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Toshiaki Miyamoto setzt Japan-Tradition beim SV Straelen fort

Fußball-Regionalliga : SV Straelen setzt auf Qualität aus Japan

Der SV Straelen hat mit Spielern aus Ostasien in den vergangenen Jahren hervorragende Erfahrungen gemacht. Linksverteidiger Toshiaki Miyamoto setzt die Reihe fort und gehört zu den Leistungsträgern.

Bei der Suche nach Verstärkungen hat der SV Straelen in den letzten Jahren immer gute Erfahrungen mit Spielern aus dem Land der aufgehenden Sonne gemacht. Bei Hermann Tecklenburg stehen japanische Fußballspieler wegen ihrer Eigenschaften wie Respekt, Disziplin und Zielstrebigkeit ganz hoch im Kurs. Torjäger Shun Terada, Mini-Dribbler Meguru Odagaki oder der inzwischen zu Mainz 05 gewechselte Kaito Mizuta haben an der Römerstraße einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und sind die besten Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.

Aktuell sorgt der gerade einmal 171 Zentimeter große Toshiaki Miyamoto für Aufsehen. Nicht nur wegen seiner Haarpracht in leuchtendem Orange. Auf der linken Abwehrseite bereitet er dem Verein mit seiner ausgefeilten Technik und enormer Dynamik viel Freude.

Der 22-Jährige ist mit fünf Geschwistern in Chiba aufgewachsen, einer Millionenstadt am Rande von Tokio. Seine Eltern betreiben dort ein chinesisches Restaurant. In seiner Jugend wurde Miyamoto in der Akademie des japanischen Erstligisten Kashiwa Reysol ausgebildet, 30 Kilometer nördlich von Chiba. Er gehörte zwei Jahre zum Senioren-Kader und wurde anschließend für ein Jahr an Montedio Yamagota in die Zweite Liga ausgeliehen.

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Nach der Saison stand er ohne Vertrag da. Ein Agent vermittelte ihn nach Deutschland, wo ihn der SV Straelen verpflichtete. „Natürlich haben sich meine Eltern Sorgen gemacht, aber sie haben mir auch viel Glück gewünscht“, sagt der Japaner, der keinen blassen Schimmer hatte, was ihn in einer für ihn vollkommen neuen Welt und ohne jegliche Sprachkenntnisse erwarten würde.

Einen Kulturschock hat er bei seiner Ankunft in Deutschland nicht erlitten. Aber er war mehr als verwundert, dass anders als in seiner Heimat die meisten Deutschen am Wochenende nicht zur Arbeit gehen und sonntags die Geschäfte geschlossen sind. „Mittlerweile habe ich mich eingelebt und fühle mich sehr wohl im Verein“, sagt er und betont, dass er so lange wie möglich hier Fußball spielen möchte.„Natürlich würde ich gerne in einer höheren Liga spielen. Und ich würde auch das Land wechseln. Ich möchte hier in Europa etwas erleben und neue Erfahrungen sammeln.“

Oft denkt er an Japan, an seine Familie, seine Freunde. Der junge Mann vermisst das Flair und die Unterhaltungsmöglichkeiten der Großstadt, die ihm die niederrheinische Provinz nicht ansatzweise bieten kann. Nach längerer Wartezeit traf vor dem fünften Spieltag endlich die Spielberechtigung ein. Sein Debüt beim Auswärtsspiel gegen Fortuna Köln lief ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. Zunächst musste er in der zweiten Halbzeit verletzt ausgewechselt werden, dann kassierte seine Elf in der Nachspielzeit das 0:1. „Nein, nervös war ich vor dem Spiel nicht“, sagt der Linksfuß. „Ich habe die ganze Vorbereitung mitgemacht und gemerkt, dass ich mithalten kann. Außerdem habe ich gespürt, dass die Trainer darauf gewartet haben, dass ich endlich eingesetzt werden konnte.“

„Etwas Negatives kann ich eigentlich gar nicht über ihn sagen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der eine oder andere Verein ihn schon auf seinem Zettel hat“, meint Straelens Sportlicher Leiter Rudi Zedi, der ihn seit einem halben Jahr beobachtet. „Wenn ich wirklich was bemängeln soll, dann, dass er oftmals gebremst werden muss, weil er einfach zu viel auf dem Platz machen will.“ „Das stimmt“, kontert Toshi, „weil ich es hasse, zu verlieren.“

Vor dem ersten Spiel der Rückrunde bei Rot-Weiß Ahlen gibt sich der quirlige Japaner trotz der 0:3-Schlappe am vergangenen Samstag beim SV Rödinghausen sehr zuversichtlich: „Diesmal müssen wir ganz einfach von Beginn an hellwach und kampfbereit sein.“ Und wenn es mit dem Sieg geklappt hat, wird er sich in seiner Wohnung in Straelen ein leckeres „german beer“ gönnen.