1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern
  4. Sport Geldern und Kevelaer

TV Aldekerk muss sich langsam nach unten orientieren

Handball : Die folgenschwere Fahrkarten-Phase

Handball-Regionalliga der Männer: SG Langenfeld – TV Aldekerk 31:23 (15:14). Die Grün-Weißen halten lange gut mit, geraten aber am Ende unter die Räder. Zur neuen Saison kehrt Tim Gentges vom Zweitligisten HSG Krefeld zurück.

Insgeheim hatte man im Aldekerker Lager darauf gehofft, die Erfolgsserie der SG Langenfeld beenden zu können. Aber dieser Plan ging im Nachholspiel am Dienstagabend gründlich daneben. Während sich der Drittliga-Absteiger mit dem fünften Sieg im neuen Jahr auf den vierten Platz verbesserte, läuft der TV Aldekerk seiner Form weiterhin hinterher. Im fünften Anlauf nach der Winterpause gab’s Niederlage Nummer vier – eine Abwärtstendenz, die sich nicht schönreden lässt.

ATV-Trainer Nils Wallrath präsentierte sich nach der 23:31-Niederlage gewohnt beherrscht und versuchte sich an einem ersten Fazit: „Natürlich bin ich bedient, aber deshalb lasse ich mich nicht zu emotionalen Äußerungen hinreißen. Ich werde eine Nacht darüber schlafen müssen, um diese Partie genauer analysieren zu können. Aber ich kann immerhin so viel sagen, dass wir 40 Minuten ein gleichwertiger Gegner waren. Zum Schluss hat sich meine Mannschaft aufgegeben. Anders lässt sich solch ein Einbruch nicht erklären.“

Tatsächlich sahen die Zuschauer bis zur 44. Spielminute und einer knappen 22:20-Führung für die Hausherren ein Spiel zweier Mannschaften, die sich mit einer ähnlich temporeichen Spielweise auf Augenhöhe begegneten. Aus völlig unerklärlichen Gründen lief danach aber bei den Gästen so gut wie nichts mehr zusammen. Sie schossen eine Fahrkarte nach der anderen und blieben sage und schreibe zehn Minuten lang ohne Torerfolg. Diese Phase nutzte der Gegner mit einem 4:0-Lauf humorlos aus und sorgte für die Vorentscheidung. Die Partie war gelaufen, die Gier der Langenfelder nach Toren jedoch noch nicht gestillt. Konsequent zogen sie ihr Spiel bis zur Schlusssirene durch und gewannen am Ende deutlich mit acht Toren Vorsprung.

Bereits Mitte der ersten Halbzeit hatte sich der ATV einen kräftigen Durchhänger geleistet und war mit fünf Toren ins Hintertreffen geraten. Wachgeküsst von zwei tollen Paraden von Torhüter Joscha Schoemackers kämpften sich die Grün-Weißen bis zum Pausenstand von 15:14 wieder heran. „Bis zur Pause war ich zufrieden. Da habe ich den Jungs auch in der Kabine gesagt, dass wir absolut im Soll liegen“, meinte Wallrath. „Aber was will man machen. Wenn man in einer Halbzeit nur neun Tore wirft, kann man kein Spiel gewinnen. Außerdem hatte unser Gegner mal wieder einen überragenden Torhüter. “ Recht hat er. Und einen gut zwanzigminütigen Aussetzer verzeiht keine Mannschaft in der Regionalliga. Der Mann zwischen den Pfosten der SGL heißt übrigens Jascha Schmidt.

Strahlend und zufrieden befand SGL-Trainer Markus Becker, dass die konsequentere und energischere Vorgehensweise an diesem Abend den Unterschied ausgemacht habe und der Sieg seiner Mannschaft verdient sei. Seinen Humor hatte Wallrath trotz der Enttäuschung nicht verloren und scherzte darüber, dass er Gott sei Dank einen Tag vor der Begegnung seine Unterschrift für ein weiteres Jahr beim Turnverein unter den Vertrag gesetzt hatte.

Wobei das Thema Kaderplanung ein gutes Stichwort ist. Im Hinblick auf die kommende Saison erledigt ATV-Teammanager Christian Welzel zurzeit seine Hausaufgaben. Nach der Winterverpflichtung von Torwart Paul Keutmann, der vom Zweitligisten HSG Krefeld zum Turnverein wechselte, verkündete der Verein am Dienstag offiziell einen weiteren Zugang für die neue Spielzeit. Dabei handelt es sich um einen echten Kracher. Tim Gentges heißt der Mann und ist rund um die Vogteihalle kein Unbekannter. Der ATV ist sein Heimatverein. Er hat für die Grün-Weißen unter anderem in der Dritten Liga gespielt. Sein Vater Jürgen Gentges ist als Hallenwart im Einsatz. Gentges kommt ebenfalls von der HSG Krefeld und bekleidet dort die Position des Spielmachers. Bei Nils Wallrath, der mit dem 32-jährigen Rechtshänder in der Vergangenheit einige Schlachten für den ATV geschlagen hat, ist die Vorfreude groß: „Endlich ein echter Spielmacher, den unsere zum Teil noch sehr junge Mannschaft dringend nötig hat. Tim wird das spielerische Niveau unserer Mannschaft deutlich erhöhen.“

Jetzt muss der Tabellenneunte nur noch ein paar Spiele gewinnen, um auch in der nächsten Saison in der Regionalliga mitmischen zu dürfen – der Vorsprung auf Platz zwölf, der eventuell den Abstieg bedeutet, beträgt gerade einmal vier Punkte. Am Samstag gibt Tabellenführer TuS Opladen seine Visitenkarte in der Vogteihalle ab – ein Spiel also, in dem der ATV nichts zu verlieren hat.