Weezer Staffellauf und das Gemeinschaftsgefühl

Leichtathletik : Wenn einsame Läufer Teamgeist zeigen

Bei der 33. Auflage des „Fünf mal Fünf-Kilometer“-Staffellaufs des TSV Weeze waren erneut rund 750 Sportlerinnen und Sportler mit von der Partie. Am Ende hatten vier Freunde aus Waldniel die Nase vorn – einer musste zweimal ran.

Unter dem Motto „Fünf Lauffreunde sollt ihr sein“ hatten 150 Staffeln mit 750 Läufern aus der Heimat, aus ganz Nordrhein-Westfalen sowie aus dem benachbarten Ausland zur 33. Auflage des Weezer Fünf mal Fünf-Kilometer–Staffellaufs rechtzeitig ihre Anmeldungen auf den Weg gebracht. „Die Zeiten, in denen wir fast 300 Staffeln am Start hatten, sind lange vorbei“, bedauerte Karl-Heinz Weyenberg vom Organisatoren-Team des TSV Weeze am Rande der Veranstaltung die allgemeine Entwicklung im Sport.

Der fünf Kilometer lange Rundkurs führte die Staffelläufer vom August-Janssen-Sportzentrum   durch weite Wiesen und Felder, entlang der Niers vorbei an Pappeln und Kopfweiden und zurück zum Sportplatz, um den nächsten Läufer auf die Reise durch die niederrheinische Landschaft zu schicken. In elf Klassen wurden beim Weezer Breitensport-Spektakel die Siegerinnen und Sieger ermittelt und Pokale und Preise vergeben.

Doch vor den Lohn haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt – und so wurde um jeden Zentimeter gekämpft, Vollgas gegeben und der innere Schweinehund bekämpft. Hunderte Sportler in allen Alters- und Leistungsklassen überzeugten mit sportlicher  Ausdauer und Durchhaltevermögen.

Pünktlich um 14.30 Uhr war es endlich soweit: Begleitet vom Stones-Hit „Start me up“ aus dem Jahr 1981 wurden die ersten 150 Athleten bei läuferfreundlichen Temperaturen aus dem Stadion geschickt. Laurenz „The Voice“ Thissen moderierte souverän wie eh und je fachkundig und mit einer Portion Humor durch das Programm und feierte dabei ein besonderes Jubiläum: Es war seine 75. Veranstaltung, die er seit 1985 als Stadionsprecher im Weezer Stadion begleitet hat.

Zum achten Mal in Folge am Start war Annika van Hüüt von der LG Alpen, die mit acht Staffeln den teilnehmerstärksten Verein stelllte. „Die Strecke ist super präpariert, auf dem teilweise sandigen Untergrund läuft es sich noch recht gut. Entlang der Niers wurden wir von Leuten auf Booten, die Junggesellenabschied gefeiert haben, toll angefeuert“, erzählte van Hüüt, „der Gegenwind zum Schluss war ziemlich heftig.“

Eines dieser „Feierboote“ wäre der Hobbyläuferin Antje Sander aus Drevenak, die nach 30:06,01  Minuten heftig keuchend das Ziel erreichte, fast zum Verhängnis geworden: „Verdammt, bin ich fertig, ich hätte den Schnaps besser nicht mit denen getrunken.“ Der besondere Reiz des Weezer Spektakels liegt nach Aussage vieler Teilnehmer darin, dass Laufsport im Grunde ein Individualsport ist, die Staffelveranstaltung aber die Möglichkeit einräumt,  Teamgeist zu entwickeln.

Für das Team „Ansage Nr. 3“, Läufer, die sich aus der gemeinsamen Jugendzeit in Waldniel kennen, war nach dem fünften Platz im letzten Jahre die Ansage, dieses Mal in der Konkurrenz „Männer 1“ einen dritten Platz zu belegen. Dieses Ziel verfehlten die Läufer deutlich, denn mit einer Gesamtzeit von 1:22:29 Stunden standen sie am Ende ganz oben auf dem Podest.  „Wir sind mittlerweile bereits zum sechsten Mal hier in Weeze. Das ist immer ein guter Grund, uns wiederzusehen. So ein Wettkampfformat findet man nirgendwo“, sagte René Giesen, der aus Köln angereist war.

Die Kumpels Martin Heuschen, René Giesen, Kai Weyers und Niklas Podszus (v.l.) treffen sich jedes Jahr in Weeze. Ihr Ziel war Platz drei – am Ende sprang sogar der Gesamtsieg heraus. Martin Heuschen drehte zwei Runden, weil ein  weiterer Freund kurzfristig ausgefallen war. Foto: Heinz Spütz

Zum Ende der Veranstaltung setzte ein niederrheinischer Landregen ein, der das positive Gesamtbild der Veranstaltung nicht trübte, aber ausgerechnet  die Läufer erwischte, die ohnehin länger als die ambitionierten Wettkampfläufer auf der Strecke unterwegs waren.  Aber wer gut zu Fuß ist, lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Jedenfalls gewannen  die Spätzügler dem nicht sehr heftig fallenden Regen auch positive Seiten ab: „Dafür hatten wir keinen Wind mehr“, lautete die schlichte Läuferlogik.

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