Dritte Handball-Liga Stehender Applaus für den Verlierer

Kerken · Am Ende hat der TV Aldekerk zwar mit 33:38 gegen den Titelaspiranten HSG Krefeld das Nachsehen. Doch rund 800 Zuschauer in der ausverkauften Vogteihalle feiern ihre Lieblinge für einen starken Auftritt.

Der TV Aldekerk – hier Cedric Linden (grünes Trikot) – lieferte dem haushohen Favoriten HSG Krefeld einen leidenschaftlichen Kampf und schnupperte in der ersten Hälfte an einer Sensation.

Der TV Aldekerk – hier Cedric Linden (grünes Trikot) – lieferte dem haushohen Favoriten HSG Krefeld einen leidenschaftlichen Kampf und schnupperte in der ersten Hälfte an einer Sensation.

Foto: Norbert Prümen

Lang anhaltende Beifallsbekundungen kommen häufiger vor, aber nach einer Niederlage sind sie eher ungewöhnlich. Was sich am Freitagabend nach dem Abpfiff eines mitreißenden Handballspiels zwischen den Drittligisten TV Aldekerk und HSG Krefeld in der Vogteihalle abspielte, war mehr als ungewöhnlich. Rund 800 Zuschauer erhoben sich nach der 33:38 (16:14)-Niederlage des Gastgebers geschlossen von ihren Plätzen, spendeten viel Applaus und feierten mit minutenlangen Gesängen den kämpferischen Auftritt ihrer Lieblinge, die sich gegen einen übermächtigen Gegner zu keinem Zeitpunkt aufgegeben hatten. Nach nunmehr acht Niederlagen in neun Spielen haben sich in anderen Hallen zwischen Anhängern und ihrer Mannschaft schon ganz andere Szenen abgespielt – dafür eine „Eins plus“ für das Aldekerker Publikum.

Das Interesse am Duell der beiden besten Handball-Mannschaften aus der Region war riesengroß. Bereits Tage vorher waren alle Karten verkauft. Eine Stunde vor dem Spiel war die Halle gut gefüllt, trotzdem brach der Zuschauerandrang nicht ab. Hallensprecher Klaus Hilbertz war pausenlos damit beschäftigt, Autofahrer zu bitten, ihre Fahrzeuge vernünftig abzustellen. Mit dem Anpfiff um 20 Uhr sorgten die ATV-Fans in der prall gefüllten Halle für eine wahnsinnige Stimmung.

Von Beginn an drückten beide Mannschaften kräftig auf die Tempotaste, den besseren Start legten die Hausherren hin. Nach gerade einmal fünf gespielten Minuten lag die Mannschaft von Trainer Tim Gentges mit 4:1 vorne. Das Publikum war nun völlig aus dem Häuschen, hielt den ohrenbetäubenden Support über die gesamte Spielzeit aufrecht und bejubelte nach 13 Minuten den Treffer ihres Torwarts Paul Keutmann zur 10:5-Führung.

Der Krefelder Trainer Mark Schmetz hatte genug gesehen und bat um eine Auszeit, die Wirkung zeigte. Die Krefelder gingen konzentrierter an die Sache heran, verringerten den Abstand – mit einer Aldekerker 16:14-Führung ging es in die Pause. Zentrales Gesprächsthema der Fans war jetzt, ob der ATV das Niveau halten und an die Leistung aus der ersten Halbzeit anknüpfen kann. Die Fachleute an den Aschenbechern vor der Halle waren sich einig: „Wird schwer.“

Im zweiten Durchgang gelang den Gästen der bessere Start. Der favorisierte Tabellenzweite schaffte nach drei Minuten den Ausgleich und ließ sich nicht mehr abschütteln. Die erste Führung der Gäste zum 21:20 (37.) glich der beste Mann auf dem Feld, David Hansen, ein letztes Mal aus. Die Kräfte bei den ATV-Männern ließen spürbar nach. Die ­„Eagles“ aus Krefeld breiteten nun ihre Flügel weit aus und zogen über 24:21 (39.) mit Beginn der Crunch-Time auf 33:28 davon. Fünf Minuten waren noch zu spielen, als der Gastgeber beim Spielstand von 31:35 zum letzten Mal die Möglichkeit hatte, doch noch für eine Sensation zu sorgen. Zweimal parierte der überragende Paul Keutmann, aber zweimal passierte nichts im Angriff. Die Erleichterung bei den Krefeldern war spürbar, als die beiden Unparteiischen die Partie abpfiffen.

„So spielt kein Absteiger“, sagte ATV-Trainer Tim Gentges unmittelbar nach dem Spiel. „Heute hat man gesehen, was wir spielen und erreichen können. Der Sieg der Krefelder ist verdient, aber zu hoch ausgefallen. Die Halle hat uns überragend unterstützt, die Leute im Dorf glauben an uns. Wir werden mit aller Macht versuchen, die Klasse zu halten.“

TV Aldekerk: Keutmann (1), Schoemackers – Hansen (13), Julian Mumme (7), Jonas Mumme (4), Linden (4), Rutten (3), Plhak (1).