Vereine und Verbände : Turnverein Issum ist fit für die Zukunft

Die Mitglieder des Traditionsclubs haben einem neuen Vorstand um den Vorsitzenden Rainer Pütz ihr Vertrauen geschenkt. Das neue Team möchte die Vielfalt der Blau-Weißen noch stärker in den Vordergrund rücken.

In der heutigen Zeit sind die meisten Sportvereine froh, überhaupt ein Vorstandsteam zu haben, das bereit ist, die Verantwortung für die Geschicke eines Clubs zu übernehmen. Entsprechend bemerkenswert ist die Situation in Issum: Die Mitglieder des dortigen Turnvereins waren jetzt bei der Jahreshauptversammlung in der glücklichen Lage, zwischen zwei Teams zu entscheiden. Letztendlich wurde bis auf eine Ausnahme der bisherige Vereinsvorstand ausgetauscht.

„Aus mir selbst heraus wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, für dieses Amt anzutreten“, erklärt der in geheimer Abstimmung neu gewählte Vorsitzende Rainer Pütz. „Aber ich wurde aus Mitgliederkreisen angesprochen, ob ich mich zur Verfügung stellen würde. Diese Kandidatur habe ich zumindest an ein kleines Kernteam geknüpft, das mit mir zusammen antritt.“ Dieses Team bestand aus Handballspieler André Schmetter und Thomas Bierschenk, bisher wie Pütz beim TV Issum noch gar nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Der Rest des neuen Vorstands fand sich eher spontan während der Versammlung, einzig Schriftführerin Ute Esser wurde wiedergewählt. Und das, obwohl es keine generelle Unzufriedenheit mit dem bisherigen Führungsteam des Vereins gab.

„Aber offensichtlich waren es viele Kleinigkeiten, die bei einigen Mitgliedern für Unbehagen gesorgt und zum Wunsch nach Veränderung geführt haben“, sagt Bierschenk, der sich als zweiter Vorsitzender auch die Außendarstellung des Gesamtvereins auf die Fahne geschrieben hat. Unter anderem habe es teilweise an der Kommunikation in die Abteilungen hinein und auch auf der zwischenmenschlichen Ebene Kritik gegeben.

„Der alte Vorstand hat auch eine gute Arbeit geleistet, diese war aber dort vermutlich auf zu wenige Schultern verteilt.“ Genau das will das neue Team anders machen, hat sich einen Geschäftsverteilungsplan gegeben und über die Abteilungsvorstände hinaus feste Ansprechpartner innerhalb des Hauptvorstands zugeordnet. „Wir werden in den nächsten Wochen von uns aus auf die einzelnen Abteilungen zugehen und dort den Bedarf konkret abfragen. Wo miteinander gesprochen wird, können auch Lösungen gefunden werden“, sagt Rainer Pütz.

Gerüchten, die Handballabteilung habe jetzt den Gesamtverein „gekapert“, entgegnen insbesondere Pütz und Bierschenk mit ihrer eigenen Vita. „Dass ich nicht Handball spiele, sieht man mir deutlich an“, grinst Pütz. „Wir sind ein vielfältiger Mehrspartenverein, darauf sind wir stolz und das soll auch so bleiben. Wir wollen alle Abteilungen zu ihrem Rech kommen lassen.“ Beide sehen einen Vorteil darin, dass sie ohne vorherige „Vereinsmeierei“ recht unbefangen an ihre neue Aufgabe herangehen und die Erfahrung aus ihren beruflichen Kontexten – Pütz führt ein eigenes Ingenieurbüro für Bauleistungen; Bierschenk arbeitet im Forschungszentrum Jülich – einbringen können.

Einer der ersten Schritte in die Zukunft des Traditionsvereins ist die Einrichtung von Arbeitsgruppen, in denen jedes interessierte Mitglied mitwirken darf. Diese beraten sich zu Themen wie Kommunikation, Organisation, Mitgliederentwicklung oder Finanzen. „Ein modern ausgerichteter Sportverein muss sich auf die aktuellen Gegebenheiten in der Gesellschaft einstellen und seine Konzepte innovativ überdenken. Dem wollen wir so gut es geht in demokratischer Art und Weise gerecht werden.“ Außerdem betrachtet sich der Vorstand als eine Art Berater für die jeweiligen Abteilungen. Beispielsweise kam eine Sportart bereits für neue Trikots auf „die Neuen“ zu. „Hier können wir natürlich nicht mit der Gießkanne Geld verteilen, aber wir haben in einem konstruktiven Gespräch Tipps gegeben, wie sich diese über die Suche nach Sponsoren möglicherweise finanzieren lassen.“

Insgesamt hat sich das Vorstandsteam um Rainer Pütz und Thomas Bierschenk schon gut in seine Aufgaben hineingearbeitet, aber 100 Tage Schonfrist erbittet es sich dennoch von seinen Mitgliedern. „Nach dieser Einarbeitungszeit sollten wir unsere Pläne konkretisiert und die notwendigen Strukturen aufgebaut haben“, versichert Pütz, der den Traditionsverein fit für die Zukunft machen möchte.

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