ST. Maria Magdalena Geldern schreibt Petition an Bischof Genn

Kirchliches Leben in Geldern : Wunsch nach Erneuerung der Kirche

In der Gemeinde St. Maria Magdalena in Geldern machen sich viele Menschen Gedanken über das Gemeindeleben. Es fanden Visionsabende statt, ein Brief an das Bistum wurde aufgesetzt. Das große Thema ist Glaubwürdigkeit.

Auf großen Pappen stehen jede Menge Ideen, wie die Kirche der Zukunft aussehen kann. In Geldern trafen sich Menschen, die sich Gedanken darüber machen, wie es mit der katholischen Kirche vor Ort, St. Maria Magdalena, weitergeht. Anstoß war eine Predigt von Pastoralreferentin Monika Eyll-Naton. Darin ging es um die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche. Auslöser war die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie des Bistums. Parallel habe sich auch die Initiative Maria 2.0 in Münster formiert, sagt Gelderns Pastoralreferent Friedhelm Appel. Die Forderungen sind ähnlich: schonungslose Aufklärung und der Wunsch nach Erneuerung.

„Im Kern geht es um Glaubwürdigkeit“, sagt Appel. „Die können wir nur vor Ort leben.“ Er sei froh, dass so viele dabei mitmachen. „Faszinierend“ findet es Thomas Klumb, dass sich zum ersten Abend 120 Menschen zusammenfanden. Auch Klumb will als Neubürger in Geldern Kirche mitgestalten.

Der Fehler in der Vergangenheit lag darin, dass man zu klerikerorientiert gedacht habe. Man habe sich auf die Messen konzentriert und alle anderen Andachtsformen vergessen, gerade die Rosenkranzandachten, die in der Hand der Laien lagen. „Wieder einen Schritt mehr zur Normalität“ nennt er eine Vielfalt der Gottesdienstformen, die durch Einbeziehung von Laien entstehen soll.

Claudia Wagenknecht ist eine von 17 Leuten von St. Maria Magdalena, die sich zu Wortgottesdienstleitern ausbilden lassen. „Sie leiten den Gottesdienst von der Begrüßung bis zum Segen am Ende und machen die Vorbereitung“, erklärt Klumb. Das habe eine eigene Qualität. „Wir sind als mündige Christen doch dazu aufgerufen, Leben zu gestalten“, sagt der Neu-Gelderner.

Den Blick weiten, dass auch außerhalb des Sonntagsgottesdienstes ganz viel in der Pfarrgemeinde passiert, wünscht sich Claudia Wagenknecht. „Tue Gutes und rede darüber“, sagt sie über das karitative Engagement. Gleichzeitig sei da auch noch viel Potenzial mitzuwirken. Den Nächsten in den Blick zu nehmen und niemanden auszuschließen, haben sich Christel Schädlich und Maria Auclair auf die Fahne geschrieben. „Ich finde es wichtig, offen zu sein für alle und nicht zu sagen, wir sind ein fester Kreis“, so Maria Auclair. Christel Schädlich wünscht sich mehr Kommunikation, um noch mehr zu erfahren, was alles in den Ortschaften passiert. Und natürlich sollen auch Nicht-Gläubige angesprochen werden. Festgehalten sind die Wünsche in einem Brief, der an das Bistum gehen soll, namentlich an Bischof Felix Genn und Generalvikar Klaus Winterkamp. Ein Wunsch ist, dass sich weder Wiederverheiratete noch Homosexuelle ausgeschlossen fühlen sollen. Offiziell ist es so, dass Wiederverheiratete nicht zur Kommunion gehen dürfen. „Wenn wir Menschen abweisen, gehört das nicht zur biblischen Botschaft. Da werden Gesetze höher gehalten als der einzelne Mensch“, sagt Pastoralreferent Appel. Deswegen werde in der Praxis in Geldern keiner abgewiesen, wenn er zur Kommunion geht. „Das Gewissen ist entscheidend“, sagt Appel.

„Wir können nicht länger akzeptieren, dass Frauen an den Ämtern und Entscheidungsprozessen in der Kirche noch immer so wenig beteiligt sind“, lautet ein weiterer Punkt in dem Brief. Frauen, die geweiht werden? „Die Vision ist noch weit weg“, lautet die Einschätzung von Maria Auclair. Nicht weit weg sind aber die Menschen in der eigenen Gemeinde. Und für die möchte man ein glaubwürdiges Zeugnis christlichen Glaubens liefern. „Eine lebendige Gemeinschaft von Frauen und Männern, Jungen und Alten, die Glauben leben und Angebote, wo keiner ausgeschlossen wird“, fasst es die 67-Jährige Geldernerin zusammen.

Mit dem Brief an die Bistumsleitung wolle man zeigen, wie die Menschen vor Ort denken, sagt Appel. „Es geht darum, den Glauben miteinander zu leben und nicht um Vorschriften zu streiten.“ Man habe in der Gelderner Pfarrgemeinde einen großen Schatz an Leuten, die für den Glauben und die gute Sache brennen.

„Es ist die letzte Chance, dann verlieren wir die auch nicht“, sagt er über die Visionsabende und den Weg zu einer glaubwürdigen Kirche. „Wenn sich Leute auf den Weg machen, ist das gut“, sagt St. Maria Magdalenas Pfarrer Arndt Thielen.

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