Volleyball „Die Enttäuschung liegt bei null Prozent“

Geldern · Der VC Eintracht Geldern hat den Aufstieg in die Dritte Liga knapp verpasst, aber eine tolle Saison hingelegt. Die Mannschaft freut sich bereits auf künftige Taten.

 Auch wenn der Traum von der Dritten Liga nicht in Erfüllung gegangen ist: Grund zum Jubeln hat die Gelderner Mannschaft um Trainer Eung-Zoll Chung allemal. 
  RP-Foto: G. Evers

Auch wenn der Traum von der Dritten Liga nicht in Erfüllung gegangen ist: Grund zum Jubeln hat die Gelderner Mannschaft um Trainer Eung-Zoll Chung allemal. RP-Foto: G. Evers

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Unter dem Strich hat ein einziger Punkt zum großen Triumph gefehlt. Im Kampf um den Aufstieg in die Dritte Volleyball-Liga der Frauen musste der VC Eintracht Geldern um Haaresbreite dem PTSV Aachen II den Vortritt lassen. Dennoch steht fest: Die Mannschaft um Trainer Eung-Zoll Chung hat eine herausragende Saison gespielt.

Ihre Mannschaft hat bis kurz vor Schluss die Aufstiegsrunde zur Dritten Liga angeführt, dann aber am Wochenende in den letzten beiden Spielen die Krönung verpasst. Überwiegt die Enttäuschung oder der Stolz auf eine tolle Saison?

Eung-Zoll Chung Ich kann nur sagen, dass bei mir die Enttäuschung bei null Prozent liegt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es den Spielerinnen mit einigen Tagen Abstand ähnlich geht. Wir dürfen stolz auf unsere Leistungen sein. Vor der Saison wollten wir uns für die Aufstiegsrunde qualifizieren, um in jedem Fall auf der sicheren Seite zu sein. Niemand konnte damit rechnen, dass wir so lange oben stehen.

Dabei gab es zunächst einen klassischen Fehlstart. Am ersten Spieltag verlor die Mannschaft mit 0:3 bei Humann Essen. Was ist danach passiert?

Chung Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Nach diesem Spiel habe ich ernsthaft daran gezweifelt, ob wir in der Regionalliga überhaupt konkurrenzfähig sind. Im nachhinein war es das einzige Mal, dass die Spielerinnen mit hängenden Köpfen eine Halle verlassen haben. Anschließend hat sich ausgezahlt, dass wir von Anfang an auf Teamgeist und Zusammenhalt gesetzt haben. Nur deshalb waren wir in der Lage, häufig auch vermeintlich stärkere Gegner schlagen zu können.

Die Erfolge sind umso bemerkenswerter, weil die Saison von Beginn an von großem Verletzungspech geprägt war. Kapitänin Nicole Gey konnte wegen eines Kreuzbandrisses kein einziges Spiel bestreiten. Zuspielerin Alina Verheyen hat die komplette Aufstiegsrunde verpasst. Wie hat die Mannschaft solche Ausfälle kompensieren können?

Chung Das hat mich selbst positiv überrascht. Einige Spielerinnen, die erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen, sind frühzeitig über sich hinausgewachsen. Zuspielerin Alexandra Otto und Außenangreiferin Katharina Haag hatten vorher praktisch nur Verbandsliga-Erfahrung und sind ins kalte Wasser geworfen worden. Leonie Mülders, die gerade ihr Abitur macht, übernimmt schon in jungen Jahren Verantwortung und ist bereits Kapitänin. Wie bereits erwähnt, kann so etwas nur über großen Zusammenhalt funktionieren.

Und dennoch stand lange der Aufstieg in die Dritte Liga im Raum. Lässt sich solch eine Erfolgsgeschichte überhaupt wiederholen?

Chung Das kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen. Aber wir sind in jedem Fall bereit dazu. Wie es momentan aussieht, bleibt die Mannschaft inklusive meiner Person komplett zusammen. Zu Beginn der neuen Saison im Herbst können wir vielleicht auch wieder mit Alina Verheyen und Nicole Gey planen. Nicole kann ich mir auch gut als Libera vorstellen, zumal auf dieser Position die Knie nicht so stark belastet werden. Und dann schauen wir uns bereits gezielt nach Verstärkungen um. Eine zusätzliche Mittelblockerin, eine Zuspielerin und eventuelle auch noch eine Außenangreiferin stehen auf der Wunschliste. Mit dem entsprechenden Kader werden wir auch in der nächsten Regionalliga-Saison wieder eine gute Rolle spielen.

Nach der strapaziösen Saison – zuletzt standen drei Spiele innerhalb von fünf Tagen auf dem Programm – hat sich die Mannschaft eine Pause verdient. Wann starten die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit?

Chung Einen genauen Plan haben wir zwar noch nicht aufgestellt. Aber ich gehe davon aus, dass wir uns frühzeitig wieder treffen und mit dem Training starten. Die Spielerinnen verstehen sich untereinander so gut, dass sie eine lange Pause wahrscheinlich gar nicht aushalten würden.

Im Sport gibt es viele Beispiele dafür, dass Mannschaften, die überraschend den Aufstieg geschafft haben, anschließend eine Etage höher überfordert waren. Wäre die Dritte Liga eventuell für Ihre Mannschaft eine Nummer zu groß gewesen?

Chung Das will ich so zwar nicht unbedingt sagen, aber die Gefahr hätte durchaus bestanden. Der Unterschied zwischen den Ligen ist schon sehr groß. Wir hätten uns in jedem Fall verstärken müssen, um mithalten zu können.

Worin liegt das Erfolgsgeheimnis des VC Eintracht Geldern, der als relativ kleiner Verein schon seit vielen Jahren Volleyball auf konstant hohem Niveau bietet?

Chung Es ist ganz einfach die familiäre Atmosphäre. Ich möchte mich an dieser Stelle auch einmal bei den vielen hilfsbereiten Menschen im Verein bedanken, die uns die ganze Saison zur Seite gestanden und zum Erfolg beigetragen haben.