Fußball : Zurück in die Zukunft

Ehemalige Spieler und Trainer erinnern sich an goldene Zeiten beim SV Straelen. In den 60er Jahren begann ganz allmählich der Aufstieg der Fußballer von der Römerstraße. Es ging nicht immer nur bergauf, zwischendurch musste der eine oder andere Rückschlag hingenommen werden.

Doch so häufig, wie die Fußballer in den grün-gelben Vereinsfarben auch hinfielen, irgendwann standen sie immer wieder auf.

Sebastian Clarke (32, Lehrer): "Ich bin damals aus Uerdingen geholt worden, da war ich 20 oder 21 Jahre alt. Ich erinnere mich an das Aufstiegsspiel zur Oberliga 2006 in Essen-Kettwig. 30 Grad waren es und dann auf knallharter Asche. Wir haben 2:1 gewonnen. Björn Tebart hat beide Tore gemacht. Fortuna Düsseldorf, Mitkonkurrent um den Aufstieg, hatte verloren. Das war unser Aufstieg. Wir waren ein verschworener Haufen mit Spielern aus der Umgebung. Am Sonntag wird der SV Straelen den Aufstieg klarmachen, die haben da unten alles abgeräumt und werden auch gegen Fischeln gewinnen."

Jens Jütten (42, Trainer beim SV Walbeck und seinerzeit Kapitän der Straelener Oberliga-Mannschaft): "Hermann Tecklenburg war zu meiner Zeit beim SV Straelen Präsident von Bayer Uerdingen, und wir kamen uns etwas vernachlässigt vor. Das hat uns zusammengeschweißt und eine Eigendynamik entwickelt. Mit Jos Luhukay als Spielertrainer sind wir damals in der Oberliga Sechster geworden. Natürlich hatten wir alle Verträge und wurden auch bezahlt. Zum SVS habe ich aktuell keinen Kontakt mehr. Dazu reicht meine Zeit nicht."

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Ralph Addo (53, Lehrer): "Ich war von 1993 bis 1998 da und bin mit dem SV Straelen von der Landesliga bis in die Oberliga aufgestiegen. Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Straelen zurück, aber leider auch an einen unrühmlichen Abgang, den ich später als Trainer der zweiten Mannschaft erleben musste. Zum SVS habe ich keinen Kontakt mehr. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft aufsteigen wird."

Uwe Bons (50, Wirtschaftsförderer der Stadt Straelen): "Ich habe ab 1990 drei Jahre für den SVS in der Landesliga gespielt. Hermann Tecklenburg hat zu dieser Zeit sein Trainer-Debüt gegeben. Verträge gab es damals noch nicht, eine Aufbesserung des Taschengeldes schon. Ich schaue mir nach Möglichkeit jedes Spiel der Ersten an. Ich gehe fest davon aus, dass der Aufstieg klappt. Als Trainer der E-und F-Jugend bin ich noch immer beim SV Straelen aktiv."

"Toeve" Linssen (70): "Ich bin als Trainer Anfang der 80er Jahre beim SV Straelen angefangen. Da begann die Zeit, dass der SV Straelen immer hochklassiger spielte. Wir sind damals von der Bezirksklasse in die Landesliga aufgestiegen. Nach mir wurde Hartmut Heidemann Trainer. Bis 1994 war ich anschließend als Manager tätig und habe die Zeiten in der Verbands- und Oberliga miterlebt. Unter anderem habe ich Rudi Istenic von Fortuna Düsseldorf "preisgünstig" verpflichtet und ihn nachher an Düsseldorf "sehr gut verkaufen" können. Zum Ende meiner Manager-Zeit habe ich Jos Luhukay als Trainer nach Straelen geholt. Der SVS muss sich als Aufsteiger verstärken, die brauchen unbedingt einen besseren Torwart in der Regionalliga."

Günter Abel (52, Trainer TSV Wa.-Wa.): "Ich wurde damals im Winter von Remscheid geholt. Ich meine, das wäre 1997 gewesen. Ich habe unter Jos Luhukay zwei Jahre in der Oberliga gespielt. Im ARAG-Pokal sind wir durch einen 2:1-Sieg gegen den Wuppertaler SV ins Endspiel gekommen. Das haben wir im Niederrhein-Stadion gegen RWO 0:2 nach Verlängerung verloren. Die sind dann in die 2. Liga aufgestiegen. Dadurch wurde für uns der Platz in der Hauptrunde des DFB-Pokals frei. Dort trafen wir am 29. August 1998 vor voller Hütte auf Fortuna Düsseldorf. Wir haben aber deutlich mit 4:7 verloren. Marek Lesniak hat uns fünf Stück eingeschenkt. Die auslaufenden Verträge wurden nicht verlängert, und ich habe meine Karriere als Spieler beendet. Die Regionalliga kann für den SVS gut gehen. Aber in den letzten Jahren sind die Aufsteiger auch gleich immer wieder abgestiegen."

Was wäre ein Blick in die Vergangenheit, ohne die drei Urgesteine des Vereins, Herbert Lampey, Dieter Niersmans und Norbert Peters, zu Wort kommen zu lassen. So erinnert sich Herbert Lampey (88) an die Zeit, als die Spieler noch mit den Fahrrädern zu den Auswärtsspielen fuhren, und Tecklenburg 1957 als Neunjähriger zum ersten Mal auf dem Platz stand und von ihm trainiert wurde.

Dieter Niersmans (73), wegen eines Daumenbruchs vom Torwart zum Stürmer umfunktionierter Spieler, gehörte der Straelener Mannschaft an, die 1965 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bezirksklasse aufstieg. "Das war gegen Griethausen. Zu Hause hatten wir klar gewonnen, im Rückspiel wurde das Spiel abgebrochen, weil nach einem Foulspiel von unserem Frank Schmeißer Zuschauer den Platz gestürmt hatten. Das Spiel wurde in Pfalzdorf wiederholt, wir verloren 1:6. Das Torverhältnis zählte damals noch nicht. Das Entscheidungsspiel gewannen wir 3:0, mit zwei Toren von mir. Nach den Spielen traf man sich bei "Löwenich", um noch das eine oder andere Bier zu trinken. Uns hatte ein Unternehmer aus Straelen 5000 Mark für den Aufstieg versprochen. Leider ist der Mann kurz vorher mit seiner Firma pleite gegangen. Aber ein damals schon bekannter Bauunternehmer aus Straelen ist eingesprungen."

Für Norbert Peters (69) war es immer wichtig, dass die Identifikation mit dem Verein nicht verloren ging. "Die Entscheidung, Mitte der 80er Jahre im Jugend- und Seniorenbereich leistungsorientiert zu operieren, wurde von allen getragen, und die Identifikation mit dem SVS ging aus meiner Sicht nie verloren. Die Zeiten, in denen mehr als 1000 Zuschauer bei Spielen gegen Auwel-Holt auf dem Platz waren, sind lange vorbei."

Den Rückblick stellte Heinz Spütz zusammen. Die Bilder sind aus dem Archiv der RP und des SV Straelen.

(ütz)