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Stadt Geldern kauft alten Bahndamm der „Köln-Mindener-Bahn“

Ökologisch wertvolle Fläche : Stadt Geldern kauft alten Bahndamm

Das Gelände in Höhe der Straße „Am Holländer See“ zwischen der Bahnlinie und dem Geldertor hat einen neuen Eigentümer. Ab 1874 verkehrte dort die „Köln-Mindener-Bahn“. 1960 fuhr der letzte Personenzug nach Büderich.

Jetzt hat die Stadt Geldern ihren eigenen Bahndamm: Die Fläche an der Straße „Am Holländer See“ wurde einem Bahn-Tochterunternehmen abgekauft. Aber nicht, um dort wieder die Eisenbahn fahren zu lassen. Der Kauf ist Teil des Plans, ökologisch wertvolle und gestalterisch bedeutsame Flächen in Geldern nach Möglichkeit für die Stadt zu erwerben.

So geschehen auch mit dem ehemaligen Bahndamm, der sich in Höhe der Straße „Am Holländer See“ zwischen der Bahnlinie von Kleve nach Düsseldorf und dem Geldertor befindet. Dort hatte die Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft, die für die Entwicklung und Vermarktung von aus Sicht der Deutschen Bahn entbehrlichen Flächen zuständig ist, bereits im Juli 2019 erklärt, die Fläche im Rahmen einer Auktion versteigern zu wollen. Wie die Stadt Geldern mitteilt, vereinbarte sie schon 2002 mit der Deutschen Bahn, bei einem möglichen Verkauf von Grundstücken beteiligt zu werden. Bürgermeister Sven Kaiser: „So konnten wir auch im politischen Raum auf die Möglichkeit des Erwerbs hinweisen. Letztlich entschied sich der Ausschuss für die Entwicklung des Niersparks dazu, das rund 660 Meter lange Trassengrundstück mit seinem ökologisch wertvollen Strauch- und Baumbestand zu erwerben.“

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Entstanden ist der Bahndamm bereits in den 1870er Jahren, als er für die „Köln-Mindener-Bahn“ gebaut wurde, die unter anderem die Städte Wesel und Venlo miteinander verbunden hat. Die Bahnlinie war als Teil der Verbindung von Paris nach Hamburg geplant, hatte zumeist aber nur lokale Bedeutung. Am 21. Dezember 1874 wurde der öffentliche Bahnverkehr mit drei Zügen aufgenommen. Von Geldern aus war man in 18 Minuten in Straelen. Geldern erhielt hohen Besuch dank dieser Strecke: Am 4. Juni 1913 fuhr Kaiser Wilhelm II. aus Berlin ein.

 Auf Betreiben der Niederländischen Staatsbahn wurde 1936 der Abschnitt zwischen Venlo und ­Straelen das erste Mal stillgelegt und der internationale Verkehr eingestellt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Strecke auf Betreiben der Wehrmacht wieder in Betrieb genommen und diente dem Nachschub für die Westfront. Als die alliierten Truppen auf dem Vormarsch waren, wurde die Weseler Eisenbahnbrücke am 10. März 1945 von deutschen Pionieren gesprengt. Nach dem Krieg wurde der Fahrbetrieb für alliierte Militärtransporte mit Hilfe einer Behelfsbrücke wieder aufgenommen. Ende 1946 wurde sie jedoch schon wieder abgebaut. Damit war die Strecke zwischen Büderich und Wesel endgültig unterbrochen. Am 29. Mai 1960 fuhr der letzte Personenzug zwischen Geldern und Büderich.

Geldern hat dem Bau dieser Bahnlinie ein grünes Kleinod zu verdanken: Durch den Bahndammbau entstand seinerzeit der „Holländer See“. Unter anderem dort entnahmen die Arbeiter das Material, das für den Bahndamm benötigt wurde.