genauso fühlte. Dies führte dazu, dass am Samstag und Sonntag beide gemeinsam rechts vor dem Marktplatz-Eingang von C&A saßen und ihre Werke auf dem Boden kreierten.

Überall hatten Ruth Brauer und Stefan Janßen Farbflecken von dem eifrigen Kreidezeichnen. Ein paar Sonnenschirme halfen ihnen, mit der brütenden Hitze fertig zu werden. Doch von der sengenden Sonne merkten sie gar nicht so viel,  sie waren ganz in ihre Arbeit vertieft.

„Wenn man dann einfach macht, dann fühlt es sich wieder ganz normal an“, sagte Janßen verträumt, der seit zehn Jahren bei den Straßenmalern mitmacht. „Aber es ist natürlich ungewohnt, dass so wenig los ist“, sagte er und zeigte den leeren Marktplatz. „Das Ambiente fehlt, die vielen Buden mit all ihren Gerüchen …“ Und Ruth Brauer betonte: „Und ganz besonders die Musik vom Straßenmusikfestival. All die unterschiedlichen Lieder, die man sonst im Ohr hat.“

Ruth Brauer, die mit fünf Jahren zum ersten Mal beim Straßenkunst-Wettbewerb teilnahm, hat ohnehin eine ganz besondere Verbindung zum Festival. „Denn gerade, wo ich jetzt nicht mehr hier wohne, ist es, wie nach Hause zu kommen.“ Gerade deshalb war ein Jahr ohne Straßenmaler für sie undenkbar. Die Autorin und Buch-Cover-Designerin rief bei der Stadt Geldern an und klärte ab, ob es auch in Ordnung sei, wenn Janßen und sie am Wochenende zumindest eine kleine Ecke des Marktplatzes verschönern würden.

Sie bekamen das Okay. Die beiden Arbeiten sollen sogar fixiert werden.

Ruth Brauer, die immer gerne Motive aus Filmen zeichnete, wählte den Hobbit-Anführer Thorin Eichenschild aus der Kino-Reihe „Der Hobbit“ aus, der nun in blauen Farben und mit verwegenem Blick die Fußgänger begrüßt.

Stefan Janßen, der gerade Physiotherapie studiert, zeichnete in den vergangenen Jahren meist freie Werke, „doch dieses Mal wollte ich etwas anderes versuchen und mal etwas kopieren“. Bei ihm prescht der Superheld Aquaman aus dem gleichnamigen Kinofilm auf den Betrachter zu.

Da stellt sich unwillkürlich die Frage: Die kühlen blauen Farben, das Wasser. War das eine bewusste Reaktion auf die schwülen Temperaturen? Die beiden Künstler lachten: „Nein, das war einfach irgendwie Zufall.“

Während die Straßenmaler das Wochenende über emsig bei der Sache waren, kamen immer wieder Passanten vorbei, die bei ihnen verweilten. „Schön, dass ihr was macht“, freute sich zum Beispiel eine ältere Besucherin.

Als Jonas Meier mit seiner kleinen Tochter bei den Bildern anhielt, warf er einen langen Blick auf die Arbeiten und sagte lächend: „Ich finde es super, was die hier machen. Es ist natürlich verständlich, dass dieses Jahr kein Fest stattfindet, aber es ist auch richtig schade. Und jetzt hier die beiden zu sehen? Das hat was von Normalität.“