Straelen: Theaterverein Oeconomia sorgt für "Neurosige Zeiten" in Auwel-Holt

Theaterverein Oeconomia : Irre gute Komödie in Auwel-Holt

Viel zu lachen gab es bei der Premiere von „Neurosige Zeiten“. Theaterverein Oeconomia begeisterte sein Publikum.

Es ist aus mit der beschaulichen Ruhe im Ortsteil Auwel-Holt. Die „Irren“ sind hier eingezogen. Eine Wohngruppe der Irrenanstalt (im Boulevardtheater gibt es das Wort tatsächlich noch) ist verlagert worden und das Chaos ist nicht mehr aufzuhalten.

Daran Schuld tragen in erster Linie die sexsüchtige Ages Adolon, gespielt von Jessica Berghs. Sie legt ihre geballte Weiblichkeit in die Rolle. Ihr Gegenstück ist Hans (Markus Hanßen). Wer ihn in der Rolle des „Pumba“ kennt, kann sich nicht vorstellen, dass er einen zwangsneurotischen Finanzbeamten so perfekt spielen kann. Den soziophoben Angsthasen Willi mimt Marcus Pasch hervorragend. Und dann ist da noch die Stalkerin Marianne, gespielt von Sandra Theunissen. Sie verfolgt mit ihrem Liebeswahn den Volksmusik-Kult-Star Hardi Hammer, der im wirklichen Leben ihr Ehemann Andreas ist.

Alles könnte so friedlich sein, wenn sich nicht Mutter Adolon, die Eigentümerin einer bekannten Hotelkette, zum Besuch angemeldet hätte. Fine Spachtholz spielt die Rolle der „feinen Dame“ nicht nur perfekt, sie ist auch perfekt gestylt. Völlig „overdressed“, von roten Pumps bis zu roten Lippen und passenden Fingernägeln ist alles stimmig. Cecile Adolon ist der Meinung, ihre Tochter Agnes wohnt in einer exklusiven Villa. In diesem Glauben soll sie auch bleiben, deshalb muss die Wohngruppe der „Irren“ schnell umgestaltet werden.

Natürlich bleiben Verwicklungen nicht aus, zumal Madame Adolon auch zu den Tournee-Betthäschen des verkappten Volksmusik-Stars gehört, der von Marianne (Sandra Theunissen) angebetet wird. Sie kommt der gestrengen Klinik-Ärztin Frau Dr. Dr. Ilse Schanz (Claudia Neinhuis) gerade recht. Schwupp­di­wupp kommen die Männer mit den weißen Jacken und Mama Adolon sitzt in der Gummizelle.

Ein großes Geschrei startet auch die verrückte Tupper-Tante Herta, die rein „zufällig“ in der Wohngruppe landet und schließlich mit einem Schild k.o. geschlagen wird. Viele Lacher erntet „Waldorf-Rolf“, ein leidenschaftlicher Therapeut. Er ist immer „voll enthusiastisch drauf“ mit seiner Bastelstunde und wird deshalb von niemandem für voll genommen. Das genaue Gegenteil davon ist der Reporter Freddi (Mark Schubert), der in seinem Sensationswahn keine Grenze kennt.

Die Komödie lebt von witzigen und würzigen Dialogen, die sehr stimmig sind und das Publikum zu Heiterkeitsausbrüchen animieren. Szenenapplaus bleibt da nicht aus. Da fragt man sich doch oft: Wer ist hier verrückt und wer normal?“

Agnes Adolon (Jessica Berghs) entspricht mit ihren zweideutigen Sprüchen nicht der Vorstellung einer Tochter aus „gutem Hause“. Aber ihre Mutter bedient das Klischee der „feinen Dame“ schließlich auch nicht. Claudia Neinhuis könnte als strenge Ärztin im wahren Leben überall auftreten. Diese Rolle nimmt ihr jeder Patient ab. Besondere Beachtung muss der Rolle von Hardi Hammer (Andreas Theunissen) gezollt werden. Er zeigt viel Mut auf der Bühne – in dem er sich dem Publikum „leicht bekleidet“ zeigt.

Diese Vorstellung hätte mehr Gäste verdient, zumal im Saale Schraets-Aengenendt noch Plätze frei waren.

Mehr von RP ONLINE