Handball : TV Aldekerk glänzt vor Minuskulisse

Handball-Regionalliga der Männer: TV Aldekerk verbessert sich mit einem auch in der Höhe verdienten 37:26 (16:8)-Erfolg auf den sechsten Platz. Trotz der starken Leistung kommt in der Vogteihalle keine Stimmung auf.

Der TV Aldekerk gewann sein zweiten Spiel in Folge. Nach dem Erfolg gegen Spitzenreiter TuS Opladen gelang den Grün-Weißen gegen den Tabellennachbarn TSV Bonn rrh. ein deutlicher und auch in der Höhe verdienter Sieg mit elf Toren Unterschied. Damit haben die Grün-Weißen jetzt wieder ein positives Punktekonto von 19:17 und verbesserten sich auf Rang sechs.

Und doch war an diesem Samstagabend irgendwie alles anders. Es herrschte eine sehr merkwürdige Stimmung in der Vogteilhalle, so gut wie gar keine. Die Halle war allenfalls zu einem Drittel gefüllt – die Angst vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus hinterlässt offenbar auch in Kerken ihre Spuren. Der TV Aldekerk ließ sich davon jedenfalls nicht beeindrucken und startete furios. Bereits nach 13 Minuten lag die Mannschaft deutlich mit 6:1 vorn und ließ den Gästen keine Chance. Niemand muckte sich in der Halle, vermutlich freuten sich die Fans höflich und diskret nach innen. Das sollte auch bis zum Spielende so bleiben. Ständige Aufforderungen des Hallensprechers, für etwas Stimmung zu sorgen, stießen auf taube Ohren.

Bis zur Halbzeit hatte der Turnverein seine Führung auf nahezu uneinholbare 16:8-Tore ausgebaut. Nur acht Gegentreffer in der ersten Halbzeit – eine Rarität und fast schon einen Eintrag in die Vereinschronik wert. Dazu muss gesagt werden, dass die Bonner im Abschluss erschreckend schwach waren und einige Bälle neben oder gegen das Gehäuse warfen oder am wiederum gut aufgelegten ATV-Keeper Paul Keutmann scheiterten. „Der unheimliche Paul“ entwickelte sich aus dem eigenen Wurfkreis heraus zudem als zentimetergenauer Passgeber. Im zweiten Durchgang räumte er das Feld und gab Nachwuchs-Keeper Joscha Schoemackers 30 Minuten Gelegenheit, sich zu empfehlen.

Der Bonner Coach Benjamin Maus meinte später, dass seine Mannschaft in den ersten 15 Minuten gut mitgehalten habe, dann zu viele Chancen vergeben und schlussendlich verdient verloren habe. Ob er das gleiche Spiel gesehen hatte? Denn nach 13 Minuten war die Entscheidung quasi schon gefallen.

Fakt ist, dass die Bonner Ersatzbank einen verwaisten Eindruck machte und die Mannschaft insgesamt keinen guten Tag erwischt hatte, wie beispielsweise noch eine Woche zuvor beim Remis gegen den TV Korschenbroich. Thomas Plhak, der mit insgesamt 14 Treffern zum „Mitarbeiter des Abends“ erkoren wurde, brachte es sachlich auf den Punkt: „Sicher haben die Bonner heute nicht gut gespielt. Aber dafür haben sie auch ihre Quittung bekommen und mit elf Toren Differenz ordentlich verloren.“

ATV-Trainer Nils Wallrath sah es ähnlich wie sein sicherer Strafwurfschütze, der bei sieben Versuchen von der kleinen roten Linie erneut eine hundertprozentige Trefferquote vorweisen konnte: „Die Bonner waren schwach besetzt. Es ist lobenswert, dass sie nicht unter einem fadenscheinigen Vorwand die Partie haben platzen lassen. Auf der anderen Seite habe ich bereits im Vorfeld erklärt, dass die Bonner 60 Minuten lang immer gleich spielen. Gegen Korschenbroich war es 60 Minuten gleich gut, gegen uns 60 Minuten gleich schlecht. Dass wir im zweiten Abschnitt 18 Gegentore kassiert haben, war völlig unnötig. Das wurmt mich, das war von unserer Seite nicht abgezockt genug.“

Den ersten Treffer im zweiten Durchgang erzielten die Gäste, den die Hausherren mit einem sauberen 4:0-Lauf zur deutlichen 19:10-Führung konterten. Der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr. Wallrath nutzte die Gelegenheit für Experimente und spielte Positions-Roulette: So agierte plötzlich Linksaußen Robin Appelhans als Spielmacher. Rechtsaußen Plhak rückte auf die halbrechte Stelle. Die Bonner sehnten schließlich nur noch den Schlusspfiff herbei. Dieser ertönte, als Daniel Roloff für die Rechtsrheinischen den letzten Treffer zum 37:26-Endstand erzielte.