Fußball-Regionalliga Die tolle Aufholjagd des Tabellenletzten

Straelen · Fast 70 Minuten lang nehmen die Dinge den erwarteten Lauf. Schlusslicht SV Straelen gerät beim Tabellenführer Preußen Münster mit 0:5 in Rückstand. Doch der Absteiger zeigt Moral und verliert am Ende nur 4:5.

Philipp Dünnwald (gelbes Trikot), der hier von Thomas Kok gefoult wird, hatte beim Eigentor von Gerrit Wegkamp seinen Fuß im Spiel.

Philipp Dünnwald (gelbes Trikot), der hier von Thomas Kok gefoult wird, hatte beim Eigentor von Gerrit Wegkamp seinen Fuß im Spiel.

Foto: Heinz Spütz

Emotionale Szenen nach dem Schlusspfiff im Münsteraner Preußenstadion. Hermann Tecklenburg, Präsident des Fußball-Regionalligisten SV Straelen, winkt vom unteren Zuschauerrang die Mannschaft zu sich. Sichtlich gerührt und ebenso aufrichtig bedankt er sich beim gesamten Team für die gezeigte Leistung.

Was war geschehen? Zunächst hatten die Dinge den erwarteten Lauf genommen. Der abgeschlagene Tabellenletzte vom Niederrhein lag zur Halbzeit deutlich mit 0:3 gegen Tabellenführer Preußen Münster zurück. Nach 55 Minuten hatten die Preußen auf 5:0 erhöht. Ein Debakel bahnte sich an. Doch anstatt aufzustecken, zeigte die Truppe von Interimstrainer Kevin Wolze Moral und Courage. Die Grün-Gelben erzielten plötzlich einen Treffer nach dem anderen und schnupperten an der Sensation – am Ende einer tollen Aufholjagd hatte der designierte Absteiger beim künftigen Drittligisten gerade einmal mit 4:5 das Nachsehen.

Zwar stand die Wolze-Elf mit leeren Händen da. Doch die Partie hat deutlich gemacht, dass die Mannschaft noch lebt und gewillt ist, sich mit ordentlichen Leistungen aus der Regionalliga zu verabschieden.„Nach der 5:0-Führung hat meine Mannschaft im Kopf einen Gang zurück geschaltet und zu sorglos agiert“, sagte SCP-Trainer Sascha Hildmann auf der Pressekonferenz. „Dann hat man gesehen, was passiert, wenn man nicht am Limit spielt.“

Ein bedingt zufriedener Kevin Wolze fasste das Spiel ebenfalls zusammen: „Ab der 60. Minute war ich sehr zufrieden. Da haben wir gezeigt, was man erreichen kann, wenn man mit Mut spielt. Vorher haben wir die Preußen zum Toreschießen eingeladen. Hinten heraus muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie sich nicht hat abschlachten lassen.“

Zum Geschehen auf dem aufgeweichten Rasenplatz: Das Spiel begann ganz nach dem Geschmack der exakt 6.677 Zuschauer. Die Gastgeber gaben von Beginn an die Richtung vor und jubelten in der achten Minute etwas zu früh, als Straelens Keeper Julius Paris einen Schuss von Henok Teklab noch mit den Fingerspitzen über den Querbalken lenken konnte. Nach elf Minuten legte der Ex-Straelener Yassine Bouchama im gegnerischen Strafraum den Ball an Marcel Heller vorbei und fiel dabei über dessen Bein. Schiedsrichter Fasihullah Habibi entschied auf Strafstoß, den Andrew Wooten sicher verwandelte.

Gerade einmal zwei Minuten nach dem Führungstreffer erlaubte sich Straelens Innenverteidiger Manasse Fionouke einen folgenschweren Ballverlust am eigenen Strafraum. Wooten bedankte sich, legte für Nicolai Remberg auf, der das 2:0 markierte. Nach 34 Minuten erhöhte Dennis Grote mit einem Distanzschuss auf 3:0. Das Chancenplus lag eindeutig bei den Gastgebern – die klare Führung zur Pause ging in Ordnung.

Der Sekundenzeiger hatte nach dem Anstoß zur zweiten Halbzeit noch keine volle Runde gedreht, da jubelten die Preußen-Fans nach einem Kopfball von Gerrit Wegkamp zum vierten Mal. Als der gleiche Schütze sein 15. Saisontor (55.) erzielte, war im weiten Rund Party angesagt. „Einer geht noch, einer geht noch rein“, stimmte der Stadion-Chor an.

Die Gäste ergaben sich nicht in ihr Schicksal und erspielten sich fortan eine leichte Überlegenheit. Eckstoß Ken Mata von rechts auf den kurzen Pfosten (69.) – plötzlich war der Ball hinter der Linie. Das Tor wurde Preußens Torjäger Gerrit Wegkamp zugeordnet, eventuell hatte auch noch SVS-Mittelstürmer Kenan Dünnwald seine Schuhsohle am Ball. Der ausgelassenen Stimmung im Stadion tat das Gegentor keinen Abbruch.

Flanke von der rechten Seite (73.) durch den eingewechselten Takumi Yanagisawa auf den blond gefärbten Lockenkopf von Ken Mata – nur noch 5:2. Und als Mata das 5:3 (85.) erzielte, schlug die Jubelstimmung in ein Pfeifkonzert um. Lediglich zwei Minuten Nachspielzeit zeigte der Unparteiische an. Ein Flatterball von Niek Munsters schlug zum 5:4 im Preußen-Gehäuse ein. Zu spät, danach pfiff Habibi ab und erlöste den Tabellenführer.

„In der zweiten Halbzeit habe ich in unseren Reihen acht Spieler gesehen, die ich künftig auch in der Oberliga bei uns spielen sehen möchte“, so Tecklenburg nach einem aufregenden Fußball-Nachmittag im münsterländischen Dauernieselregen.

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