„Wulle“ Steeger seit 30 Jahren Trainer – und kein Ende in Sicht

Aktuell beim TSV Nieukerk aktiv : „Wulle“ Steeger seit 30 Jahren Trainer – und kein Ende in Sicht

Die Karriere der Nieukerker Trainer-Ikone begann 1990. Bis heute hat er keine Pause zwischen zwei Trainer-Stationen eingelegt. Bei sieben Aufstiegen können zwei Abstiege vernachlässigt werden.

Wilfried „Wulle“ Steeger blickt auf eine Karriere zurück, die kaum ein anderer Trainer vorweisen und getrost als außergewöhnlich bezeichnet werden kann. In der Spielzeit 1990/1991 begann seine Laufbahn als 27-jähriger Spielertrainer der zweiten Mannschaft beim TSV Nieukerk, und aktuell befindet er sich mit der Kreisliga-A-Mannschaft des TSV Nieukerk in seinem 30. Jahr als Trainer.

In dieser Zeit stand er bei 846 Spielen an der Linie, holte 448 Siege bei 155 Unentschieden und 243 Niederlagen. Im Durchschnitt erreichte er mit seinen Mannschaften Platz fünf, bei einem Punkteschnitt von 1,77 pro Spiel.

Wilfried Steeger bei einem Spiel des TSV Wa./Wa. 2017. Foto: Heinz Spütz

In der ganzen Zeit war er bei lediglich fünf Vereinen verantwortlicher Trainer. Eine Vereinstreue, die ihn auszeichnet und die einen Rückschluss über gute und erfolgreiche Arbeit zulässt. 336 Spiele des TSV Nieukerk coachte er an der Seitenlinie, beim TSV Wachtendonk/Wankum immerhin noch 306 Spiele. Bei 88 Partien saß er beim SV Sevelen und in jeweils 58 Partien beim TSV Weeze und Fortuna Keppeln auf der Trainerbank.

Soweit zur Bilanz des Statistfreaks „Wulle“. Aber wieso „Wulle“? Eine Ableitung seines Vornamens Wilfried kann es nicht sein. „Ja, ich hatte damals einen ziemlich o-beinigen Watschelgang, so wie „Ente-Lippens“. Vielleicht kommt es daher“, so sein Erklärungsversuch. Zur Erinnerung: Ein Schmeichelname für eine Ente lautet kindersprachlich „Wulle“.

„Wulle Steeger“ mit einem Regenschirm an der Seitenlinie. Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Sein Meisterstück lieferte er beim TSV Wachtendonk/Wankum ab. In der Saison 2001/2002 war ihm mit dem TSV Nieukerk der Aufstieg in die Kreisliga A gelungen. Der Nachbarverein war zu der Zeit quasi „platt“. Gerade einmal zehn Spieler standen dem Club an der Niers noch zur Verfügung, als sich Udo Dindas voller Hoffnung an Steeger wandte. „Wulle“ ließ sich auf den Deal ein, einen Neustart zu versuchen. Die Bedingung: Dindas und auch Steeger selbst sollten versuchen, Spieler zu mobilisieren. Sechs Wochen Probezeit wurden ausgehandelt. „Am Ende der sechs Wochen hatte ich 40 Spieler und Wa./Wa. konnte noch eine zweite Mannschaft melden“, sagt Steeger. Und nun zum Meisterstück: Er marschierte von der Kreisliga C bis in die Bezirksklasse durch und hielt die Mannschaft drei Jahre in dieser Spielklasse, bis er zum TSV Weeze wechselte. „Ich hatte damals Glück. Nassifou Bouraima, ein Flüchtling aus Togo, spielte im zweiten Jahr für uns. Ein super Fußballer. Der brachte noch zwei Freunde mit, ebenfalls bärenstarke Fußballer.“ Zum Abschied wurde er gemeinsam mit seiner Frau in einer Stretch-Limo zum Auswärtsspiel nach Hinsbeck chauffiert.

Aus der Zeit bei Fortuna Keppeln ist ihm in bester Erinnerung geblieben, als er zum ersten Mal die Spielerkabine betrat: „Ich habe vor lauter Zigarettenqualm gar keine Spieler erkannt. Dann habe ich erst gesehen, dass überall an den Wänden Aschenbecher fest angeschraubt waren.“

„Wulle“ Steeger coacht während eines Spiels als Trainer des TSV Wachtendonk/Wankum. Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Wer so lange wie „Wulle“ im Geschäft ist, hat natürlich so manche Mannschaftsfahrt mitgemacht. Und als pflichtbewusster Trainer weist man seine Spieler eindringlich darauf hin, sich zu benehmen. Dumm nur, wenn man im Hotel den Schlauch eines Feuerlöschers in den Hals des schlafenden Torwart-Trainers hält und dabei vom Nachtportier erwischt wird. „Das war nur ein Spaß, der Portier hat die Lage total falsch eingeschätzt“, versuchte sich Steeger herauszureden. Die „Policia Local“ auf Mallorca sah das anders, und er durfte diese Nacht jenseits des Hotels verbringen.

Allgemein bekannt dürfte die Tatsache sein, dass dem erfahrenen Fußballlehrer während des Spiels schon mal der ein oder andere kernige Spruch herausrutscht. Ein einziges Mal musste er deshalb vor der Spruchkammer in Kleve antreten: Der Vorwurf: Schiedsrichterbeleidigung. Das Urteil: 50 D-Mark Geldstrafe. „Da wurde ich völlig zu Unrecht angeklagt. Der Schuldige war Heiko Nießen, der hinter mir stand“, meinte der Übeltäter.

Familie, Fußball und Arbeit – die Reihenfolge ist beliebig austauschbar – haben das Leben von Wilfried Steeger bisher geprägt. Stolz blickt er auf eine lange Zeit als Trainer zurück, von der er keine Sekunde missen möchte. Auf den Plätzen in der hiesigen Umgebung ist er nach wie vor auch als Privatmensch ein gern gesehener Gast.

Eine echte Freundschaft durch den Fußball ist mit „Manni“ Chassent (der mit dem Schlauch vom Feuerlöscher im Hals) aus Wachtendonk entstanden.

Der zweifache Familienvater gönnt sich einmal im Monat einen Kegelabend und nutzt jede Möglichkeit, gemeinsam mit seinem elfjährigen Sohn zu Spielen des BVB zu fahren.

„Wulle“ ist jedenfalls noch lange nicht fertig, und wird hier am Niederrhein weiterhin den Amateurfußball aufmischen. Sein Traum, mit dem TSV Nieukerk in die Bezirksliga aufzusteigen, ist aktueller denn je.

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