Klassentreffen findet nach 60 Jahren in Geldern statt

Geldern : Die ersten Abiturienten des FSG

Sie waren die ersten, die am 1959 eingeweihten Friedrich-Spee-Gymnasium ihren Abschluss gemacht haben. 60 Jahre später haben sich neun der damals 26 Klassenkameraden bei einem besonderen Ehemaligentreffen in Geldern wieder gesehen.

(RP) Die Abiturientia 1959 des Friedrich-Spee-Gymnasiums hat den 60. Jahrestag ihres Abiturs gefeiert. Zwölf von den noch lebenden 19 Klassenkameraden waren zu dieser Feier in das Hotel Seepark nach Geldern eingeladen.

1959 war das erste Abitur des Gelderner Humanistischen Gymnasiums in seinem neuen Gebäude „Am Werk“, das sich seit seiner Einweihung vom 14. März 1959 Friedrich-Spee-Gymnasium nannte. Die 26 Klassenkameraden hatten sich 1954 im altsprachlichen Zweig mit den Schwerpunkten Latein und Griechisch des alten Gelderner Gymnasiums an der Issumer Straße in der Obertertia mit Schülern aus Geldern und den Progymnasien der umliegenden Gemeinden aus ­Straelen, Kevelaer, Xanten und Rheinberg zusammengefunden. Sie blieben bis zum Abitur beieinander und bestanden alle das Abitur.

Alle begannen auch nach dem Abitur, manche erst nach Ableistung des Wehrdienstes, mit einem Studium, das alle erfolgreich abschlossen. Sechs Klassenkameraden wurden Ärzte, Dr. Thielmann und Dr. Grofe praktizierten in Geldern, zwei Tierärzte und einer Apotheker. Fünf Klassenkameraden erreichten mit ihrer altsprachlichen Ausbildung naturwissenschaftliche Abschlüsse, sechs wurden Lehrer und drei Theologen. Ein Klassenkamerad wurde Bankdirektor, und drei gingen in die öffentliche Verwaltung beziehungsweise zur Bundeswehr, darunter der einzige Jurist, der später Schengen-Verhandlungsleiter in Brüssel und leitender Beamter in Bonn bei Bundeskanzler Kohl und Umweltministerin Merkel vor ihrer Kanzlerzeit wurde.

Klassentreffen nach 60 Jahren: Gerhard Vigener (vorne), Paul Giesen, Josef Gastens, Horst Glatzel, Hans-Josef Engels, Jürgen Grofe, Rudolf Austermann und Johannes Valkyser (v. l.). Foto: Glatzel

Auf ihren beruflichen Lebensweg und Erfolg sind alle Beteiligten stolz. Ihre Berufe übten die Klassenkameraden in ganz Deutschland aus, zwei auch in der Schweiz. Nur wenige leben oder lebten im Altkreis Geldern. Die Verbundenheit mit dem Rheinland blieb, auch bei dem Klassenkameraden, der jetzt auf den Philippinen lebt und der als einziger in seiner Schulzeit eine eigene Wohnung getrennt von den Eltern in Geldern hatte und von den Mitschülern deshalb sehr beneidet wurde.

Geprägt wurden alle Klassenkameraden und ihre Lebenseinstellung durch die Lehrer des Friedrich-Spee-Gymnasiums, vor allem durch den Klassenlehrer Oberstudienrat Lutterbach zusammen mit Direktor Keller und dem Deutschlehrer Wilmes. Eine humanistische Ausbildung war das erklärte Ziel. Schon früh führte Direktor Keller auch Beteiligungsrechte der Schüler ein: Er diskutierte mit den Schülern die Namensfindung für das neue Gymnasium, forderte aber auch, dass sich die Jungen eingehend mit der Geschichte des Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld, dem Dichter und Kämpfer gegen die Hexenverfolgung, befassen.

Die gelernte Konzentration auf ein Ziel nach eingehender Diskussion hat die Klasse bis heute beibehalten. Jedes Klassentreffen in den Folgejahren war auf eine Erweiterung der Kenntnisse ausgerichtet. Städte wurden besichtigt und Vorträge gehalten: Zum 50-jährigen Abitur 2009 in Essen wurden die Lebensgeschichten der meisten Klassenkameraden aufgeschrieben und in dem Band „Rosarium“ zusammengefasst. Auch für das Treffen 2019 war Größeres geplant. Bezüglich der Örtlichkeit gab man allerdings zunächst ins Auge gefasste größere Reisen schnell auf und einigte sich als Tribut an das Alter – alle noch lebenden Klassenkameraden sind bereits oder werden jetzt 80 Jahre alt.

Geplant war aber ein Colloquium mit der alten Schule zum Austausch der „alten Abiturienten“ mit den Lebensplänen der „jungen Abiturienten“. Die Vorbereitungen nahmen bereits einen größeren Rahmen ein. „Leider hatte der jetztige Schulleiter an einer solchen Veranstaltung überhaupt kein Interesse. Das wäre uns bei Direktor Keller sicher nicht passiert“, ist sich Jubel-Abiturient Horst Glatzel sicher. So beschränkte man sich auf einen gemütlichen Teil und tauschte Erfahrungen untereinander aus. Neun Klassenkameraden nahmen an dem Treffen teil, drei hatten wegen der Hitze an diesem Tag abgesagt.

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