Reitsport: Von den Koppeln in Walbeck ins Morgenland

Reitsport : Von den Koppeln in Walbeck ins Morgenland

Frank Spönle, herausragender Züchter und Ausbilder, hat sich auf Araberpferde spezialisiert. Viele seiner Pferde stehen in Walbeck.

Schick ist sie, die riesige Anlage in den Walbecker Wäldern. Sie ist der Stolz von Reinhard Fleurkens, der mit seiner Frau und den Kindern neben den angrenzenden Stallungen und Weiden ein sehr altes und sehr schönes Haus bewohnt. Der Vater hat den Hof seinem Sohn übergeben, und irgendwann werden die Enkelkinder die Anlage übernehmen. Noch schwärmt der Sohn aber mehr vom Fußball und verbringt die Wochenenden auf irgendwelchen Plätzen. "Aber auch ich liebe den Fußball", sagt der Vater. Von daher ist in der Familie Fleurkens alles im Wohlklang. Und damit beginnt diese Geschichte.

Der Gelrianer, der sieben Tage in der Woche Geschäftsmann ist, entschied sich vor einigen Jahren dafür, das zehn Hektar große Areal für eine Pferdeanlage zu nutzen, in die sich Pächter einmieten konnten. Das gelang. Der jetzige Pächter kann dort unter professionellen Bedingungen arbeiten. Hier die Hallen mit 80 Pferdeboxen. Dort drüben die saftigen Wiesen. Geradezu ideal für Frank Spönle und Sabine Widmaier, um sich dort für zehn Jahre einzumieten.

Die beiden Pferdeliebhaber aus dem süddeutschen Raum hatten zuvor Kunden und Pferde-Liebhaber in der Schravelschen Heide an sich gebunden, die ein Faible für Araberpferde haben. Ein Pferdetrainer braucht für die wertvollen Hengste, Stuten und Fohlen schon ein bisschen Platz für den Auslauf, und der ist in Walbeck ja da. Zudem sind die Vierbeiner dort in wohltemperierten Luxusboxen untergebracht. Vielleicht ist deswegen schon mal die Rede von märchenhaft reichen Scheichs aus dem Morgenland, die bei dem erfolgreichen Trainer ihre Araber ausbilden lassen.

Fabelgeschichten? Man müsste durchs Schlüsselloch gucken. Von wegen, Namen sind Schall und Rauch. In diesem Metier sind Namen ungemein wichtig. Deshalb an dieser Stelle auch in aller Kürze die Geschichte von Sheikh Ammar Bi Humaid Al Nuami, der sich freute, als seine Araberstute AJ Sawahi vor kurzem von einer hochkarätig besetzten Jury in Paris zur weltweit schönsten Stute gewählt wurde. Ohren, Augen, Blick und Körperbau — besser ging es kaum. Da war der Scheich natürlich stolz auf sich. Er hat diese wunderschöne Stute schließlich gezüchtet. Damit ist natürlich bereits die Grundlage für weitere wertvolle Fohlen geschaffen.

Freude darüber natürlich auch bei Frank Spönle, der Pferde von eben genau dieser Statur in Walbeck heranzieht und in die arabischen Länder weitervermittelt. Ehrgeizig und zielbewusst darf man den Süddeutschen nennen, der ein gutes Gespür für den Umgang mit Pferden hat. Es ist ein wirklich schönes Bild, wenn die temperamentvollen Fohlen seiner Kunden über das Gelände in Walbeck galoppieren, das von einem Wald und großen Bäumen umgeben ist. In dieser milden Jahreszeit sind Hengste, Stuten und Fohlen täglich draußen. In der Zucht geht es nicht nur um den Erfolg in der Gegenwart. Es geht auch um den Erfolg in der Zukunft. Deshalb muss man sich auch gar nicht groß fragen, warum der Besitzer dieser großzügigen Anlage seinerzeit gleich 80 moderne Boxen bauen ließ.

Spönle, Pächter, Trainer und Entscheider, würde sagen, dass es seine Lieblingspferde in Walbeck gut getroffen haben Natürlich auch die Kunden. Genau genommen sind sie es, die seinem Rat folgen. Wenn er sagt, das Pferd ist gut, dann ist es gut — ein Profi, der die Besitzer der schönen Vierbeiner in allen Bereichen rund um die Zucht berät.

Wo findet man denn die schicke Anlage in Walbeck? Die Hinweise waren ziemlich widersprüchlich; letztlich ein mitleidiges Schulterzucken und am Ende dann doch ein paar helfende Tipps. Kurzum: Wenn die Anlage gefunden ist, wird man sagen, dass es ganz einfach war. Man sieht auch sofort, dass der Besitzer Ideen und Geld investiert hat. Es ist ein kalter Tag. Muntere Fohlen prüfen in ihren Boxen die Materialqualität der Türen. Der Besucher schaut sich derweil die Hengste an, die für ihre Besitzer Geld verdienen müssen.

Leichtes Schnauben. Sie bekommen reichlich Heu und Stroh. "Jetzt muss man sie in Ruhe lassen", sagt eine Helferin. Die Spatzen toben derweil oben im Gebälk. Sie piepsen sich was und freuen sich über ihren warmen Rückzugsort. Wer das alte Bauernhaus und die zehn Hektar große Grünfläche gesehen hat, ist anschließend über alles im Bilde. Da passt einfach alles zusammen. Wahrscheinlich ist es genau das, was sich der stets braun gebrannte Pferdemensch Frank Spönle auch vorgestellt hat. Und seine geldschweren arabischen Kunden auch.

(hem)
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