Wassersport : Vom Bertasee nach Walbeck

Gerd Hemmers blickt auf 83 Jahre zurück. Darunter waren sportlich erfolgreiche Jahre. Er war vierfacher deutscher Meister im Kajak. Seine Karriere begann auf der Wedau im Duisburger Süden.

Anneliese und Gerd Hemmers haben ihr Reihenhäuschen in Walbeck gebaut. Vielleicht ist es ein Zufall, dass sie gerade hier wohnen, aber nachdem man sie besucht hat, kann es einem so vorkommen, als hätten sie sich den Platz zum Leben absichtlich hier am Niederrhein gesucht, weil es so schön ruhig ist.

Gerd Hemmers (r.) bei einer Siegerehrung. Foto: Privat

Der Platz passt zu ihrem Leben.

Gerd Hemmers ist 83 Jahre alt, hört und sieht gut und arbeitet noch im Garten. "Ja, der Gerd hat sich gut gehalten", sagt seine Frau Anneliese, die aus Köln stammt und mit rheinischem Humor gesegnet ist. Sie kann das beurteilen, sie ist schließlich schon seit 59 Jahren mit ihm verheiratet. Die beiden sitzen in der kleinen Küche, und während Gerd Hemmers erzählt, schaut ihn seine Frau ein wenig bewundernd von der Seite an. Am Telefon, bei der Terminabsprache, hat sie gesagt, man solle am besten nochmal anrufen und mit dem Gerd reden.

Gerd Hemmers berichtet, wie er 1951 seinen Partner Gustav Schmidt bei den deutschen Meisterschaften in Berlin-Tegel pushte, um dessen Stärken im Zweier rauszukitzeln. "Eine gute Platzierung war damals unser Ziel, aber dann haben wir völlig unerwartet als Sieger die Ziellinie überquert", sagte er und lächelte. Sie hatten nach der Startphase am schnellsten den Rhythmus gefunden und ihren ersten großen Titel über 1000 Meter geholt. "Wenn es erst mal läuft, geht alles leicht."

Die Favoriten brachen dagegen total ein. Sie hatten wohl zu spät das Gefühl für dieses Rennen gefunden. Es gibt im Sport Geschichten, die von diesen Gefühlen erzählen. Die von den erfahrenen Favoriten, die den Wettkampf in Berlin-Tegel verloren, und sich ärgerten. Und die von den beiden jungen Männern aus Duisburg, die seinerzeit dort Gold gewannen und bei der Siegerehrung die Faust als Geste der Freude ballten.

Gerd Hemmers kam später auch im Einer-Kajak als Erster ins Ziel, feierte im Mannschafts-Wettbewerb über 10 000 m einen weiteren Erfolg, und auch in den Staffel-Wettkämpfen gab es eine Medaille für den Club von Bertasee Duisburg. 1956 und 1957 hatte er es dann wieder eilig. Er führte seine Crew zum Titel gegen die Kajak-Staffel-Konkurrenz. Gescheitert ist der Duisburger allerdings zuvor 1954 bei den Weltmeisterschaften im französischen Macon, wo der Vierer über 10 000 Meter chancenlos war und am Ende nur den fünften Platz belegte.

"Was sagen Sie jetzt?", Gerd Hemmers, der ein guter Erzähler ist, streicht im Keller riesige Urkunden mit dem rechten Handrücken glatt. "Das war eine schöne Zeit." Vierfacher deutscher Meister im Kajak, Kriegsteilnehmer, Kriegsgefangener, Kriegsheimkehrer und 1984, kein Witz, sogar einmal Duisburger Karnevalsprinz, sagt jetzt nichts. Er geht nach dem Gespräch voraus, damit man auf der Treppe nicht stolpert und verabschiedet sich mit freundlichen Worten.

Nun hofft er, dass er noch ein bisschen länger gesund bleibt. Jedenfalls will der 83-Jährige den Rat seines Hausarztes beherzigen und regelmäßig schwimmen. Ein Rat, der leicht zu beherzigen sein sollte, wenn ein Freibad direkt vor der Haustür liegt. So bleibt er dem Wassersport schließlich auch erhalten.

(hem)