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St.-Nicolai-Bruderschaft halten an der Tradition des Beierns fest

Aus dem Vereinsleben : In Issum lebt die Tradition des Beierns weiter

Sebastian Kenter und Thomas Voß von der St.-Nicolai-Bruderschaft Issum beherrschen das Beiern. Dabei werden die Kirchenglocken mit einem zwei Kilo schweren Hammer im Takt geschlagen.

Einmal im Jahr klingen die Glocken der St.-Nikolaus-Kirche anders als sonst. Eigentlich sogar zwei Mal, denn bevor an Fronleichnam die Glocken „gebeiert“ werden, treffen sich Sebastian Kenter und Thomas Voß von der St.-Nicolai-Bruderschaft Issum zum Üben. Beiern, das bedeutet, dass die Glocken mit einem Hammer geschlagen werden. Mit seinen zwei Kilo Gewicht liegt der Hammer, mit dem die Glocken angeschlagen werden, schwer in der Hand. Aber anders geht es nicht, um die beiden Glocken im Turm in Schwingung zu versetzen. Immer abwechselnd schlagen Kenter und Voß die Glocke. Ein Lied oder eine Melodie wird aber nicht daraus, verrät Kenter. Der eine schlägt zwei, der andere drei Mal. Um im gleichmäßigen Takt zu bleiben, habe jeder seine eigene Technik, etwa kurz den Hammer auf dem Knie absetzen oder den Hammer in die andere Hand fallen lassen. Nach fünf Minuten Beiern folgen fünf Minuten Pause. Dann geht das Ganze von vorne los, eine Stunde lang. Die St.-Nicolai-Bruderschaft pflegt diese Tradition schon sehr lange. Das Wort „Beiern“ stammt aus dem Alt-Französischen und bedeutet übersetzt „Bellen“ oder „Anschlagen“. Dieser Brauch des manuellen Anschlagens der Kirchenglocken zu christlichen Festen wie Ostern, Pfingsten, Fronleichnam oder Weihnachten ist seit dem 17. Jahrhundert besonders im Rheinland beliebt und entsprechend verbreitet. Wenn zu Fronleichnam in Issum gebeiert wird, dann könne man, wenn der Wind günstig stehe, die Glockenschläge bis zum Ehrenmal hören. Dort baut die Kolpingsfamilie normalerweise einen Altar auf und es gibt einen Gottesdienst unter freiem Himmel. In Corona-Zeiten ist allerdings alles anders. Eine Fronleichnams-Prozession gab es in diesem Jahr nicht und die Messe fand in der Kirche unter Corona-Bedingungen statt. Gebeiert wurde aber trotzdem. „Wir wollten die alte Tradition den Menschen wieder in Erinnerung bringen, erklärt Kenter von der St.-Nicolai-Bruderschaft.