Handball : Der ATV-Express nimmt volle Fahrt auf

Handball-Regionalliga der Männer: TV Aldekerk feiert einen Sieg der Leidenschaft. Beim zuvor noch ungeschlagenen Aufsteiger MTV Dinslaken gelingt ein 28:26 (16:11)-Erfolg, mit dem sich die Grün-Weißen auf Platz sechs verbessern.

Der TV Aldekerk hat die Feuertaufe im Hexenkessel von Dinslaken bestanden. Die Grün-Weißen setzten sich am Sonntag beim zuvor noch ungeschlagenen Tabellenzweiten MTV Dinslaken verdient mit 28:26 (16:11) durch.

Beide Teams waren vom Anpfiff an hellwach. Schnörkel- und kompromisslos ging es direkt voll zur Sache. Dinslaken eröffnete den Torreigen und gab die knappe Führung bis zur zwölften Spielminute nicht mehr ab – auch dank eines hervorragenden Torhüters Marco Banning. Dann war Schluss mit lustig. Der ATV spielte mit Feuer und Leidenschaft seine ganze Klasse aus. Die Abwehr um Jonas Mumme stand kompakt und hatte in Ben Köß einen Schlussmann, der den Gastgebern den einen oder anderen Ball abkaufte.

Die Angriffe wurden dank der herausragenden Regie von Julian Mumme durchdacht vorgetragen und erfolgreich abgeschlossen. Ein 4:0-Lauf der Gäste machte aus einem 4:5-Rückstand schnell eine 8:5-Führung, die bis zur 26. Minuten auf 16:9 ausgebaut wurde. Dinslakens Trainer Harald Jakobs legte die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch, um mit einer Auszeit den Spielfluss des Gegners zu unterbrechen. Allzu viel Wirkung zeigte diese taktische Maßnahme nicht – mit fünf Toren Vorsprung für das Wallrath-Team ging es in die Pause.

  • Julian Mumme (beim Wurf) präsentierte sich
    Handball : Vorsicht, Stolpergefahr: ATV reist zum bärenstarken Neuling
  • Handball : TV Aldekerk punktet gegen Tabellenführer
  • Handball : ATV-Männer verlieren das Finale

„Wir sind ganz einfach mit der zweiten Welle der Aldekerker nicht klargekommen“, kommentierte Jakobs später diese Phase des Spiels. Nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern ein unverändertes Bild: Auf beiden Seiten fielen die Tore Schlag auf Schlag, ohne dass die Gastgeber den Abstand nennenswert verkürzen konnten. Mitte der zweiten Halbzeit entschieden die Schiedsrichter Cefdet und Kenan Kamper vom TuS Wickrath auf zwei Minuten Zeitstrafe für Thomas Jentjens, die die Dinslakener prompt mit zwei Toren zum 18:21 bestraften.

Deutliche Herzrhythmusstörungen im Spiel der Aldekerker machten sich bemerkbar: Es folgten zwei weitere Tore durch Steffen Hahn und Dennis Backhaus – nur noch 20:21. ATV–Schlussmann Ben Köß hielt die kränkelnde Mannschaft durch großartige Paraden zum richtigen Zeitpunkt am Leben. Die Halle stand mittlerweile Kopf. Weit über 200 Zuschauer peitschten mit einem ohrenbetäubenden „Dins–la–ken“ ihre Mannschaft nach vorne.

Zu allem Überfluss verhängten die Unparteiischen auch noch eine Zweiminutenstrafe gegen Benedikt Liedkte – Schnappatmung setzte bei einigen Aldekerkern Zuschauern ein. Sollte der zur Halbzeit sicher geglaubte Sieg noch verspielt werden? Ein erfahrener und besonnener Trainer macht das, was er in einer solch kritischen Phase machen muss: Nils Wallrath zückte die grüne Karte – Auszeit TV Aldekerk. Er muss die passenden Worte gefunden habe: Die Mumme-Brüder vergrößerten mit zwei immens wichtigen Treffern die Führung auf 23:20. Zehn Minuten waren jetzt noch auf der Uhr.

Um es kurz zu machen: Es blieb bis zum Ende eine heiße Angelegenheit, den Schlusspunkt in einer äußerst kurzweiligen Partie setzte sehr zur Freude von Mutter Mumme, die auf der Tribüne mitfieberte, ihr Sohn Julian unmittelbar vor der Schlusssirene zum erlösenden 28:26–Endstand für den TV Aldekerk.

Ein Erklärung für die Schwächephase in der zweiten Hälfte hatte Rückraum-Fackel Jentjens anschließend auf Lager: „Das ist im Handball so. Man kann nicht 60 Minuten nur super top spielen.“ Glücklich und erleichtert zeigte sich Nils Wallrath nach dem Spiel. Aus den Spielen gegen Aachen, Königshof und Dinslaken wollte er ursprünglich sechs Punkte holen. Am Ende sind es deren fünf geworden – auch mit dieser Ausbeute ist der ATV-Coach vollauf zufrieden. „In der ersten Halbzeit haben wir es doch richtig gut gemacht. Jetzt müssen wir noch lernen, die Wechsel von einem schnellen Spielrhythmus auf einen langsamen besser umzusetzen.“

Durch den zweiten Sieg in Folge kletterte der TV Aldekerk auf Platz sechs der Tabellen und erwartet am nächsten Samstag die HSG Siebengebirge. Den Schnaps für den „Mitarbeiter des Tages“ hatte sich nach Ansicht der Mannschaft ihr Tormann Ben Köß verdient.

TV Aldekerk: Köß, Schoemackers – Jonas Mumme (6/1), Julian Mumme (6), Plhak (6/1), Jentjens (5), Kleinelützum (1), Greven (1), Liedtke (1), Rampyapedi (1), Weisz (1), Tobae, Tebyl.