Geldern: Michael Vohwinkel findet trotz Schwerbehinderung Arbeit

Michael Vohwinkel aus Geldern : Vom Glück, wieder arbeiten zu können

Michael Vohwinkel ist durch einen Gehirntumor schwerbehindert. Seiner Arbeit als Akustik- und Trockenbauer kann er nicht mehr nachgehen. Hausarzt Dr. Kleinstäuber schuf eine passende Stelle für ihn in Geldern.

An seinen ersten Arbeitstag kann sich Michael Vohwinkel noch ganz genau erinnern. Denn er war besonders. Mit dem Berufsleben hatte der 56-Jährige eigentlich schon abgeschlossen. Jahrelang hatte der gelernte Schreiner im Akustik- und Trockenbau gearbeitet, Mitte der 90er Jahre sich selbständig gemacht. Dann kam die Diagnose Gehirntumor und die erste Operation.

Der Tumor war gutartig, nach vier Jahren aber wieder nachgewachsen. Es folgten eine weitere OP, drei Bestrahlungstherapien. „Der Tumor ist noch da“, erklärt der Gelderner. Er sitzt auf einem Nerv, der für die Schultermuskulatur zuständig ist. Vohwinkel kämpfte sich immer wieder zurück ins Berufsleben. Nach der zweiten OP machte er eine Umschulung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Fünf Jahre hat er in dem Bereich gearbeitet. „Irgendwann zog es mich doch auf den Bau zurück“, sagt er mit einem Schulterzucken. Irgendwann ging nichts mehr. „Zum Schluss kam ich mit dem Leistungsdruck nicht mehr zurecht“, sagt Vohwinkel. Das war im Sommer 2016, als er merkte: Arbeiten geht nicht mehr.

Er ging zu seinem Hausarzt Dr. Arne Kleinstäuber. „Arbeitsfähigkeit bestand nicht mehr“, sagt der. Im Trockenbau mit den Armen nach oben arbeiten, unmöglich. Seit 2004 hat Vohwinkel seinen Schwerbehindertenausweis, er habe versucht, die Rente zu beantragen. Die Rente wurde abgelehnt. Es folgten 18 Monate Krankengeld, dann die Arbeitslosigkeit. „Ich dachte, ich werde ein Leben lang Sozialhilfeempfänger“, sagt der 56-Jährige. Da hat er die Rechnung aber ohne die Kreativität seines Hausarztes gemacht. Der plant schon länger ein Hausärztezentrum in Geldern, im Bereich des alten Kassenhäuschens des Finanzamtes. In das große Finanzamt-Gebäude zieht das „JA-Hotel“, räumlich getrennt, aber unmittelbar in der Nähe wird das Hausärztezentrum entstehen. Mit Vohwinkel hat Dr. Kleinstäuber einen Mann vom Fach für sich gewonnen. Er soll helfen, die Arbeiten zu koordinieren und als Hausmeister im Hausärztezentrum arbeiten. Bis es soweit ist, übernimmt er Kurierfahrten für die Praxis.

An seinem ersten Tag wurde er mit offenen Armen empfangen. „Oh, ein Handwerker. Das ist ja prima. Der kann alles reparieren, was der Chef nicht geschafft hat“, sagten die Sprechstundenhilfen. Sein Chef Dr. Kleinstäuber lacht. Mit Geldern des LVR ist nicht nur das Auto für die Kurierfahrten angeschafft worden, sondern kommt auch noch eine Hobelmaschine. So kann der gelernte Schreiner Vohwinkel die Möbel für die neue Praxis zum Teil selber herstellen. „Ich finde immer neue Tätigkeiten“, sagt Dr. Kleinstäuber. Sein neuer Mitarbeiter Vohwinkel dankt es ihm. „Ruck zuck war der erste Tag um“, sagt der Gelderner zufrieden. Es brauchte aber etwas Zeit, um in den Rhythmus zu kommen. Immerhin war er drei Jahre lang ohne berufliche Tätigkeit, nachdem er 38 Jahre arbeiten war. „Man weiß, wofür man morgens aufsteht, man hat einen Sinn im Leben. Das erfüllt einen ja auch“, sagt er über seine neue Tätigkeit, die er dank seines kreativen Hausarztes hat.