Fußball : SV Straelen: Die Rebellion der Torjäger

Aufregung beim Fußball-Regionalligisten: Randy Grens und Rene Jansen weigern sich beharrlich, in der Kreisliga A auszuhelfen und sind deshalb in den Streik getreten. Benachbarte Oberligisten sind bereits hellhörig geworden.

Erstmals in der laufenden Saison hängt beim Fußball-Regionalligisten SV Straelen der Haussegen schief. Aber mal so richtig. Der Grund: Ausgerechnet die beiden Torjäger, die großen Anteil daran haben, dass der Neuling in der Vierten Liga mitmischen darf, sind aktuell in den Streik getreten.

 Der Auslöser ist schnell erklärt. Vor dem Heimspiel gegen den Bonner SC hatten weder Randy Grens noch Rene Jansen ihren Trainer Marcus John in den Übungseinheiten so überzeugen können, dass dieser sie für den Kader geschweige denn für die Startelf nominiert hätte. Um Spielpraxis zu sammeln, sollten beide in der A-Liga-Reserve der Grün-Gelben in der Partie beim Bezirksliga-Absteiger SV Sevelen aushelfen. Taten sie aber nicht – die Kreisliga A ist für die gestandenen Spieler im Kader des Regionalliga-Neulings offenbar eine Art Strafversetzung.

Die Verweigerungshaltung hatte Konsequenzen. Beide Spieler sollten eine Geldstrafe in Höhe von 200 Euro zahlen, die inzwischen von den Verantwortlichen um die Hälfte reduziert worden ist. Außerdem sollten Grens und Jansen abgesondert von der Mannschaft Einzeltraining unter Regie von Co-Trainer Friedel Baumann absolvieren, so lange sie auf ihrem Standpunkt beharren. Dazu ist es bislang allein schon deshalb noch nicht gekommen, weil sich die beiden Topstürmer nicht mehr auf der Sportanlage an der Römerstraße blicken lassen.

Straelens Sportlicher Leiter und früherer Trainer Stephan Houben hat für das Verhalten seiner ehemaligen Schützlinge wenig bis überhaupt kein Verständnis. „Für jeden Spieler unseres Regionalliga-Kaders gelten die gleichen Regeln. Wer am Samstag nicht zur ersten Mannschaft gehört, muss bei Bedarf am Sonntag in der Kreisliga A spielen. Das ist ein klarer Vorstandsbeschluss, der übrigens auch schon galt, als ich hier als Trainer in der Landesliga begonnen habe“, erklärt Houben. Die Tür für die beiden Torjäger ist an der Römerstraße keineswegs zu. Zum einen stehen beim SV Straelen keine Betonköpfe in der sportlichen Verantwortung. Zum anderen sind die sportlichen Verdienste der „Rebellen“ unbestritten. Allein in der abgelaufenen Oberliga-Saison trugen Randy Grens (16 Tore in 25 Spielen) und Rene Jansen (21 Tore in 34 Spielen) insgesamt 37 Treffer zum Titelgewinn bei. In der Landesliga-Saison 2016/17 hatte Grens mit geradezu sensationellen 28 Toren und 19 Vorlagen den Straelener Höhenflug in die Wege geleitet. Stephan Houben nennt den offiziellen Lösungsvorschlag: „Wenn beide am Donnerstag zum Training kommen, sich bei der Mannschaft entschuldigen und 100 Euro zahlen, ist die ganze Angelegenheit schon wieder vergessen. Und falls Marcus John so entscheidet, gehören sie schon am Samstag wieder zum Kader, wenn wir bei Alemannia Aachen antreten.“

Klingt vernünftig. Wie eine Sache, die sich unter Männern regeln lässt. Allerdings spricht auf der anderen Seite einiges dafür, dass das Tischtuch zwischen beiden Parteien schon so zerschnitten ist, dass es sich nicht mehr flicken lässt. Es gehört zum Geschäft, dass andere Vereine bereits Wind vom Streik an der Römerstraße bekommen haben. So soll der benachbarte Oberliga-Neuling Union Nettetal, der momentan nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt ist, starkes Interesse an einer Verpflichtung von Rene Jansen haben. Auch der ehemalige Straelener Trainer Stefan Janßen, der momentan mit dem VfB Homberg mit großen Schritten in Richtung Regionalliga eilt, soll schon ganz zart seine Fühler nach den beiden Männern mit der eingebauten Torgarantie ausgestreckt haben.

Rechtsaußen mit Torriecher: Rene Jansen hat seit seinem Wechsel aus Amern einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Jetzt droht das jähe Ende. Foto: Heinz Spütz

Am längeren Hebel sitzen zunächst einmal die Verantwortlichen des SV Straelen. Denn Randy Grens und Rene Jansen haben Verträge unterzeichnet, die gegebenenfalls auch Einsätze in der Kreisliga A vorsehen. „In der Winterpause beginnt die nächste Transferperiode. Wenn es nicht anders geht, hören wir uns die Angebote anderer Vereine an“, sagt Houben. Dann wird der SV Straelen allerdings wahrscheinlich auch noch einmal selbst aktiv werden müssen. Das Prädikat „Vollblutstümer“ verdient zurzeit nur noch Shun Terada – eindeutig zu wenig für die Regionalliga.