Dritte Handball-Liga Das ganze Dorf feiert den Verlierer

Krefeld/Kerken · Der TV Aldekerk hat vor einer Rekordkulisse von knapp 7500 Zuschauern mit 21:31 bei der HSG Krefeld das Nachsehen. Macht nichts. 3000 mitgereiste Fans sorgen noch lange nach dem Abpfiff für Partystimmung.

Die eigentlichen Gewinner: Die Fans des TV Aldekerk sorgten noch lange nach dem Schlusspfiff für ausgelassene Stimmung in der Yayla-Arena.

Die eigentlichen Gewinner: Die Fans des TV Aldekerk sorgten noch lange nach dem Schlusspfiff für ausgelassene Stimmung in der Yayla-Arena.

Foto: Heinz Spütz

Die Überraschung im Niederrhein-Derby der Dritten Handball-Liga zwischen der HSG Krefeld und dem TV Aldekerk blieb aus, die 21:31 (11:14)-Niederlage fiel deutlicher aus als geplant. Der ATV bleibt in akuter Abstiegsgefahr. Und doch war es ein großartiger Abend für die Truppe von Tim Gentges, der das Spiel kurz und knapp zusammenfasste. „Die Sieg der Krefelder geht in Ordnung, vielleicht etwas zu hoch. Aber egal, denn was unsere Fans heute hier abgezogen haben, ist einmalig und entschädigt für einiges.“

Abpfiff vor exakt 7.468 Zuschauern in der Yayla-Arena. Beide Mannschaften verabschiedeten sich, die ATV-Männer marschierten Richtung Südkurve, um sich bei rund 3000 grün-weißen Fans für den Support zu bedanken – und nach einer knappen Viertelstunde standen sie immer noch da. „Steht auf für den ATV“ oder „A-T-V – Aldekerker Turnverein“ skandierten sie, während die ersten Krefelder Spieler schon unter der Dusche standen und die anderen Zuschauer bereits die Halle verlassen hatten. Sowas nennt man Familiengefühl und Partystimmung.

 Maxi Tobae in Aktion – der Kreisläufer hatte in der vergangenen Saison beim Derby in Krefeld noch inmitten der Fans mitgefiebert.

Maxi Tobae in Aktion – der Kreisläufer hatte in der vergangenen Saison beim Derby in Krefeld noch inmitten der Fans mitgefiebert.

Foto: Heinz Spütz

Zum Geschehen auf dem Parkett: Das Duell wurde zum Unmut der Spieler eine Viertelstunde später angepfiffen, weil Stimmungssänger und Trompeter Bruce Kapusta erst verspätet auftreten konnte und noch einige Begrüßungsreden gehalten werden mussten. Das Aldekerker Trainerteam hatte sich für die taktische Risikovariante mit einem zusätzlichen Feldspieler und dem leeren Tor entschieden, um im Angriff vermehrt über den Kreisläufer oder die Außenspieler zum Erfolg zu kommen. Dieser Matchplan ging zunächst auf – den besseren Start erwischten die Gäste und lagen nach dem zweiten Treffer von Linksaußen Sjuul Rutten mit 5:3 vorn (11.).

Doch dann lief der Motor des Tabellenzweiten aus Krefeld auf Hochtouren. Mit einem 5:0-Lauf und drei Treffern ins leere Tor setzte sich der haushohe Favorit innerhalb von vier Minuten auf 9:5 ab (17.). Auszeit für den ATV, die Taktik wurde umgestellt, ab sofort blieb der Torwart im Spiel. Maxi Tobae glich zum 9:9 aus (20.), die Gentges-Truppe war wieder dran. Mit einem 11:14-Rückstand wurden die Seiten gewechselt.

Zu Beginn der zweiten Hälfte veränderte sich an der Tordifferenz zunächst kaum etwas. Doch das Schiedsrichtergespann verhängte einige umstrittene Zeitstrafen und Strafwürfe gegen die Gäste. „Im ersten Durchgang haben sie sehr gut gepfiffen, dann haben sie scheinbar ihren Faden verloren“, kommentierte Gentges. Nach 45 Minuten und sechs Treffern in Folge hatten sich die Krefelder einen Zehn-Tore-Vorsprung (25:15) erspielt. Das Spiel war gelaufen, für den ATV galt die Prämisse, nicht völlig unter die Räder zu kommen. Die personell arg gebeutelte Mannschaft ging sichtlich auf dem Zahnfleisch, ein letztes Aufbäumen fiel schwer – am Ende wurde es ein auch in dieser Höhe verdienter 31:21-Sieg der HSG Krefeld. „Gewinner des Spiels sind unsere Fans, unsere Zuschauer – das ganze Dorf. Wir machen jetzt zwei Tage Pause. Dann wird der Fokus auf die nächste Partie gegen die Bergischen Panther gelegt“, meinte Gentges.

Das Derby hielt noch ein Debüt und ein Comeback parat. Der 18-jährige Rückraumspieler Joris Lehmann kam nach nur einer Trainingseinheit zum Einsatz und trug sich prompt in die Torschützenliste ein. An seinem 36. Geburtstag feierte der reaktivierte Abwehrchef Marcel Görden nach 40 Minuten seine Rückkehr im grün-weißen Trikot. „Marcel ist immer eine Verstärkung, egal, ob er auf der Platte steht oder auf der Bank wichtige Tipps gibt“, sagte Spielführer Jonas Mumme. Und der Einsatz von „Gördi“ war alles andere als ein Karnevalsscherz. „Gördi trainiert schon die ganze Saison bei uns mit. Wir planen, dass er uns zumindest bei den Heimspielen unterstützt“, so Gentges.

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