Zu viele Schäden: Stadt Geldern stoppt Glasfaser-Baustellen

Zu viele Schäden : Stadt Geldern stoppt Glasfaser-Baustellen

Die Stadt Geldern hat Arbeiten in den Ortsteilen Walbeck, Hartefeld, Vernum und Pont auf Eis gelegt. Sie „ruhen“, heißt es im Behördendeutsch. Grund: Es gab zu viele Schäden.

Der Stromausfall am Mittwoch in Walbeck war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der Stadt Geldern reicht’s: Sie hat die laufenden Arbeiten an den Glasfaser-Baustellen in Walbeck, Hartefeld, Vernum und Pont gestoppt.

Es seien inzwischen so viele Schäden aufgetreten, dass man bei der Stadt der Auffassung sei, dass die vor Ort tätige Firma „nicht die nötige Sachkunde“ habe, begründet Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt den Schritt. Dass nun ein Baustopp angeordnet wurde, „das fällt nach Auffassung des Ordnungsamtes schon in den Bereich der Gefahrenabwehr“.

Die Stadtwerke Geldern verzeichnen von Mitte Juli 2017 bis heute 18 Schäden in ihrer Infrastruktur durch Glasfaser-Arbeiten. Verantwortlicher Ansprechpartner für Stadt und Anlieger ist dabei immer das Unternehmen Deutsche Glasfaser. Diese allerdings geht auf den Baustellen nicht selbst zu Werke, sondern beschäftigt dafür Subunternehmer.

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Seit Juli 2017 gab es also neun Strom-Störungen, fünfmal wurden Wasserleitungen getroffen, viermal Gasleitungen. „Wir sind natürlich verärgert“, sagt Martin Ophey von den Stadtwerken. „Darüber, dass das bei unseren Kunden zu Ärger führt, den diese wieder an uns herantragen, und auch über den Aufwand, den das für uns verursacht.“ Wann immer eine Leitung angekratzt wird, müssen schnellstmöglich Baukolonnen anrollen, die alles wieder in Ordnung bringen.

„Über dem Daumen gepeilt müssten insgesamt über 10.000 Einwohner betroffen gewesen sein“, rechnet Martin Ophey vor. „Ungefähr ein Drittel der Gelderner Bevölkerung hat also die Auswirkungen zu spüren bekommen.“

Das, was am Mittwoch in Walbeck passiert ist, war dabei einer der dicksten Fehler. „Da wurde das Kabel auf einer Länge von 50 Metern so massiv beschädigt, dass es komplett ersetzt werden muss“, erklärt Ophey. Das war bis Donnerstagnachmittag noch nicht geschafft. Außerdem liege in direkter Nähe auch noch eine Gasleitung, die man wegen der Grabung auf ihre Sicherheit habe überprüfen müssen. Für die Bürger kam es dadurch „nur“ zu etwa zwei Stunden Stromausfall. Dafür musste das Unternehmen „Westnetz“ allerdings Notstrom-Aggregate aus ganz Nordrhein-Westfalen in Walbeck zum Einsatz bringen.

Wie hoch die Kosten sind, die durch Probleme an Glasfaserbaustellen inzwischen zusammengekommen sind, kann Ophey noch nicht beziffern, versichert aber: „Da werden Schadensersatzforderungen gegenüber Deutsche Glasfaser fällig.“

Die meisten Schäden entstehen, wenn Glasfaserleitungen unterirdisch durch das Erdreich getrieben werden und dabei andere Leitungen durchstoßen oder anschrammen. Das wäre völlig vermeidbar, meinen die Fachleute der Gelderner Stadtverwaltung: Die vorhandenen Leitungen im Untergrund sind in Karten verzeichnet. „Wenn man vernünftig in die Pläne gucken würde, müsste so was nicht passieren“, heißt es.

Die Stadt Geldern erwartet nun, dass die Deutsche Glasfaser für die begonnen Arbeiten ein anderes Unternehmen findet und es nur eine kurzfristige Unterbrechung gibt.

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