St. -Antonius-St.-Hubertus-Bruderschaft Sevelen lässt jetzt auch Frauen als Vollmitglied zu

Brauchtum in Issum : In Sevelen dürfen Frauen erstmals auf den Vogel schießen

Es ist eine historische Entscheidung: Nach 566 Jahren dürfen nun auch Frauen Vollmitglied bei der St.-Antonius-St.-Hubertus-Bruderschaft Sevelen werden. Es gab auch Gegenstimmen bei der geheimen Abstimmung.

Es sprach sich rum wie ein Lauffeuer. Die Bruderschaft selbst spricht von einer „historischen Entscheidung“. Bei der St.-Antonius-St.-Hubertus-Bruderschaft Sevelen dürfen nach 566 Jahren Frauen aktive Mitglieder werden, das bedeutet, sie sind stimmberechtigt, dürfen Ämter übernehmen und auf den Vogel schießen.

„Es wurde auch Zeit“, sagt Lisa Hagmans. Die 24-Jährige steht mit Zwillingsschwester Sabrina und Simone und Melanie Terhoeven in den Startlöchern. Alle vier sind bei den Fahnenschwenkern der Bruderschaft, Sabrina Hagmans trainiert den Nachwuchs. „Zusammen waren wir mit den anderen Fahnenschwenkern schon recht erfolgreich und haben schon alles abgeräumt, was ging“, sagt Simone Terhoeven. Wie zum Beweis holt Sabrina Hagmans den Pokal vom Bundesschützenfest 2008 in Emmerich, als die Sevelener bei den Jugendfahnenschwenkern  auf dem ersten, zweiten und dritten Platz landeten. Die Frauen gestalten Ausflüge, sind bei der Sommer- und Winterkirmes dabei. „Nur bei Versammlungen sitzen wir als Deko dabei und können doch nichts ausrichten“, merkt Melanie Terhoeven an. „Es geht darum, Stimmrecht zu haben, das Vereinsleben mitzugestalten. Es geht nicht darum, dass wir den Verein umkrempeln wollen“, beruhigt Sabrina Hagmans alle Kritiker.

Zwei Anläufe brauchte es, bis die Entscheidung in trockenen Tüchern war. Bei der Generalversammlung kam nicht die nötige Anzahl stimmberechtigter Mitglieder zusammen. Beim zweiten Termin waren nicht alle für den Antrag. „Als Ass im Ärmel“ sei von den Gegnern die geheime Wahl beantragt worden. „Wir hatten das Gefühl, es würde knapp werden“, blickt Sabrina Hagmans zurück. Der amtierende König Gerd Stenmans nennt das Ergebnis: 44 zu neun. Für die Änderung. Er macht keinen Hehl daraus, dass er zu denen gehörte, die gegen die Änderung gestimmt haben.

„Ich sehe keine Gefahr für den Verein, aber die Tradition wird über Bord geworfen“, lautet sein Argument. Einer seiner Vorfahren hat die Gründungsurkunde der Bruderschaft vor 566 Jahren mit unterschrieben. „Es gibt so viele Möglichkeiten für Frauen, sich einzubringen“, sagt Stenmans. Mit 330 Mitgliedern sei die Aufnahmen von Frauen als Vollmitglied auch nicht existentiell. Seit 2009 habe es immerhin eine „Light-Mitgliedschaft“ gegeben. Frauen wurden förderndes Mitglied, aber ohne Stimmrecht und ohne die Möglichkeit, auf den Vogel zu schießen. Stemans hat sich seinen Jugendtraum erfüllt und ist nun amtierender König.

Vor der Wahl wurde heiß diskutiert. Als Lisa Hagmans sagte, dass sie den gleichen Traum habe, habe sie manchen Unentschlossenen noch umgedreht, sagt Stenmans. „Auch unser Präses Dechant Stefan Keller hat sich positiv geäußert.“ Und auch Stenmans kann mit der Entscheidung leben. Sie sei demokratisch gefallen. „Ich freue mich, dass es dazu gekommen ist“, sagt der erste Vorsitzende der Bruderschaft, Clemens Rous. Es sei aber nicht sein Verdienst. Letztendlich seien die Argumente der jungen Frauen entscheidend gewesen. „Tradition muss man bewahren, aber wenn man sowieso Mitglied werden kann, kann man es nicht mit Tradition begründen, dass Frauen kein Amt übernehmen können.“ Bereits 2009 habe es einen Antrag auf volle Mitgliedschaft für Frauen gegeben. Damals war nur die „Light-Version“ durchgegangen. Zehn Jahre später sei die Zeit reif für den nächsten Schritt gewesent. Er verbinde damit durchaus Hoffnungen, sagt Rous. „Vielleicht hilft uns mal eine Frau aus der Patsche, wenn wir keinen keinen König finden.“ Lisa Hagmans wäre auf jeden Fall bereit. Ihr Vater, Paul, war bereits König und zwei Mal Minister. Er habe ihr gesagt, der Vogel habe etwas Magisches.

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