Fußball : SV Herongen betreibt kein Versteckspiel

Spielertrainer Sebastian Tissen geht davon aus, dass der Aufsteiger im Kreisliga-Oberhaus eine gute Rolle spielt.

13. Mai 2018, der 28. Spieltag in der Kreisliga B, Gruppe 3 – der Tabellenführer SV Herongen gewinnt sein Heimspiel gegen die Zweitvertretung des GSV Geldern deutlich mit 6:0-Toren. Unmittelbar nach dem Abpfiff macht die Nachricht die Runde, dass der FC Aldekerk in Nieukerk den Tabellenzweiten überraschend mit 3:1-Tore besiegt hat. Der Jubel kennt keine Grenzen mehr. Der Mannschaft ist zu diesem Zeitpunkt die Meisterschaft auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen. Die ersehnte Rückkehr ins Kreisliga-Oberhaus ist perfekt.

In der Saison 2016/’17 übernahm der inzwischen 28 Jahre alte Sebastian Tissen als verantwortlicher Trainer die Mannschaft. Die Zielsetzung des Vereins, in drei Jahren in die Kreisliga A aufzusteigen, wurde „verfehlt“; es gelang schon nach zwei Jahren. „Es gab zwei Schlüsselspiele, die entscheidend für unseren Erfolg waren“, so Tissen, „gegen Twisteden gewannen wir in der letzten Sekunde noch 1:0 und gegen Wachtendonk gelang uns unmittelbar vor dem Schlusspfiff das 1:1.“

Als weiteren wichtigen Grund für den Erfolg führt der Inhaber der Trainer B-Lizenz an, dass man gegen die Mitfavoriten nicht verloren und die sogenannten „Pflichtsiege“ gegen vermeintlich leichte Gegner eingefahren habe. Auf die neue Saison freut sich der junge Familienvater besonders. Denn er geht davon aus, dass die fußballerisch stärkere A-Liga der Spielweise seiner Mannschaft entgegen kommt. Ohne überheblich wirken zu wollen, lautet seine klar formulierte Zielsetzung, sich in der Kreisliga A zu etablieren und sich auf keinen Fall zu verstecken.

Seine Hauptaufgabe als Trainer sieht er darin, einen taktisch disziplinierten Fußball spielen zu lassen. Zwei bis drei verschiedene Spielsysteme habe er bereits trainieren lassen. Sie würden recht gut klappen, müssten aber noch verbessert und verfeinert werden. Tissen kennt sich aus – in seiner aktiven Laufbahn gehörte er unter anderen auch schon zum Kader des niederländischen Proficlubs VV Venlo.

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Tissen in der Verbesserung der Chancenverwertung. „Im Training lasse ich den Wettkampfmodus simulieren, mit einer zeitlichen Komponente, um Druck auf einzelne oder alle Spieler auszuüben – wie in realen Situationen in Pflichtspielen“, erklärt der Coach.

Den besonderen Reiz sieht der Heronger Coach darin, dass seine Jungs allesamt lernbegierig sind. Die Freude am gemeinsamen Fußballspiel ist deutlich spürbar. „16 bis 18 Spieler waren in der letzten Saison immer beim Training“, schwärmt Tissen. „Und so macht es natürlich richtig Spaß. Außerdem herrscht ein wahnsinniger Teamgeist in der Mannschaft.“

Der Trainer hat Vertrauen in die Mannschaft und das Potenzial seiner Spieler, das er kontinuierlich fördern möchte. Einige Leistungsträger haben zwar inzwischen die „30“ schon überschritten. Für Tissen überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Die jüngeren Spieler sollen von den Routiniers lernen und profitieren. Um für Nachhaltigkeit im Dorfverein zu sorgen, trainiert jeden Freitag die erste Mannschaft gemeinsam mit der A-Jugend, um die jungen Spieler an einen anderen „Stallgeruch“ zu gewöhnen und den beabsichtigten Sprung in den Seniorenbereich nicht zu groß werden zu lassen.

Für die Verantwortlichendes SV Herongen gab’s in der Sommerpause nicht viel zu tun. Abwehrrecke Christian Venn hört aus Altersgründen aus. Den Kader werden Anil Güler, der zuletzt für die Sportfreunde Broekhuysen und in den Niederlanden im Einsatz war, Routinier David Pooth und zwei Jugendliche aus den eigenen Reihen aufstocken.

Dass er als Spielertrainer auf weiterhin auf dem Platz steht, ist für Tissen ebenfalls kein Nachteil: „So habe ich die Möglichkeit, während des Spiels schnell auf bestimmte Situationen reagieren zu können. Und so lauten seine Favoriten-Tipps: SV Straelen II, SC Auwel-Holt und TSV Weeze, die Rolle der Überraschungsmannschaft traut er Alemannia Pfalzdorf und Arminia Kapellen zu.

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