Schulausschuss Kerken: Städte sollen Schulpolitik abstimmen

Schulausschuss Kerken : Städte sollen Schulpolitik abstimmen

Aus Sicht des Gutachters könnte nur ein gemeinsames Schulkonzept in der Region Planungssicherheit bringen.

Die stärkste Altersgruppe in der Gemeinde Kerken ist die Gruppe der 45- bis 55-Jährigen. Macht auch Sinn. Wer zurückrechnet, der weiß dass zu jener Zeit teilweise noch die so genannten Baby-Boomer-Jahre greifen. In Deutschland gab es 1964 einen Rekord mit über 1,3 Millionen Geburten. Kein wunder also, wenn Schulklassen stellenweise aus allen Nähten platzten.

Der Statistiker Georg Heller von der Firma Biregio (Projektgruppe Bildung und Region) nahm die Bevölkerung Kerkens genau unter die Lupe und wagte einen Blick in die Zukunft der schulischen Entwicklung. Den Mitgliedern des Kerkener Schul- und Kulturausschusses stellte er Prognosen im Hinblick auf die Entwicklung der Altersklassen vor. Diese Informationen sind wichtig für die Schulplanung, weiß Heller. Wie viele Lehrer werden benötigt? Wie viele Klassen müssen die unterschiedlichen Schulformen in den kommenden Jahren bereitstellen? Fragen über Fragen, auf die Heller eine Antwort gab.

Die mittleren Jahrgänge werden aller Voraussicht nach in der Primar- und in der Sekundarstufe vorerst sehr stabil bleiben, referiert der Schul-Statistiker. Ab 2030 könnte es wieder zu einem gemäßigten Anstieg kommen. Die Zahl an Geburten nimmt gegenwärtig wieder zu, berichtete der gebürtige Österreicher. Vor kurzem erst verzeichnete die Geburtenrate einen Anstieg von 1,49 auf exakt 1,5 Kinder pro Frau, heißt es. Auch der Südkreis Kleve soll diesem Trend folgen. Im Jahr 2018 wurden dort rund 750 Geburten gemeldet. 2030 sollen es bereits 850 sein. Das Gebiet muss zukünftig also Jahrgänge mit 800 bis 850 Schülern versorgen. Während in kleineren Kommunen wie Wachtendonk und Rheurdt die einzelnen Jahrgänge zuletzt kleiner wurden, blieben Straelen, Geldern und Kerken im Durchschnitt sehr stabil.

Die St.-Petrus-Grundschule in Aldekerk wird mittelfristig acht bis neun Klassen führen. Pro Jahr werden voraussichtlich 45 bis 60 Kinder eingeschult werden. Ähnlich sind die Zukunftsaussichten für die Mariengrundschule in Nieukerk. Dort sind es pro Jahr 50 bis 65 Kinder, die eingeschult werden. Neun bis zehn Klassen – genau wie bisher – werden dann an der Nieukerker Schulstraße unterrichtet. Die Robert-Jung-Gesamtschule in Aldekerk darf mit stabilen Schülerzahlen rechnen. Eine möglicherweise in Straelen entstehende neue Gesamtschule werde die Situation der Robert-Jungk-Gesamtschule beeinflussen, so Heller.

Die Schullandschaft des Südkreises hat aber auch Probleme. Geldern und Straelen konkurrieren teilweise und verzeichnen unsichere Anmeldephasen. Die Anmeldungen an der Sekundarschule Straelen seien teilweise schwach. Die insgesamt vier verschiedenen Schulformen im Sekundarschul-Bereich (Real-, Sekundar- und Gesamtschule sowie Gymnasium) würde ein hohes Pendleraufkommen zur Folge haben.

Nur wenn Straelen und Geldern kooperieren und ein gemeinsames Schulkonzept auf den Weg bringen, könnte die Schulsituation in der Region Planungssicherheit dazugewinnen, heißt es in Hellers Ausführungen.

Mehr von RP ONLINE