SV Straelen steigt nach 0:3 im Lohrheide-Stadion ab

Fußball : „Abenteuer Regionalliga“ ist Geschichte

Fußball-Regionalliga: Der SV Straelen verliert das Endspiel um den Klassenerhalt bei der SG Wattenscheid 09 verdient mit 0:3 (0:0). Noch ist offen, ob Trainerin Inka Grings die sofortige Rückkehr in Liga vier in Angriff nimmt.

Jetzt ist es also doch passiert. Der SV Strae­len muss sich nach einer turbulenten Saison wieder aus der Fußball-Regionalliga verabschieden. Mit einem 2:0 gegen Meister Viktoria Köln hatte sich der Aufsteiger immerhin noch ein „Endspiel“ um den Klassenerhalt gesichert. Doch dieses förderte am Samstag vor exakt 1717 Besuchern im Wattenscheider Lohrheide-Stadion noch einmal gnadenlos die große Schwäche des SV Straelen ans Tageslicht. Wenn es darauf ankommt, ist die Mannschaft schlicht und einfach nicht in der Lage, ein Spiel an sich zu reißen und einen Gegner unter Druck zu setzen. Deshalb kassierten die Grün-Gelben beim ehemaligen Bundesligisten SG Wattenscheid 09 eine verdiente 0:3 (0:0)-Niederlage. Und aus diesem Grund ist die Mannschaft unter dem Strich auch völlig zu Recht abgestiegen.

Die Ausgangssituation vor dem Anpfiff war klar: Der SV Straelen musste unbedingt gewinnen, um ein weiteres Jahr in Liga vier verbringen zu dürfen. Doch entscheidend ist bekanntlich auf dem Platz. Und auf diesem war von der genannten Konstellation überhaupt nichts zu erkennen. Wer einen Sieg benötigt, aber in der ersten Halbzeit kein einziges Mal aufs gegnerische Tor schießt, hat in der Regionalliga nichts zu suchen. So einfach ist das. Wer etwas anderes behauptet, lügt sich selbst was in die Tasche.

Der Mann des Tages in der Lohrheide hätte schon in den ersten 45 Minuten für klare Verhältnisse sorgen können, hatte aber zunächst noch Ladehemmung. Berkant Canbulut, vom Wattenscheider Stadionsprecher und den heimischen Fans stolz als „unsere Maschine“ gefeiert, demonstrierte eindrucksvoll, wie Regionalliga-Fußball auszusehen hat. In der 25. Minute verfehlte der Spielgestalter und Torjäger in Personalunion mit einer gelungenen Direktabnahme das Ziel noch um wenige Zentimeter. Acht Minuten später tauchte Canbulut frei vor Straelens Keeper David Buchholz auf, setzte den Ball aber knapp am linken Pfosten vorbei. In der 37. Minute gab’s das Privatduell ein weiteres Mal – diesmal tauchte Buchholz rechtzeitig ins Eck ab, um den Schuss zu entschärfen. Chancen auf der anderen Seite: Fehlanzeige. Kurz vor der Pause wurde die kleine Japan-Kolonie auf der Tribüne einmal wach, als sich Straelens einziger Stürmer Shun Terada in Strafraumnähe den Ball zu weit vorlegte – das war’s auch schon.

Kurz nach dem Seitenwechsel war im Lohrheide-Stadion zunächst einmal kollektives Durchatmen angesagt – abgesehen von den knapp 200 Fans natürlich, die den Neuling vom Niederrhein begleitet hatten. In der 52. Minute ließ der sichtlich nervöse Wattenscheider Torhüter Edin Pepic einen harmlosen Kullerball von Aram Abdelkarim durch die Hosenträger gleiten. Doch SG-Verteidiger Freddi Lach verhinderte auf der Linie Schlimmeres. Es wäre allerdings auch geradezu eine Frechheit gewesen, wenn die Straelener „Wir warten auf den einen Glücksschuss“-Taktik in diesem Moment belohnt worden wäre.

Wenig später konnte die Party der Schwarz-Weißen endlich starten. Nach einem Fehler im Straelener Aufbauspiel fackelte Berkant Canbulut nicht lange und traf mit einem platzierten Flachschuss zur hochverdienten 1:0-Führung. Jetzt ging alles ganz schnell. Sechs Minuten später ließ Emre Yesilova mit einem gekonnten Schlenzer Buchholz keine Abwehrchance. Damit war der Deckel drauf, die letzten Zweifel am Ausgang der Partie räumte Cellou Diallo in der 65. Minute mit dem Treffer zum 3:0-Endstand aus dem Weg. Der SV Straelen blieb bis zum Schluss Lichtjahre vom Ehrentreffer entfernt und den Nachweis seiner Regionalliga-Tauglichkeit schuldig. Randnotiz: Am Ende fiel die Mannschaft sogar noch auf Platz 16 zurück, weil Mitabsteiger FC Kaan-Marienborn parallel mit 3:2 beim Bonner SC gewann.

Wie immer präsentierte sich Straelens Trainerin Inka Grings auf der anschließenden Pressekonferenz äußerlich gefasst. „Man hat in der ersten Halbzeit deutlich gesehen, dass beide Mannschaften keine Fehler machen wollten. Das erste Gegentor hat eine Art Domino-Effekt ausgelöst. Wattenscheid hat verdient gewonnen, das Wetter ist schön zum Feiern. Lasst es krachen“, sagte die Fußball-Lehrerin, die in ihrer kurzen Amtszeit den drohenden Abstieg nicht verhindern konnte. Da ging das Ergebnis dem Straelener Co-Trainer-Urgestein Stefan Post schon wesentlich spürbarer an die Nieren: „Das tut verdammt weh. Da werde ich noch ein paar Tage dran zu knabbern haben. Aber dann muss man auch wieder aufstehen können.“ Auch Linksaußen Aram Abdelkarim, der den Straelener Weg ins „Endspiel“ eine Woche zuvor mit dem späten Führungstreffer gegen Viktoria Köln geebnet hatte, zeigte sich enttäuscht: „Der Stachel sitzt tief. Wir waren heute schlecht, hätten aber in meinen Augen nicht absteigen müssen.“

Und wie geht’s jetzt weiter an der Römerstraße ? Der Sportliche Leiter Stephan Houben, der sich mit Präsident Hermann Tecklenburg auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt hat, muss jetzt einen Kader zusammenstellen, der in der kommenden Oberliga-Saison sofort wieder in Richtung Meisterschaft angreifen kann. Spieler wie Außenverteidiger Jannik Stevens, Kapitän Fabio Ribeiro, Mittelfeldmotor Kevin Weggen und Aram Abdelkarim dürften auch weiterhin das Gerüst der Mannschaft bilden.

In den nächsten beiden Wochen wird sich dann auch die Zukunft von Inka Grings entscheiden. Die Trainerin, die erst am 1. April die Nachfolge von Marcus John angetreten hatte, hat nach eigener Aussage bislang noch kein Gespräch mit Hermann Tecklenburg in Sachen Vertragsverlängerung geführt. Die ehrgeizige Fußball-Lehrerin möchte auf absehbare Zeit im Profi-Bereich arbeiten. Daher dürfte die ehemalige Nationalspielerin nur zu halten sein, wenn sie mit einer schlagkräftigen Mannschaft arbeiten kann, die in der Oberliga als Topfavorit an den Start geht.

Mehr von RP ONLINE