SV Straelen verliert Duell der Neulinge

Fußball: SV Straelen auf Boden der Tatsachen

Fußball-Regionalliga: Die Grün-Gelben kassieren vor 420 Besuchern im Duell mit Mitaufsteiger TV Herkenrath ihre erste Heimniederlage. Das 0:3 (0:0) fällt am Ende etwas zu hoch aus, kann aber durchaus heilsame Wirkung haben.

Wortlos, mit gesenkten Köpfen und hängenden Schultern suchten die Spieler des SV Straelen den Weg in die Kabine. Schiedsrichter Lukas Sauer hatte soeben die Begegnung abgepfiffen. Der TV Herkenrath verließ derweil als Sieger den Rasenplatz an der Römerstraße – mit einem 3:0 (0:0) beendeten die Gäste den Höhenflug der Grün-Gelben. Willkommen zurück auf dem Boden der Tatsachen, SV Straelen !

Herkenraths Trainer Chris Burhenne sprach nach der Partie von einem verdienten Sieg seiner Mannschaft. Diese Auffassung dürften fast alle der 420 Zuschauer geteilt haben, allenfalls über die Höhe des Resultates lässt sich diskutieren. Einen ersten Rückschlag hatte sein Straelener Kollege Marcus John schon vor dem Anpfiff verkraften müssen. Aram Abdelkarim musste die Aufwärmübungen abbrechen – eine Blessur am Sprunggelenk, die er sich im Training zugezogen hatte, ließ einen Einsatz nicht zu. Für den als Linksaußen vorgesehenen Techniker rückte kurzfristig Drilon Istrefi in die Startelf.

Wenige Sekunden nach dem Anpfiff hatte der Straelener Anhang bereits den Torschrei auf den Lippen. Doch Kapitän Kevin Weggen kam für den Bruchteil einer Sekunde zu spät, um den Ball über die Linie zu drücken. Auch die nächste Großchance gehörte dem Gastgeber. Nach einer Viertelstunde tauchte Shun Terada unbedrängt vor Gästetorwart Andreas Kath auf. Allerdings setzte der Japaner den Ball mit einem Heber genau in dessen Arme – den hätte der fleißige Mittelstürmer machen müssen.

Mit zunehmender Spieldauer häuften sich auf beiden Seiten Nickeligkeiten und ruppige Fouls – ein schönes Spiel bekam das Publikum in Hälfte eins nicht unbedingt geboten. Ein Raunen ging kurz vor dem Seitenwechsel über den Platz, als Straelens neuer Torhüter erstmals sein Können unter Beweis stellte. Martin Kompalla lenkte einen gegnerischen Kopfball mit den Fingerspitzen über den Querbalken.

Beide Trainer verzichteten in der Pause auf personelle Veränderungen. Die Gastgeber kamen sehr engagiert aus der Kabine, rissen das Geschehen an sich und kamen zu ersten zaghaften Torchancen. Ausgerechnet in dieser Phase nutzte Michael Hasemann nach einem Eckball das Durcheinander im Straelener Strafraum zur überraschenden 1:0-Führung für den TV Herkenrath.

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Die Reaktion von Marcus John ließ nicht lange auf sich warten. Er brachte seine beiden Torjäger Randy Grens und Rene Jansen – eine Maßnahme, die sich zuletzt beim 2:1-Erfolg in Köln ausgezahlt hatte. Auf dem „Promillehügel“ im Stadion an der Römerstraße war es zu diesem Zeitpunkt schon etwas unruhig geworden. „Das wurde auch langsam Zeit, dass der die bringt“, kommentierte ein Straelener Fan den Doppelwechsel in der 66. Minute.

Doch der nächste Nackenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Nur zwei Minuten später kam der Herkenrather Torjäger Lars Lokotsch nach einem Entlastungsangriff im Strafraum frei zum Schuss – schon stand’s 2:0 für die Gäste. Das Spiel lief jetzt natürlich ganz nach dem Geschmack des TV Herkenrath. Die Mannschaft aus Bergisch Gladbach überließ den Hausherren fast das komplette Mittelfeld und konzentrierte sich darauf, den Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Das gelang mit Unterstützung von Torhüter Andreas Kath, der eine fehlerfreie Vorstellung lieferte.

Der SV Straelen setzte sich zur Wehr – in Sachen Einsatzbereitschaft, Wille und Leidenschaft gab’s nichts zu meckern. Doch die Grün-Gelben traten viel zu plan- und ideenlos auf, um noch einmal eine Aufholjagd starten zu können. „Wir haben am Anfang unsere Chancen nicht genutzt. Später wurde mir irgendwann klar, dass wir in diesem Spiel das Tor nicht mehr treffen“, gab Marcus John zu.

Unter dem Strich stand eine 0:3-Niederlage, weil Suheyel Najar in der Nachspielzeit noch den Schlusspunkt für die Gäste setzte. Die erste Straelener Heimpleite ist kein Beinbruch und kann sogar heilsame Wirkung haben. Wer tatsächlich schon gedacht hatte, der SV Straelen sei auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft, bekam gegen den TV Herkenrath Anschauungsunterricht geliefert.