TV Aldekerk verliert gegen Spitzenreiter MTV Dinslaken

Handball : TV Aldekerk verpasst Überraschung

Handball-Regionalliga: Ausgelassener Jubel in der Vogteihalle. Der Haken an der Sache: Die Fans des Tabellenführers MTV Rheinwacht Dinslaken feiern einen verdienten, am Ende aber etwas glücklichen 31:30 (15:12)-Auswärtssieg.

Die Stimmung in der Vogteihalle war hervorragend und der Jubel nach dem erlösenden Schlusspfiff groß. Aber es waren die Spieler in den weiß-schwarzen Trikots des Tabellenführers MTV Rheinwacht Dinslaken, die auf ihren Torwart Marco Banning zustürmten und ihn unter sich begruben.

Was war passiert? Die Hallenuhr war angehalten und zeigte noch drei Sekunden Spielzeit an. Der Spielstand: 30:31 aus Sicht des Gastgebers TV Aldekerk. Die Schiedsrichter Christian Lange und Konstantin Leitner hatten nach einem Foulspiel an Can Greven auf Strafwurf entschieden. Die einmalige und letzte Chance zum Ausgleich. Robin Appelhans gegen Marco Banning. Das Psychospielchen an der Strafwurflinie entschied der Dinslakener Keeper mit einer gekonnten Fußabwehr für sich.

„Ich habe die Entscheidung getroffen, Robin werfen zu lassen“, gab ATV-Trainer Nils Wallrath nach dem Spiel zu. „Ich bin davon ausgegangen, dass der Torwart die Varianten von Thomas Plhak und Jonas Mumme durch Videoaufzeichnungen kannte. Auf Robin konnte er sich nicht eingestellt haben. Er ist mir als sicherer Strafwurf-Schütze bekannt.“

Die Spannung und Dramatik der letzten Spielminuten spiegelten jedoch nicht den tatsächlichen Spielverlauf wieder. Die mitgereisten Fans aus Dinslaken sorgten mit Paukenschlägen, Klatschpappen und rhythmischem Händeklatschen für eine Heimspielatmosphäre ihrer Lieblinge und standen 60 Minuten wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase zogen die Gäste sechs Minuten vor dem Halbzeitpfiff und einem 4:0-Lauf auf 14:10 davon. Die Seiten wurden mit einer 15:12-Gästeführung gewechselt.

Mitte der zweiten Halbzeit kamen die Hausherren durch einen Treffer von Rechtsaußen Thomas Plhak bis auf einen Treffer an die Dinslakener heran. Hoffnung keimte auf, dass das Spiel eine Wende nehmen könnte. Weit gefehlt: Zu leicht konnte der Liga-Primus immer wieder durch die Abwehr der Grün-Weißen spazieren und erspielte sich bis sieben Minuten vor Schluss einen deutlich Vorsprung von sechs Toren.

Wallrath reagierte und trat die Flucht nach vorne an. Er zog drei Spieler weit vor die Abwehrreihe und ließ offen decken – eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Der Vorsprung schmolz zusehends, den Gästen flatterten die Nerven. Spielstand 54 Sekunden vor Schluss: 30:30. Durch einen Strafwurf gingen die Gäste erneut in Führung – das Ende ist bekannt.

„Vielleicht hätte ich schon früher offen decken lassen müssen“, hinterfragte sich Wallrath nach der Partie, „das war vielleicht ein Fehler von mir. Aber trotzdem ist die Niederlage heute kein Beinbruch und wir werden weiter hart arbeiten.“ In seiner Analyse bemängelte er außerdem, dass seine Mannschaft beim Spielstand von 20:21 zu schnell versucht habe, das Spiel zu gewinnen. Der Schuss sei dann nach hinten losgegangen. Er hätte sich eine Portion mehr Kampf gewünscht, statt in erster Linie auf spielerische Lösungen zu setzen.

Herausragender Spieler auf Aldekerker Seite war Spielmacher Julian Mumme, der insgesamt elf raketenhafte Treffer erzielte. Von seiner Spiellust ließen sich seine Kameraden insbesondere im Rückraum leider nicht anstecken. Can Greven und Benedikt Liedtke setzten sich im Angriff nicht wie gewohnt durch, zeigten eine eklatante Abschlussschwäche und kamen gemeinsam auf gerade einmal zwei magere Treffern.

Jonas Mumme war anzumerken, dass er mit einer Schleimbeutelentzündung im Schulterbereich angeschlagen ins Spiel gegangen war. Thomas Jentjens hat nach seiner vierwöchigen Trainingspause noch nicht zur alten Form zurückgefunden. Ein Sonderlob vom Trainer erhielt Torwart Janik Schoemackers. Er ersetzte Mitte der zweiten Halbzeit den verletzten Ben Köß und hielt mit seinen Paraden den ATV lange im Rennen.

„Aldekerk hat uns alles abverlangt, aber meine Mannschaft hat hier gespielt wie ein Tabellenführer“, zeigte sich Dinslakens Trainer Harald Jakobs sehr zufrieden. „Es hätte zum Schluss gar nicht so eng werden müssen. Chancen, den Abstand zu halten, waren genug da.“

Mehr von RP ONLINE