Straßenmaler: Geldern als Mekka der Straßenkunst

Kunstspektakel in der Innenstadt : Geldern als Mekka der Straßenkunst

Mehr als 300 Straßenmaler und über 70 Musiker lockten am Wochenende viele tausend Besucher in die Innenstadt. Eindrucksvolle dreidimensionale Kunstwerke begeisterten das Publikum. Graffiti-Künstler zeigten ihr Können.

Mitten im Trubel konzentriert die junge Künstlerin sich komplett auf ihr Bild. Die vielen Menschen um sie herum, das Klicken der Fotoapparate und die Musik aus dem Park scheint sie völlig auszublenden, verbessert schnell noch ein Detail an ihrem Werk. Die drei Mädchen nebenan sind schon fertig, gönnen sich als Stärkung Süßkartoffelpommes, während die Freiwilligen des Werberings mit der Sprühflasche auf dem Rücken Kunstwerke „fixieren“. Wenige Meter weiter stehen die Besuchern geduldig an, um aus der richtigen Perspektive ein Blick auf das dreidimensionale Bild auf dem Pflaster zu werfen.

Der Wettbewerb der Straßenmaler verwandelte Geldern am Wochenende wieder in ein großes Kunstatelier. Über 300 Maler machten mit, bei bestem Sommerwetter strömten die Besucher in Stadt. „Es macht unglaublich Spaß, es ist eine rundum gelungene Veranstaltung“, freute sich Martin Kempkens, einer der Vorsitzenden des Gelderner Werberings.

Nicht fehlen dürfen die Artisten der Sporthochschule Aachen. Foto: Norbert Prümen (nop)

Dass der Wettbewerb wirklich international ist, berichtete Gerd Lange vom Organisationsteam lachend. Gerade hatten sich zwei Neunjährige Kreide geholt. Die Jungs sprachen nur Englisch, Lange berichtete, dass sie aus New York sind. Sie leben mit ihrer aus Geldern stammenden Mutter in den USA, nun waren sie gerade auf Familienbesuch. Und wollten natürlich auch mitmachen. Wie viele andere Kinder und Jugendliche. Etwa die Hälfte der Teilnehmer am Wochenende war unter 18 Jahre.

Zur Freude des Publikums entstehen in Geldern immer mehr eindrucksvolle dreidimensionale Bilder. Foto: Norbert Prümen (nop)

Auch die „Profis“ waren in großer Zahl in Geldern. In der Meisterklasse gingen gleich zehn Künstler an den Start. Die weiteste Anreise hatte wohl Constantino „Napoleon“ Burciaga aus Mexiko. Durch Gerd Langes Kontakt zum Straßenmalerfest in Venice Beach (Florida) führte sein Weg nach Geldern.

Der Trend zu den eindrucksvollen Drei-D-Bildern führt für das nächste Jahr zu einer Änderung bei den Regeln und Preisgeldern. Bisher treten die Meisterklassenkünstler entweder als Kopisten oder Freie Künstler an. Es soll eine eigene Wertung für dreidimensionale Werke geben, erläutert Rainer Niersmann vom städtischen Kulturbüro, das gemeinsam mit dem Werbering die Großveranstaltung auf die Beine stellt.

Beim Gelderner Straßenkunstspektakel geht es nicht nur um die Straßenmalerei. Groß ist auch der Andrang beim Wettbewerb der Straßenmusiker, verbunden mit dem Workshop „Unplugged Music Camp“ der Landesarbeitsgemeinschaft LAG Musik Remscheid am Holländer See. Mehr als 70 Musiker, ob als Solisten oder Band, sorgten für ein abwechslungsreiches Musikprogramm. Im Vorjahr waren erstmals Graffiti-Künstler beim Straßenmalerwettbewerb dabei. In der Glockengasse sprühten 15 Künstler ihre Werke auf Planen, die auf Bauzäune gespannt wurden. Dazu konnte man beim Kunst- und Kreativmarkt von Stand zu Stand schlendern und den Handwerkern zuschauen. Klassisch auf Leinwand gemalt wurde in der Hartstraße, die am Sonntag ein großer Kunstmarkt war. Dort war es bereits am Freitagabend losgegangen, als im Rahmen des Gelderner Sommers „Next Live“ (Guido Steegers und Klaus-Dieter Maes) vor dem Balkan-Restaurant aufspielten, Karla Leurs ihre Cocktails anbot und einige Gelderner Künstler ihre Werke präsentierten.

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