American Football: Wenn Kinobesucher Touchdowns feiern

American Football: Wenn Kinobesucher Touchdowns feiern

Die erste Live-Übertragung eines Super-Bowl-Finales im Gelderner Herzogtheater war ein voller Erfolg. Mehr als 100 Football-Freunde fieberten in der Nacht zu Montag mit, als die Philadelphia Eagles für eine Überraschung sorgten.

Henning Janssen, Betreiber des Herzog-Theaters in Geldern, hatte in Kooperation mit den "Kevelaer Kings", der American Football-Mannschaft aus Kervenheim, ein besonderes Event angeschoben und damit den Nerv vieler Football-Fans getroffen. Mehr als 100 begeisterte Zuschauer verschlug es in der Nacht zum Montag zu später Stunde ins Gelderner Kino, um gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden beim 52. Super-Bowl-Finale mitfiebern, bangen und jubeln zu können.

So sah es auch René Artz, Trainer der "Kevelaer Kings": "Das ist ein Riesending, was hier für unsere Randsportart gemacht wird. Wir haben für diese Veranstaltung ordentlich Werbung gemacht. Und nun freue ich mich auf den Super-Bowl. Für morgen haben ich natürlich frei genommen."

American Football? Genau - das ist, laienhaft erklärt, das verrückte Spiel, bei dem der Ball gar kein Ball, sondern ein Ei ist und dieses Ei nicht mit dem Fuß gespielt sondern die meiste Zeit auf Händen getragen wird. In der Nacht zu Montag traten New England Patriots als Titelverteidiger und haushoher Favorit gegen die Philadelphia Eagles an. Die Live-Bilder des gigantischen Sportereignisses der USA wurden aus Minneapolis auf eine zehn Meter breite und sieben Meter hohe Riesenleinwandwand im Herzog-Theater in bester Bild- und Tonqualität projiziert, transportierten das Super-Bowl-Feeling in den Kinosaal und verwandelten das Kino in eine Public-Viewing-Arena.

So wie Lothar Becker aus Wachtendonk dachten viele: "Warum soll ich zu Hause alleine gucken? Hier kann ich mit anderen zusammen das Spiel und die Atmosphäre genießen. Das macht doch viel mehr Spaß." Eine etwas andere Sichtweise hatte da Nicole Burczyk aus Geldern, die mit ihrer Freundin da war: "Ich bin hier, weil man im Kino nicht so schnell einschläft wie zu Hause. Ich halte zu den Eagles, weil die Patriots schon so oft gewonnen haben."

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Die Rahmenbedingungen für dieses Experiment hatte Janssen schnell geschaffen: Bei freier Platzwahl wurde auf das Eintrittsgeld verzichtet, stattdessen mussten Verzehrkarten im Wert von mindestens acht Euro gekauft werden; das Catering sah neben den üblichen Kino-Menüs wie Nachos mit Salsa-Dip oder Käsesoße und natürlich Popcorn unter anderen auch Hot Dogs, Wraps und Chili con Carne vor.

Dann war es endlich soweit: 30 Minuten nach Mitternacht hieß es "Ready for Kick off" - das 52. Endspiel um die begehrte "Vince Lombardi Trophy" hatte begonnen.

Während der perfekten sportlichen Darbietung, einer Mischung aus Eleganz und Aggression, bei dem sich die Spieler beim Kampf um das "Leder-Ei" scheinbar die Köpfe einrannten, blieben die Zuschauer im Saal unamerikanisch gesittet. Natürlich wurden, wie bei allen anderen Sportarten üblich, auch hier Spielszenen von den Zuschauern mit den entsprechenden Bemerkungen und Sticheleien bedacht. Merklich lauter wurde es im Saal bei faszinierenden Läufen und gelungenen "Touchdowns". Überhaupt waren die durchweg fachkundigen Besucher nicht auf eine einzelne Mannschaft fixiert. Sie hatten das ganze Jahr über die NFL zu Hause vor dem Fernseher verfolgt und waren aus reinem Interesse und Begeisterung für den Sport ins Herzog-Theater gekommen.

Mit der Sonderveranstaltung erzielte Janssen gemeinsam mit den "Kings" in der Super-Bowl-Nacht einen persönlichen "Touchdown": Die Kinobesucher waren mit der langen Kino-Nacht, die um fünf Uhr morgens mit dem Sieg der "Eagles" endete, rundum zufrieden. Janssen zog nach der Veranstaltung ein positives Fazit: "Ich habe von den Besuchern nur positive Rückmeldungen erhalten. Das war für uns eine geglückte Premiere. Ich werde diese Veranstaltung im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen."

(ütz)