Handball : Überraschung – aber kein Jubeltanz

Handball-Regionalliga der Männer: TV Aldekerk erreicht ein 31:31 (17:14) gegen den Tabellendritten SG Ratingen, verspielt aber in den letzten Sekunden einen Zwei-Tore-Vorsprung. Der Gastgeber zeigte seine beste Saisonleistung.

Schluss-Sirene in der Vogteihalle beim Heimspiel des TV Aldekerk. Keiner jubelt – den Schützlingen von ATV-Trainer Nils Wallrath ist eher zum Heulen zumute. Bis 41 Sekunden vor dem Abpfiff führte der ATV noch mit zwei Toren Vorsprung gegen Titelanwärter SG Ratingen – und musste in der allerletzten Spielsekunde den Ausgleichstreffer durch Yannik Nitzschmann hinnehmen. Für die Ratinger Löwen war es auf der einen Seite ein klarer Punktgewinn, auf der anderen Seite ein Punktverlust in Sachen Regionalliga-Meisterschaft.

Auch wenn sich dieses Unentschieden unter dem Strich wie eine herbe Niederlage angefühlt haben muss, kann man der Mannschaft von ATV-Trainer Nils Wallrath nichts vorwerfen. Sie hat gezeigt, wozu sie auch nach einer Negativserie von vier Niederlagen in Folge imstande ist. Gegen eine Mannschaft, die mit Spielern bestückt ist, die mit ihrem Leistungsniveau in der Regionalliga eigentlich gar nichts zu suchen haben, zeigten die Grün-Weißen ihre beste Saisonleistung und waren über weite Strecken die dominierende Macht auf dem Feld.

„Natürlich ist es bitter, hier nicht beide Punkte mitgenommen zu haben“, sagte Wallrath nach dem Spiel. „In unserer Kabine ist es verdammt ruhig, die Jungs sind enttäuscht. Derjenige, der den Ball besitzt, entscheidet, was er damit macht.“ Gemeint sind die Schlusssekunden, als der ATV im Ballbesitz war, durch ein riskantes Zuspiel am gegnerischen Kreis den Ball verlor und den Ausgleichstreffer kassierte.

Bis 13 Minuten vor Schluss führte der Gastgeber mit vier Toren Vorsprung und hatte den Gegner scheinbar fest im Griff. Danach stellten die Gäste ihre Deckung um und ließen Julian Mumme durch den mazedonischen Nationalspieler Filip Lazarov eng decken. Der Titelaspirant kam Tor für Tor heran und ging in der 55. Minute zum ersten und einzigen Mal mit 28:27 in Führung.

„Man hat deutlich gesehen, dass in unserem Spiel noch die Abstimmung fehlte“, meinte der Ratinger Coach Marcel Müller. „Aber wir haben während des Spiels von der Bank aus einiges regeln können und die Mannschaft hat nie aufgesteckt. Die Aldekerker haben auf jeden Fall einen Punkt verloren.“

Lange durfte der ATV an der ganz großen Überraschung schnuppern – die letzte Aktion tat verdammt weh. Trotzdem zog Wallrath am Ende eine optimistische Bilanz: „Wir müssen das Positive aus diesem Spiel mitnehmen und es beim nächsten Spiel in Essen noch etwas besser machen.“

Zum Spielverlauf: Endlich, nach langer Zeit, bewiesen die Hausherren, dass die Abwehr um Jonas Mumme auch tatsächlich eine Abwehr ist und gingen nach 10 Minuten mit 5:2 in Führung. Die Angriffe wurden konsequent und erfolgreich abgeschlossen. Die Gäste wechselten früh ihren Torwart, der Vorsprung wuchs bis vier Minuten vor dem Halbzeitpfiff auf 14:9 an.

Im zweiten Durchgang, in dem sich der Aldekerker Torwart Janik Schoemackers Bestnoten verdiente, setzten die Gastgeber weiter nach und lagen bis zur 47. Minute deutlich mit 26:22-Treffern vorne. „Die taktischen Vorgaben wurden umgesetzt. Am Ende hat man gemerkt, dass meine Spieler auf dem Zahnfleisch gingen. Wenn dann die Kraft fehlt, fehlt auch der Kopf“, fasste Wallrath anschließend nochmals zusammen.

Die ersten Spieler kamen bereits geduscht aus den Kabinen, als der Ratinger Spielertrainer Ace Jonovski immer noch wie versteinert auf dem Hallenboden saß. „Ja, natürlich muss ich über das Spiel viel nachdenken. Aber ich spiele gerne gegen Aldekerk. Das ist eine feine Mannschaft, die spielen gut, sind immer fair und man kann vernünftig mit den Jungs reden“, lobte er den Gastgeber.

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