Reitsport Westernreiten ist sein Leben

Mit 27 Jahren gehört Matthias Frisch schon zu den erfahrenen Größen in der Szene. Das Wissen, das er unter anderem in den USA aufgesaugt hat, gibt der Trainer jetzt in Issum weiter.

Dem Bild des Cowboys aus der Zigaretten-Werbung wird Matthias Frisch nun wirklich nicht gerecht: Statt eines knorrigen breitschultrigen Typen mit tief ins Gesicht gezogener Hutkrempe und filterloser Fluppe zwischen den Lippen steht ein ziemlich schmales Bürschchen auf dem Sandboden und gibt einem Reiter, der sein Pferd im Galopp durch die Reithalle führt, Anweisungen.

Na ja, immerhin dudelt als Handy-Klingelton Country-Musik. Wie ist das eigentlich so mit oberflächlichen Vorbehalten, Herr Frisch? "Das würde an mir vorbeigehen", sagt er und lächelt. "Ich habe es aber auch noch nie kennengelernt."

Kurze Zeit später weiß man, wieso. Frisch ist unglaublich konzentriert bei der Arbeit, macht kurze und klare Ansagen. Man hat sofort das Gefühl: Der Junge hat Ahnung von dem, was er tut. Nun ist "der Junge" schon 27 Jahre alt und beileibe ein Mann mit Erfahrung in der Szene.

Das Westernreiter bekam er quasi in die Wiege gelegt: Der Vater war erfolgreicher Amateur, züchtete daheim bei Freiburg selbst Quarter Horses, die typischen Westernpferde. "Ich wollte nie was anderes machen", sagt der Sohn. Mit 16 zog Matthias Frisch aus, um Wissen aufzusaugen. Zwei Jahre lang lernte er den Westernsport von der Pike auf in den USA, unter anderem bei dem 47-fachen Weltmeister Bob Avila. "Ein Künstler in seinem Job", so Frisch, "es war aber auch eine harte Schule." Eine, die bisher nur einer Handvoll Europäern vergönnt war.

Der Nationalkader ist ein Ziel

Im März kam Matthias Frisch — ebenso wie die zweite Trainerin in Issum, Christine Neuner — ans Landgut Steeg. Mit seiner Frau Steffi hat er ein eigenes Unternehmen. Zwischen zehn und 20 Pferden trainiert er in Issum, bereitet sie auf Turniere vor und "showt" sie auf Wunsch auch persönlich.

Sein Ziel: mit einem von ihnen irgendwann mal den Sprung in den Nationalkader und den ganz großen Turnieren zu schaffen. Der Kundenkreis reicht über ganz Deutschland bis in die Schweiz, wo Frisch auch regelmäßig Lehrgänge anbietet. Sechs Tage pro Woche zwölf Stunden, oft auch am freien Tag — sein Leben ist das Westernreiten. "Es ist kein Beruf, mehr eine Berufung", sagt er selbst voller Pathos.

Nach Stationen in Wertheim, Reichweiler, Ennepetal und Hamm nun also Issum. "Die große Halle, der große Außenplatz, die weiträumigen Koppeln, es gibt viele Turniere direkt vor Ort, die Besitzer sind Pferdeleute", zählt er auf. "Es gibt nichts Optimaleres." Ob er aber ewig am Niederrhein bleibt, das will er nicht vorhersehen. Eine Heimat, die hat Matthias Frisch "im Moment nicht, ich weiß nicht, was noch kommt". Da ist ja dann doch noch so was ein Hauch von "Lonesome Cowboy" in dem schmalen Bürschchen.

(RP)
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