Fußball: "Wir sind jetzt gefordert"

Fußball: "Wir sind jetzt gefordert"

Marian Gbur, Torhüter des Fußball-Niederrheinligisten SV Straelen, über den Abstiegskampf, die magere Torausbeute, den nächsten Gegner Ratingen und die Bedeutung, als Keeper den Ton angeben zu müssen.

Nach dem Sieg in Viersen haben Sie nur noch einen Punkt in drei Spielen geholt. Wie erklären Sie das?

Gbur Gerade unser Spiel in Düsseldorf war wirklich unterirdisch. Wir haben kaum Zweikämpfe gesucht und wurden wirklich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es ist schwer, eine Erklärung dafür zu finden. Trotz einer guten Abwehr, kassieren wir zu viele Treffer und schießen insgesamt zu wenig Tore.

Woran liegt's?

Gbur Ich glaube nicht, dass man das an einem Mannschaftsteil festmachen kann. Entscheidend ist, dass die Führungsspieler zu viele individuelle Fehler machen. Das wirkt sich auch auf das Team aus.

Dazu gehören Sie aber auch.

Gbur Ich beziehe mich auch absolut mit ein. Mein Fehler im Spiel gegen Hö./Nie., aus dem ein Gegentor resultierte, ärgert mich selbst am meisten. Aber so was passiert, wenn es nicht läuft.

Es liegt also nicht an der Qualität?

Gbur Auf keinen Fall. Wir sind zwar keine Übermannschaft, aber das Team hat theoretisch das Potenzial, um einen Mittelfeldplatz mitzuspielen. Fakt ist: Wir haben uns am Saisonbeginn selbst in diese blöde Situation gebracht, und dann ist es halt schwer, dort auch wieder rauszukommen. Wir besitzen viele junge Spieler, denen in solchen Situationen eben die Erfahrung fehlt.

Gegen Hö./Nie. führte der SVS sogar, zog sich aber überraschend zurück.

Gbur Auch das darf man der jungen Mannschaft nicht übel nehmen. Die Spieler haben versucht, die Führung zu halten, statt weiter Druck auszuüben. Aber ich finde, dass gerade die Jungen eine gute Saison spielen. Daran hat auch der neue Trainer seinen Anteil, der Jungen Verantwortung überträgt und Fehler zugesteht. Deshalb ist es wichtig, dass wir egal wie die Klasse halten und dann ein Team mit Zukunft aufbauen können.

Ganz offensichtlich wollen Sie dabei mithelfen. Sie haben Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Gbur Das stimmt, ich hatte nie so viel Spaß in Straelen wie in dieser Saison. Die Oberliga-Zeit war zwar sportlich schön, klar. Aber inzwischen ist das Team eng zusammengerückt. Die Stimmung ist super.

Der Schritt, auf den Nachwuchs zu setzen, war also richtig?

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Gbur Absolut. Die Spieler identifizieren sich wieder mehr mit dem Verein. Es gibt kein Gemoser, wenn jemand mal die Bälle aufpumpen muss. Im Ernst, die Jungen lernen viel mehr, wenn sie auch spielen.

Ist der Abstieg ein Thema?

Gbur Darüber reden wir nicht. Klar schaut man nach Niederlagen, wie die anderen gespielt haben. Aber ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten. Das muss unser Ziel sein. Wir als Mannschaft sind nun gefordert, sonst droht manches auseinanderzubrechen. Dann würden Erste und Zweite absteigen, junge talentierte Spieler würden den Verein verlassen und für auswärtige Spieler ist man weniger interessant.

Nur mit Nachwuchsspielern allein geht's wohl doch nicht.

Gbur Es würde einiges erleichtern, noch ein oder zwei erfahrene Spieler im Team zu haben. Warum sollen nicht ehemalige Straelener auch wieder Spaß daran finden, für ihren alten Verein zu spielen?

Wie sehen Sie die Saison persönlich?

Gbur Für mich ist das ein Seuchenjahr. Meine Meniskusverletzung im September und die anschließende Operation haben mich sportlich zurückgeworfen. Das spüre ich am meisten in punkto Fitness. Ich habe versucht, in der Vorbereitung einiges aufzuholen, aber es fehlen noch 30 bis 40 Prozent.

Mit Erfahrung können Sie vieles kompensieren. Trotz Ihrer 25 Jahre zählen Sie bereits zu den Älteren im Team, die auf dem Rasen den Ton angeben.

Gbur Ich sehe mich auch in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und Hilfestellungen zu geben. Gerade wir Ältere müssen mit Leistung und Einsatz vorangehen.

Nun warten mit Ratingen am Sonntag und Rhede am Donnerstag zwei schwere Spiele gegen den Dritt- und Viertplatzierten der Liga.

Gbur Es gibt keine schweren oder leichten Spiele. Wir haben gezeigt, dass wir auch Turu und Homberg Paroli bieten können. Eine gute Platzierung des Gegners darf keine Ausrede sein, nicht gewinnen zu wollen. Klar ist Ratingen Favorit, aber wir sind nicht chancenlos.

Steffi Sandmeier stellte die Fragen.

(RP)