SV Straelen schlägt den "großen" TV Aldekerk

Handball : SV Straelen feiert die Pokalsensation

Viertelfinale um den Frauen-Pokal des Handball-Verbandes Niederrhein: Regionalligist wirft den „großen“ Nachbarn TV Aldekerk mit einem 27:23 (13:13)-Heimerfolg aus dem Rennen. Im Halbfinale trifft die Mannschaft auf den TB Wülfrath.

(terh) Der Pokal hat seine eigenen Gesetze! Eine alte Fußballerweisheit, die bei den Kollegen aus dem Handballsport allerdings nur selten zum Tragen kommt. Zu groß sind die Leistungsunterschiede zwischen den Ligen, Überraschungen damit ausgesprochen selten. Doch genau eine solche erlebten die Zuschauer in der prall gefüllten Sporthalle am Straelener Sportzentrum am Sonntagabend, wo es dem heimischen Regionalligisten SV Straelen gelang, dem Drittligisten aus Aldekerk ein Schnippchen zu schlagen.

„Das war eine bärenstarke Leistung der Mädels und am Ende ein verdienter Sieg“, freute sich SVS-Coach Thomas Floeth über den unerwarteten 27:23-Erfolg. Ganz anders sah die Gefühlslage auf der anderen Seite aus. „Wir waren weit von dem entfernt, was wir zu spielen in der Lage sind. Und das lag nicht nur am fehlenden Harz“, zog Aldekerks Co-Trainer Georg van Neerven ernüchtert Bilanz.

Vom Anpfiff an zeigten sich die Grün-Gelben hellwach und gewillt, die Gäste (mindestens) zu ärgern. Und das gelang ihnen ausgezeichnet, auch weil sich der ATV nur selten traute, aus der zweiten Reihe zu werfen. „Da fehlte uns schon beim Einwerfen die Sicherheit. Das hat sich durch die gesamte Partie gezogen“, so van Neerven. Nach elf Minuten lag Grün-Gelb mit 7:5 vorn, wenig später hieß es 9:9, ehe sich Straelen seine erste und einzige kleine Auszeit nahm. „Wir haben uns weiterhin Chancen erspielt, den Ball aber nicht mehr ins Tor gebracht“, umschrieb Floeth elf torlose Minuten seiner Mannschaft.

Die Flaute durchbrach ausgerechnet die aus der Bezirksliga-Reserve hochgezogene Nina Pellens mit zwei blitzsauberen Treffern. Schon waren die Blumenstädter nach einem 9:12-Rückstand wieder im Spiel. Zur Halbzeit hieß es 13:13. Und auch nach Seitenwechsel ließ sich Straelen nicht abschütteln. Trotz der Einwechslung von Aldekerks Abwehrchefin Lisa Beyer fanden die Grün-Gelben immer wieder Mittel und Wege, zum Torerfolg zu gelangen.

Und auch auf der anderen Seite war von einem Klassenunterschied wenig zu sehen. So entwickelte sich bis zum 21:20 ein Kopf-an-Kopf-Rennen (46. Minute), ehe eine weitere „Aushilfe“ auf Seiten des SVS mehr und mehr den kleinen aber feinen Unterschied ausmachte: Torfrau Steffi Pieper. Nach ihrem Abschied aus der ersten Mannschaft vor zwei Jahren stand sie nur noch einmal zwischen den Pfosten – in der Kreisliga. „Es war, als wäre sie nie weg gewesen“, erzählte Thomas Floeth.

Sein Team spielte sich in der Schlussphase in einen mittelschweren Rausch. In der 54. Minute traf Katrin Geelen zum 25:21. Und als Anika Sewing per Strafwurf wenig später noch einen draufsetzte, war die Überraschung in greifbarer Nähe und unter dem Jubel der Straelener Fans schließlich perfekt. „Glückwunsch an den SV Straelen. Unser Gegner hat am Limit gespielt, wir nicht. Der Sieg geht vollkommen in Ordnung“, zeigte sich van Neerven nach dem packenden Pokal-Derby als fairer Verlierer.

Im Halbfinale haben die Grün-Gelben erneut Heimrecht. Gegner ist Regionalliga-Spitzenreiter TB Wülfrath, der sich zuvor bereits mit einem 24:19 beim HC Wermelskirchen für die Runde der letzten Vier qualifiziert hatte. Erneut ist die Mannschaft krasser Außenseiter – in der Meisterschaft hatte sich der SV Straelen vor zwei Wochen gegen den Titelaspiranten sang- und klanglos mit 14:31 geschlagen geben müssen. Im anderen Halbfinale treffen die Bergischen Panther und der Rheydter TV aufeinander.

SV Straelen: Schumann, Pieper – Sewing (9/3), Daguhn (6), Heuvels (4), Geelen (2), Pellens (2), Maes (1), Heckmanns (1), K. Janssen (1), Prior (1), Kohle, Sieben.

TV Aldekerk: Tugce, Leuf – A. Huppers (9/2), Rottwinkel (4/2), van Neerven (3), Gilej (2), Beyer (2), Rütten (1), F. Huppers (1), Löwenthal (1), Bleckmann, Kern.

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